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Archive for the ‘Konzerte’ Category

Fraktus II – Fauststudio – Scheer

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Sie arbeiten seriös. Wirklich. Sie arbeiten ganz seriös an der Zerstörung der Welt.“, sagt Jochen Irmler (Faust), in dessen Klangband-Studios in Scheer Fraktus II am vergangenen Freitag Premiere feierte, vor dem Konzert über Bernd Wand, dessen Mutter und Carsten Meyer. Wenige Minuten später wissen wir, was Irmler mit dieser Beschreibung meinte. Denn Fraktus II sind nicht zu greifen, absolut unfassbar. Zu Beginn der Show platziert sich Irmler selbst am linken Bühnenrand, hinter seinen selbst konstruierten Orgelaufbauten, die rein optisch an die Skyline einer dystopischen Metropole erinnern.

dsc_2141Rechts aber greift Meyer, „der musikalische Leiter der Expedition“, in die Organe seines Flügels. Präparierte Orgel trifft – frei nach John Cage – auf präpariertes Klavier. Zwischen den Klangschüben huscht Mutti Wand schüchtern auf die Bühne und Bernd Wand schiebt sich unter einem riesigen Schildkrötenpanzer aus Eierboxen durch die Publikumsreihen. Es folgt ein minutenlanges Pamphlet des Bandleaders: „…eine absichtlich herbeigeführte Explosion im Klanglabor. Alle Petrischalen platzen unter liebevollen Ohren des Tonkollektivs. Diese Reinigungskosten könnte kein Mensch bezahlen. Das ist das Wunder von Scheer!“

dsc_2134Erst jetzt wirft Meyer die elektronischen Maschinen an und es vermischen sich Neue Deutsche Welle, Schlager, Techno und Krautrock zu einem ganz neuen, auf der Rasierklinge der Realität balancierenden Genre. Das Fraktus II hier im vermeintlichen Nichts das Licht der Welt erblickt ist folgerichtig. Nach dem Ende von Fraktus (aufgearbeitet in der gleichnamigen und längst legendären Mockumentary) war Bernd Wand nach Brunsbüttel zurückgekehrt und hatte nicht nur im Optikergeschäft seiner Eltern gearbeitet, sondern mit ebendiesen auch Fraktus II gegründet. Bereits im Film formulierte Wand den Wunsch einmal auf dem Klangbad-Festival aufspielen zu wollen. Im Sommer wurde diese Sehnsucht zumindest teilweise erfüllt: Fraktus II reisten für eine Woche ins Donautal und setzten gemeinsam mit Klangtüftler Irmler und offiziell gefördert vom Land Baden-Württemberg ihre Debütplatte „Optische Täuschung“ um. Das kann man sich alles nicht ausdenken!

dsc_2168Das Bewusstsein ist nur eine temporäre Haltestelle auf dem Weg in den Wahnsinn!“, erklärt dann auch Bernd Wand und als Zuhörer merkt man deutlich, wie einem die Begriffe wie Sand zwischen den Fingern zerrinnen. Bei „Farben und Verläufe“ schraubt dann Irmler magnetische Klangschrauben aus der Tiefen seines Krautrockgolems, während Wand sich selbst dabei filmt, wie er Farbe auf eine rotierende Papier-Schallplatte träufelt und seine Mutter und Carsten Meyer das Tanzbein schwingen. Und eben weil Musik begrifflos erscheint, erlaubt sie eigentlich keine solche Ironie. Anders als in der bildenden Kunst finden Abstraktion, Karikatur und Naivität nur selten ihren Weg in Bandprojekte, weil die meist für mehr stehen und stehen müssen. Für Politik, für Bewegungen, für das eigene Ego. Fraktus II sprengt diese ewigen Beschränkungen mit Leichtigkeit. Und auch mit Ironie, klar, aber stetig im des Parametersystems der Hoch- und Popkultur und ganz bewusst auf den Moment der aufklappenden Falltüre hin komponiert.

Das Konzert ist schreiend komisch, vollkommen absurd, total gaga auf so vielen Ebenen und dann doch wieder tragisch bis melancholisch in seinen unzähligen kleinen Gesten. Realität und Hyperrealität und Performance und Fiktion und Irrsinn verschmelzen zu einer hybriden Masse und es bleibt dem Rezipient überlassen, wie er diese nun für sich verformt. So muss Dada vor 100 Jahren auf den vormodernen Menschen gewirkt haben. Fraktus II ist Dada hoch 3. Dadadada!

Nach dem Konzert sitzt die Band gemeinsam in den Räumen der ehemaligen Papierfabrik. Ein Besucher verabschiedet sich vom Frontmann: „Tolle Nummer war das, danke, äh, Bernd, oder ähm… Jacques. Ja wie denn jetzt?“ „Jacques Palminger, jetzt hier, da kann ichs ja sagen. Von einer Kunstfigur in die andere…“ Der Druck fällt sichtlich und gemeinsam mit dem jetzt abgezogenen Rollenmantel ab und jetzt erst offenbar sich harte Arbeit, die zermürbenden Denkprozesse im Spiel mit dem Wahnsinn und der Authentizität. Aber Authentizität, springt wenig später ein Meyer ein, ist ja sowieso das größte Unwort überhaupt.

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Syndrome/ Alcest/ Mono – Winterthur – Salzhaus

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Inmitten des Songmonsuns „Pure As Snow“ schnappt sich Gitarrist Takaaira Goto kniend sein Werkzeug und rammt die E-Gitarre wie ein Kruzifix in den Boden. Und da liegt er nun, die neue erschaffene Gottheit anbetend, wie eine soeben gestrandeter Robinson, während die von seinen Bandkollegen losgetretenen Klangwellen über ihn hinüber schwappen. Nach einigen reglosen Sekunden des Innehaltens rafft sich Goto auf und schraubt wie von Sinnen an den vor ihm liegenden Sound-Geräten und jene Welle zucken gespiegelt zurück. Bei aller angesammelter Konzerterfahrungen – einen Moment von solcher Klarheit und Emotion erlebt man nur in den seltensten Fällen. Das japanische Postrock-Quartett Mono ist definitiv keine gewöhnliche Live-Band.

Bei aller digitalen und weltweiten Vernetzung gibt es für uns Mitteleuropäer doch immer noch Länder und Kulturformen, die sich uns mit unserem Wissensschatz und unseren Denkstrukturen nur schwer erschließen. Das Land der aufgehenden Sonne erscheint hier als Paradebeispiel einer Gesellschaft, die zwar hypermodern agiert (zumindest in Tokio), sich aber dennoch für uns so fremd, andersartig und exotisch präsentiert. Das gilt vor allem auch für die Kunst und die Popkultur. Abseits der Regie-Genies Kurosawa, Myasaki und Kitano hat kaum ein Künstler den Weg in den westlichen Mainstream gefunden. Und seien wir ehrlich: Wer nicht gerade einen Hobby-Japanologen in seinem Freundeskreis weiß (oder selber einer ist), der kennt für gewöhnlich auch keine japanischen Popstars. Dabei ist die dortige Musikszene bunt,vielfältig und überbordend. Ein Großteil der bekannteren japanischen Bands wie Dire En Gray oder Babymetal vermischen die Genres J-Pop oder J-Rock mit Visual Key, verbinden also einen absolut abgefahrenen und nicht selten Kitsch überladenen Kaugummi-Pop-Rock oder sogar Heavy Metal mit einer auffallenden und nicht selten an Manga erinnernden Optik. Abseits davon gibt es aber eine Fülle von hochspannenden Bands, die sich in experimentellen und technischen Gefilden wie Post-, Prog- oder Stonerrock austoben und auch im Westen als stilprägend gelten. Wir denken Boris, an Envy und eben auch an Mono. Letztere spielten am vergangenen Dienstag im Salzhaus in Winterthur ein absolut denkwürdiges Konzert.

Eigentlich es ist an dieser Stelle fast ein wenig kurzsichtig den Fokus alleine auf die Japaner zu richten, teilt sich Mono den Zugpferdstatus auf ihrer gegenwärtigen Tour mit den Franzosen von Alcest. Mehr noch: Die niederländische Ein-Mann-Maschine Syndrome erweitert das Ganze zu einer Art Mini-Festival. Alcest, die eine komplett neue Spielart des Shoegaze entwickelten, indem sie ebendiesen mit Metal und Postrock-Waben verklebten, spielen eine straighte Show, die sich gewaschen hat. Laut und durchdringend bis an die Schmerzgrenzen, schälen sich durch das vermeintliche Chaos doch stetig melodische Spurverläufe.

Im monumentalen Mono Opener „Death In Rebirth“ geht es da im Vergleich fast ein wenig harmlos zu: Während Schlagzeuger Yasunori Takada im Hintergrund munter vor sich in werkelt und Bassistin Tamaki Kunishi recht abwesend in die Saiten greift, sitzen die beiden Gitarristen Yoda und der angesprochene Goto zunächst sogar brav und diszipliniert auf Pianohockern. Alles wirkt abgeklärt, sicher, normal und erwartbar. Im weiteren Songverlauf aber entsteht zwischen den beiden Gitarristen ein massiver, wirbelnder Sog, der immer stärker zu vibriert und schon bald gewaltig bis gewaltsam rotiert und rotiert und rotiert.

Monos Postrock, das zeigen unzählige Erfahrungsberichte, hat die Eigenschaft seine Zuhörerschaft in eine Art anderen Zustand (mit den besten Grüßen an Robert Musil) zu versetzen. Das liegt sowohl an den immer schwerer tönenden, sphärisch sägenden Klängen, die sich typischerweise über den Hörer aufschichten und ergießen, aber auch an der konzentriert destruktiven Struktur, die sich nur in den seltensten Fällen an klassischen Songwriting orientiert. Auch in Winterthur zerfließen Zeit und Raum… Monos größte Stärke liegt live in der finalen Ausreizung der Kreisbewegung bis zum Kollaps. Unter dem brachialen Einfluss des marternden Soundgolem „Requiem For Hell“ lösen sich alles sicher geglaubte Formationen auf, die gewohnten Bausteine zerfahren in alle Himmelsrichtungen, zerschellen und ziehen sich doch wieder an wie Magnete. Mono, die vierköpfige Hydra, verschluckt seine Hörer und spuckt sie wieder aus, mittenrein in die ganz normale Welt, die dir mit dröhnenden Trommelfell ein wenig dekonstruiert vorkommt.

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Interview mit Langtunes (Iran) und Ramzailech (Israel) im Zuge der Secret Handshake Tour

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Das anhaltende politischen Krisengemenge im Nahen Osten ist 2015 präsenter als je zuvor. Kriege, Krisen, Terror, Jahrhunderte andauernde Fehden und Feindschaften, zerschossene Kultur, wohin das Auge reicht. Positive Meldungen sind kaum zu vermelden oder werden von den allgegenwärtigen Hiobsbotschaften einfach verschluckt. Doch mitten in diesem scheinbar undurchdringbaren Strudel der Gewalt und Unterdrückung, haben sich zwei Bands aus zwei Welten zusammengefunden, um gemeinsam gegen den Strom zu schwimmen, sich die Hände zu reichen und gemeinsam zu „Devil Horns“ zu formieren – als Zeichen des Friedens, aber auch der Rebellion. Ramzeilech aus Israel und Langtunes aus dem Irans gehen im November gemeinsam unter der Fahne „The Secret Handshake“ auf Europatournee und spielem 24.11. auch im Konstaner Kulturladen und präsentieren auch abseits des natürlich präsenten politischen Diskurs, einen außergewöhnlichen, vielschichtigen Konzertabend. Denn während die Langtunes eine eingängigen, konzentrierten Indierock spielen, sind Raumzelech echte Pioniere im Feld des „Electric Hardcore Klezmer“.Im Gespräch mit RisseImAsphalt sprachen Behrooz, Frontmann der Langtunes und Ramzailech Gitarrist Amit über ihre Heimat, kulturelle Unterdrückung und eine einzigartige, musikalische Freundschaft. (Das nachfolgende Interview habe ich in englisch veröffentlicht. Allerdings ist das Gespräch gekürzt und übersetzt im Südkurier erschienen (KLICK!))

 

How does rock music function in your home countries? Is there a real alternative scene?

Langtunes: „There’s no function in which you can describe the way rock music is working Iran. Meaning, there’s no official platform, opportunity or ways, for the musicians to work. But of course, you can’t stop the people from doing what they wanna do! So people go to the underground and start doing what they wanna do under the radar of the government! If there’s not a chance to publish some kind of a music, they do it online. If there’s not a concert allowed, they do it in their basements and private parties. If there’s not a chance to make ssome kind of a movie, you do it illegally and screen it outside of Iran, if there’s not a chance to have a fashion show, you build up your own stage and you invite people around you and do it in private, and it goes on and on…So there is a function sort of , for the alternative scene to say, but it’s all working in the underground.“

Ramzailech: „Rock and heavy music is a big part of our musical language. We, Gal and Amit, grew up together but listened to a lot of different music. So between the two of us there’s anything from traditional Klezmer music like Dave Tarras and Giora Feidman to heavy industrial influences like Das Ich, Ministry and Oomph. That diversity between our influences is a key factor to the sound of Ramzailech. There are some amazing bands here in Israel that play all genres from straight-ahead rock to doom and noise. Some get a chance to go overseas and have some sort of recognition while others stay under the radar. You should check them out!“

 

Especially in Iran it is forbidden to spread Western music – did you often come into conflict with the law? How could the establish the Langtunes under these circumstances? In germany a lot of people recognized the succes of „Taxi Tehran“ – are there many artists who set against the current politcal situation Iran?

Langtunes: „As long as you stay under the radar, you’ll be fine! You need to be smart, and know your way around! Of course, there were some trouble for us with the officials over the years, but nothing that big that could stop us from working. And it all depends on how big you get with your audience inside Iran. If you would catch some big attention inside or outside of Iran, then you might get into trouble, as did the guy who made this “Taxi Tehran” movie, who ended up in jail. So of course there’s trouble on your way, but you never know what the consequences would be!“

 

And what about Israel? What to the people think, when you tell them that you are on tour with a band from Iran?

Ramzailech: „We weren’t sure how people would react to the idea, but the more people we’ve talked to, we we’re happy to learn that people are interested and supportive: We we’re playing a festival in Israel and during the show we told the audience about the tour and we got a round of applause. That was an amazing feeling.“

 

How did the meeting between your two bands go? Did you understand each other immediately? Was there sympathy between your groups from the beginning?

Langtunes: „From our perspective, it was as much unimportant where the guys from Ramzailech are, as it could be! We had the communication, as humans, musicians, with the same goal and same spirits. We were easy together, and later came the thoughts of being from these two “forbidden to meet” nations. So that brought us to the thought of “hey, does it really matter where you come from?” and enjoying this concept of a humanistic relation between two groups of people who are not “supposed” to be friends together, but ended up being so, we thought of working with it, showing it to the other people as well, and promoting this way of thinking. No matter how open minded we are, or whether or not we are super intellectuals, we often see people having these borders in their head. “where are you coming from?” is a question people ask each other everyday, and so follows the tags, the prejudices and thoughts towards each other, depending where we are coming from. That’s what we didn’t feel! That’s what we are trying for the people to realize!“

Ramzailech: „We’re all people, we met each other, got along from the very first moment, had a great concert together and that was that. That’s how easy it was. Maybe we owe some credit to the turkish restaurant we ate at after the show. Food always helps. But that’s all you need, people who want to do something cool and just decide to go for it.“

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Who had the idea to do a tour together and what about the idea to start this whole project over Crowdfounding?

Langtunes: „The idea of a common tour actually came from our manager Elnaz Amiraslani who´s also an Iranian and music-promoter in Germany who connectet us 2014. With all of us talking after the one show last year, over the points I mentions above we were positive with that idea right away. And of course, we had two ways to make it happen. Ask for sponsoring and official helps, or go with it on our own. Asking the officials, would mean that we had to take political sides or to send out political messages to the one side or the other, and we wanted to stay away from all these. So the other option was to involve people with it, and ask for them to take part in this peace promoting project.“

Ramzailech: „The tour felt right for everyone. When we met Elnaz, who manages Langtunes, it felt like there’s a team that could make it happen. Booking a tour is a lot of work anyways so why not do it with two bands from Israel and Iran? We keep politics away from the music, so it made more sense to have more support from crowdfunding rather then involving the government.“

 

Two bands from two worlds – with completely different cultural background and who play totallay different musical genres: What can I as a visitor expect from the Secret Handshake Tour? Is it all about music? Or will you also do discussions or lectures?

Ramzailech: „Langtunes is one of the coolest bands in Europe right now. It doesn’t matter if they’re from Iran, Australia of from Mars. They’re a good band. When we play a Ramzailech concert, we do everything we can to play the best show we’ve ever played. That’s what it’s all about for us. We’re more interesting on stage playing our fucking asses off than in a room with a powerpoint slide talking about falafel.“

Langtunes: „Mostly this is about two bands, following up their dreams, no matter where they come from, who they are, and what their cultural backgrounds are. You should expect to see two bands putting all their efforts to rock the shit out of the stage! Of course, after that, you can think about, this rocking off, came from two bands, who are not supposed to be on the same stage, who are not supposed to be friends, who are not supposed to meet each other at their homelands, and who are not supposed to share the same dream, but music, is one thing that could connect people globally to share the same experience and talk the same language!“

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How important is such a symbolic handshake especially in the current political reality?

Langtunes: „People are the ones responsible for making any sort of differences in this world. And of course, if people start moving out of the borders from their heads, removing tags and names and nations from their way of thinking, and connecting with one another, more peacefully and more humane, we would be living in a more beautiful world. And if this tour can make even one person think like this, we can say that we already made some changes.“

Ramzailech: „That’s a very deep question but the answer is very simple: Music. Music is why we do this. Musicians do things that politicians couldn’t dream of: they connect people, they don’t even need words to do so. As long as people can come together and do that, we’re optimistic.“

 

Do you expect restrictions and problems in your home country after the tour?

Langtunes: „Of course the two governments need this conflict to use it for their benefits, politically. And of course if this really begins to make some changes, they will be pissed off, and of course we are thinking of all the risks. Could be lethal for us, or could be nothing in the end. We’ve always been risk takers in what we’ve been doing. Risk, stress, and rebellion has always been a part of rock n’ roll. We’re young, wild, and full of rock n’ roll!“

Ramzailech: „I’m a big fan of ‘club-mate’, so whenever I’m in Germany, I’m hooked. it’s almost impossible to find it Israel so that’s a very possible case of problems and restrictions.“

 

What have you planned for the future?

Langtunes: „A more peaceful world. A more successful career for both of our bands. A great audience who are thinking free and enjoying our shows and spreading our music and sharing our hopes and dreams and passion!“

Ramzailech: „We’re releasing our album “Tsuzamen” in a few weeks, that’s a dream coming true. We’re already in the studio working on more new music. Also, somewhere in the near future, we hope to take a day off and rest, but not yet.“

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Jeder regelmäßige Konzertbesucher legt sich früher oder später eine Art Katalog der Banderinnerungen an, in welchem er seine Erfahrungen und Erinnerungen einspeisen kann. Da reihen sich dann all die Enttäuschungen, Gänsehautmomente, Blockbuster und spät erfüllte Live-Wünsche sauber nebeneinander ein. Besonders in die Erinnerung gräbt sich aber eine ganz besondere Art von Konzert: Jene Shows, in die du vielleicht zufällig reinrutscht, von denen du dir so gar nichts erwartest und die dich komplett kalt erwischen und vollständig wegblasen. Wer am vergangenen Donnerstag in den Konstanzer Kulturladen marschierte, hatte die seltene Gelegenheit ein solches Konzertgefühl zu erleben. Der Grund: Mother´s Cake aus Österreich!

Drei Mann: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Das ist die ursprünglichste, die rohste aller Besetzungen. Eigentlich, so meint man, hat man alles gehört, was diese grundlegenden Parameter hergeben. Von wegen! Ab der ersten Sekunde zündet das psychodelische Punkrock-Potpourri der Österreicher und schiebt den Kula druckvoll in Richtung akustische Kernschmelze.

Mother´s Cake sind eine ganz neue Art von Band, ein Trio, dessen Biografie zwei komplett unterschiedlichen Welten entsprungen ist. Auf der einen Seite ist das die ganz klassische Bandevolution. Der Aufstieg von der kleinen, verplanten Rockgruppe, die sich durch die Jugendhäuser des Tiroler Oberlandes spielte und sich später Stück für Stück nach oben hangelte und sich als Vorgruppe von Größen wie Iggy Pop oder Limp Bizkit ihre Sporen verdiente. Auf der anderen Seite aber präsentiert sich Mother´s Cake aber auch als Bandprojekt 2.0, das sich Zeitgeist-typisch in unzähligen Band Contests duellierte, die Tour mit den Prog-Rockern Anathema auf Youtube dokumentierte und ihre Videoprojekt „Off The Beaten Track“ per Crowdfounding finanzieren ließ. Unterm Strich sind Mother´s Cake also eine hybride Band, die sich sowohl in nach schweiß-stinkenden Konzertclubs, als auch im digitalen Anderen bewegt und diese Kontraste zumindest diskursiv in ihrer Musik umsetzt.

Das Feuerwerk, das der Tiroler-Dreier zündet ist eine Art Next Level Crossover: Da zersprengt es schon mal ein erbarmungsloses Stonerrock-Periodensystem in seine einzelnen Bausteine, ehe das soeben angerichtete Chaos konzentriert von einem Red Hot Chili Peppersesken  Bassbeat zusammen gefrickelt wird, nur um dann – jetzt kommt’s – den scheinbar sicheren Bauplan in einer elektronisch abgespacten Goaekstase aufzudröseln. Und scheinbar sind sich Mother´s Cake gar nicht so richtig bewusst, was sie da gerade mit den guten alten Konventionen des Rock’N’Roll anstellen (nämlich durch den auf den Kopf gestellten Fleischwolf drehen). Seelenruhig spielen sie ihren vor Sprengkraft nur so strotzenden Stiefel herunter.

 

Sänger Yves Krismer richtet ab und an einen trockenen Einzeiler in Richtung vor sich hin schwitzendes Publikum. „Wir sind Mothers Cake – aus Hannover!“ „Unser nächster Song heißt Atemlos!“ „Hat mal einer einen Bieröffner da.“ Dann geht´s weiter. Mit Volldampf. Und vielleicht muss ein Rockband im Jahre 2015 genau so klingen: Unberechenbar, unverortbar, anstrengend, hyperaktiv, vor wilden Zitaten und Verweisen und hypnotischer Sogkraft nur so überbordend, ständig mit dem finalen Kollaps kokettierend. Und natürlich springt bei diesem rasenden Ritt auf Riffrasierklinge die eine oder andere Komposition über die Klippe. Aber das Scheitern ist dem Rock’n’Roll seit jeher immanent und so ist dieser bewusste Blick in den eigenen Abgrund am Ende nur konsequent. Zudem muss definitiv Bassist Benedikt Trenkwalder hervorgehoben werden. Im Normalfall fristen Bassisten ein Schattendasein am Rande der Bühne, aber Trenkwalder ist der heimliche Frontmann der Band, der nicht nur immer wieder den Rhythmus wechselt, sondern klassische Techniken ad absurdum führt und den Bass vor allem im ausufernden Finale ins Zentrum des Klanggebilde verschiebt. Der dabei entstehende Sound gleicht einer scheppernden Achterbahnfahrt, voller Schikanen, Steilfahrten und Loopings. Mother´s Cake – Merkt euch diesen Namen!

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Hundreds – Kulturladen Konstanz

 

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Stille, das vergisst der Zuhörer oftmals angesichts des implizierten Widerspruchs, nimmt noch immer einen ganz entscheidenden Platz innerhalb der zeitgenössischen Popmusik ein. Klar, meistens wird mit ihr gebrochen, wird sie weggeschoben und muss dann Platz für den Sound oder den Krach machen. Aber manchmal wird sie eben bewusst eingesetzt, als kaum wahrnehmbare Spur im Stilmittel der Reduktion. Dieser Umgang mit der Stille ist diffizil, anspruchsvoll und erfordert extremes Feingefühl. Ein Gespür für die Nuance, welche Hundreds, das Geschwisterduo bestehend aus Eva und Phillip Milner, zur stilbildenden Eigenschaft ihres Entwurfs der elektronischen Popmusik gemacht haben und welches sie während ihres Openers „Foam Love“ im Kulturladen offen zur Schau stellen. Dort entspinnt sich ein aufs äußerste reduziertes Zusammenspiel zwischen Phillips vielschichtiger Pianocollage und Evas zunächst so zärtlich zerbrechlicher Stimme.

Die gegenwärtige Tour, die in Konstanz ihren gefeierten Auftakt fand, steht unter dem Motto „Tame The Noise“ („Zähme den Krach“). Akustisch soll es sein, aber eben doch nicht ganz akustisch. „Aber immerhin haben wir eine ganze Menge richtiger Instrumente mitgebracht.“, erklärt Eva direkt zu Beginn. Das Konzert macht in der Folge seine eigene, kleine Evolution durch: Alles beginnt am eingangs beschriebenen Nullpunkt, in der Dunkelheit, der Stille. Im weiteren Verlauf entwickelt sich das Soundgewand kontinuierlich und wird um immer neue, subtile Nuancen erweitert. Phillip beginnt zunächst damit, sein Piano kaum merklich zu verzerren und vergrößert das Gesamtgebilde alsbald durch elektrifizierte Loops. Nach den ersten drei Songs wird das Geschwisterpaar während „Solace“ von Schlagzeuger Florian ergänzt. Dessen erste Anschläge scheppern erbarmungslos durch das Publikum, welchem erst in diesem Moment des Lärms sein wohlig warmer Embryostatus innerhalb der Stille bewusst wird. Dieser Status Quo wird in der Folge konsequent dekonstruiert, die Sicherheit und Vorhersehbarkeit aufgegeben, die eindeutige Dunkelheit weicht nicht nur in den Texten dem ambivalenten Licht.

Die zentrale Energie entspinnt sich aber zwischen den beiden Polen Eva und Phillip. Dabei spielt das Geschwistersein für die Beiden oberflächlich keine wirkliche Rolle. Natürlich sind da die Anekdoten, die von gemeinsamen Auftritten auf Familienfeiern erzählen. Und von Phillips Aufstieg zum renommierten Jazz-Pianisten, der später Inspiration in der Stimme seiner Schwester fand. Darüber hinaus lenken Hundreds den Fokus bewusst in Richtung Musik und treten erst dort, auf musikalischer Ebene, als unheimlich effektive Partner in Erscheinung treten. Denn Live bewegen sich Hundreds nahe an einer technischen Perfektion. Die drei Musiker spielen sich selbst kleinste Soundpartikel präzise zu, erweitern diese, reagieren effektiv auf die Hinweise ihrer Mitmusiker. Da sind unübersehbare Ablaufparallelen zur Klassik und auch zum Jazz, die aber auch immer wieder von der ausreißenden, vielschichtigen Stimme der Frontfrau ad absurdum geführt werden. Am Ende bilanziert Eva Milner glücklich:  „Ich glaube wir spielen heute das längste Konzert unserer Bandgeschichte. Und wir sind so froh, dass ihr uns mit offenen Herzen empfangt! Ihr seid so still.“ Und hier schließt sich der Kreis. In der Stille. Wo auch sonst?

 

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Annenmaykantereit – Kulturladen Konstanz

Das sind also, Annenmaykantereit, Deutschlands wohl gehypteste Nachwuchsband. Da stehen sie aufgereiht, beinahe schüchtern, unsicher, ein wenig eingeknickt, fast so, als wüssten sie nicht, wer oder was sie gerade in dieses bis zum letzten Platz gefüllte Konzerthaus gespült hat. Auch Sänger Henning May macht auf den ersten Blick den Eindruck, als wäre er viel lieber irgendwo anders. Die Arme hat er wie Liam Gallagher hinter dem Rücken verschränkt, aber nicht aus Arroganz, sondern weil er nicht so richtig weiß, was er mit ihnen anfangen soll. Dazu kommen Ansagen der Marke: „Das nächste Lied spielen wir immer. Ist einfach so.“ Und dann beginnt May zu singen und das Momentum im Konstanzer Kulturladen verschiebt in Sekunden um 180 Grat.

Schnitt: Es gibt sie noch, die klassische, unspektakuläre Bandbiografie. Die Geschichte von drei Kumpels, die sich auf der Schule kennenlernen und zusammen Mucke machen. Die sich durch die obligatorischen Vorbandtourneen, Festival-Konzerte am Nachmittag und selbstgedrehte Videos zuerst auf die Notizzettel der Musiknerds und später in die Allgegenwärtigkeit des Internets spielen. Und dort dann plötzlich eine Lawine lostreten. „Viel Aufmerksamkeit für eine so junge Band, die gar nicht versucht hat, jeden Blick auf sich zu ziehen.“, heißt es von Bandseite aus und vielleicht liegt genau hier der Hund begraben: Hinter Annenmaykantereit steht kein ausgebufftes Marketingkonzept, die Kölner Band will eigentlich nur spielen und überzeugt dabei durch schiere Qualität. Und durch ihren Sänger.

Denn Henning Mays Stimme ist so irrsinnig anders, so einnehmend effizient, dass es sie in dieser Form im deutschen Pop vielleicht noch gar nicht gegeben hat. Soviel Superlativ muss hier tatsächlich erlaubt sein. Die einzige Assoziation, die sich angesichts dieses raumfüllenden Reibeisens aufdrängt, ist Rio Reiser. Doch Mays Organ ist noch härter, noch dunkler, wilder, gebrochener. Und sie trägt Annenmaykantereit auf breiten Soundschultern, denn abseits der Stimme, klingt die Band längst nicht so ausgereift.

Ein Sportler, dem immenses Potential nachgesagt wird, der dieses körperlich aber noch nicht vollständig umzusetzen kann, bezeichnet man gemeinhin als roh. Diese Assoziation poppt auch beim Konzert von Annenmaykantereit auf. Die Band strotzt nur so vor immensen, brach liegenden Talent, weiß dieses aber technisch noch nicht in Perfektion umzusetzen – und das ist auch gut so und in Zeiten von Popakademien und Band Contests eine charmante, wichtige Gegenposition. Tatsächlich befindet sich das Quartett in einer Art Versuchsblase, in der sie aktuell alle Eindrücke und Stile absorbieren und neu durchmischen. Dazu passt auch Mays Ansage in Konstanz: „Das nächste Lied gibt es nicht. Wir spielen einen Haufen unfertiger Lieder und hoffen, dass die irgendwie im Laufe der Tour fertig werden.

Natürlich markieren die Pressetexte das Ergebnis dieses Experiments als Indie, weil eben alles irgendwie Indie ist. Tatsächlich klingt Annenmaykantereit aber eher nach The Clash als nach Oasis und definitiv eher nach Ton Steine Scherben als nach Sportfreunde Stiller. Wir hören durchdachten, weit geöffneten, teilweise tanzbaren Punkrock, angereichert mit Balkan-, Blues- und Jazz-Elementen, Clash-typisch getragen von einem dominanten Schlagzeug Beat, verstärkt mit Reizpunkten aus Mundharmonika oder Melodica. Das alles vermengt sich zu einem vitalen, unausgegorener Strom, der gerade aufgrund seiner Unfertigkeit mitreißt, fasziniert und einen hohen Wiedererkennungswert besitzt.

Die stärksten Sequenzen erlebt das Konzert während der ruhigeren Kompostionen. Songs wie „Neues Zimmer“ oder „Dritter Stock“ stechen hervor, vor allem, weil darin die unbekümmert daher  geschriebenen Texte in den Vordergrund rücken. Hier geht es um Alltagsbeobachtungen, Langeweile, zerrissene Leben, um Kaffe machen, um Heimat und geplatzte Träume. Und ja, das hat man alles schon tausendfach gehört, aber der spielerische Umgang mit Sprache scheint neu und erinnert abermals eher an Punkrock und bessere Hip-Hop-Texter. So heißt es in der Ballade „Barfuß am Klavier“, die May während der Zugabe alleine am Piano zum Besten gibt, so wunderbar unprätentiös und auf dem Punkt: „Du und ich, das war zu wenig.“ Und auch deshalb kann es Ende nur eine Erkenntnis geben: Dieser Hype ist gerechtfertigt. Annenmaykantereit sind die junge deutsche Band der Stunde.

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 Maifeld-Derby – Vorbericht und Interview

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Aus dem übersättigten Festivalnährboden Deutschlands sprossen in den vergangen Jahren so viele neue Festivals, dass man selbst als geneigter Musikfan schnell Gefahr läuft, den Überblick zu verlieren. 2014 finden wir beinahe in jedem Ort, zumindest jedoch in jedem Landkreis ein eigenes Festival – die Spanne reicht dabei von Giganten wie dem Southside oder Rock am Ring, über Mainstream-Events bis hin zu größeren Dorffeten. Das Problem: Quantität ist nur selten mit Qualität gleichzusetzen! Vielen Veranstaltungen fehlt es an Charme, Risikobereitschaft, Ideenreichtum und vor allem aber an aufregenden Lineups. Zahlreiche Bands überschneiden sich, die Buchungen folgen meist aktuellen Hypes oder dem unabdingbaren Drang nach Party. Vor diesem Hintergrund tut es besonders gut über ein Festival wie das Maifeld-Derby zu stolpern, das ganz bewusst einen anderen Weg geht.

Aber von vorne: Auch das Maifeld-Derby ist noch nicht lange der Kinderwiege entstiegen. 2014 findet das Festival auf dem Mannheimer Maimarkt Gelände nunmehr zum vierten Mal statt. Doch das Derby war von Beginn an anders. Das zeigt alleine ein kleines, aber feines Detail: Das Zeitplan des Festivals offenbart sage und schreibe fünf Bühnen und bietet genau deshalb für alle Arten und Größen von Bands ausgiebige Spielzeiten bei möglichst geringen Überschneidungen. Es wird klar: Hier geht es um Musik – der Hardcore-Festivalgänger könnte sich theoretisch zumindest ein gutes Stück Musik von jeder der insgesamt 60 Bands zu Gemüte führen.

Und ebendiese 60Truppen bieten eine gehörige Bandbreite. Die grundlegende Ausrichtung des Festivals liegt sicherlich im ungeheuer undefinierten Bereich der Indie-Musik. Wie weit dieses Feld ist, konnte man bereits im vergangenen Jahr feststellen, als man als Maifeld-Gänger bereits am ersten Abend sowohl die Progstoner-Giganten Kadavar, als auch eine denkwürdige Show von The Notwist hören konnte (Hier gehts zu unserem Bericht von letzten Jahr -KLICK-). Auch 2014 gibt es unglaublich viel zu entdecken. Zu den Highlights des Lineups gehören sicherlich die fantastische Future Islands, deren Frontmann Samuel T. Herring wohl zu emotionalsten und außergewöhnlichsten Performern des ganzen Rock´N´Roll-Zirkus gehört. Am Festivalsamstag teilen sich zwei Bands den großen Auftritt im Palastzelt des Festivals: Zunächst entert Lokalmatador Konstantin Gropper a.k.a. Get Well Soon die Bühne. Gropper entstammt der Mannheimer Popakademie und seine orchestraler, vielschichtiger Musikentwurf sucht nach wie vor national wie international seines Gleichen.

Zweiter Samstagsheadliner sind Warpaint, die psychodelische Indie-Elektronik-Experimental-Supergirlgroup, die einst zusammen mit John Frusciante musizierten und Live stetig für offene Münder sorgt. Der ganz große Fisch zappelt aber erst Sonntag-Abend im Netz: The National waren 2013 eine präsentesten und erfolgreichsten Indiebands – das spielt aber eigentlich keine Rolle. Denn The National mit ihrem besessenen und unendlich sympathischen Frontmann Matt Berninger sind schlicht und einfach eine absolut grandiose Liveband mit einen scheinbar unendlichen Fundus an absoluten Hymnen. The National und das Maifeld-Derby – das passt wirklich wie der viel zitierte Arsch auf Eimer!

Knapp eineinhalb Wochen vor dem Festival ergab sich die Möglichkeit einige Fragen an Timo Kumpf, den Veranstalter des Maifeld-Derby und Matthias Rauch (Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Clustermanagement Musikwirtschaft) zu richten. Die Antworten wollen wir euch selbstverständlich nicht vorenthalten.

 

1. Was genau sind eure Aufgaben im Organisationsteam des Maifeld Derby?

Timo Kumpf: „Als Geschäftsführer habe ich die Verantwortung über alle Bereiche, von der Produktion über die Promotion bis hin zum Programm. Die Schwerpunkte verschieben sich im Laufe des Jahres. Zunächst steht neben Partnerakquise das Programm im Vordergrund, bevor es dann an die Details geht. Eine Spezialisierung darüber hinaus ist momentan leider noch nicht möglich, aber langfristig arbeite ich daran, mehr Verantwortung abzugeben.

Matthias Rauch: „Seit diesem Jahr unterstütze ich das Maifeld Derby Team bei der Pressearbeit und der Kommunikation. Ich arbeite als PR-Verantwortlicher für das Clustermanagement Musikwirtschaft Mannheim & Region. Wir sind Netzwerker und Strukturförderer innerhalb der regionalen Musikwirtschaft. Wir haben in den letzten Jahren unter anderem den VIP-Empfang des Maifeld Derbys ausgerichtet. Dieses Jahr unterstützen wir das Festival vor allem personell.

2. Das Maifeld-Derby geht nunmehr in seine vierte Ausgabe – was wird 2014 anders sein? Gibt es Fehler, aus denen ihr gelernt habt? Gibt es Neuerungen?

Timo Kumpf: „Es gibt immer Dinge, die man verbessern kann und daran arbeiten wir nach unseren Möglichkeiten ständig. Aber größtenteils sind das Dinge, die sich hinter den Kulissen abspielen. Für die Besucher versuchen wir natürlich ständig am Konzept zu feilen und dies zu verbessern. Die größte Veränderung ist, dass wir aus den anfänglich 3 Bühnen nunmehr 5 gemacht haben. Es gibt erstmals eine Aftershow Party im Maimarktclub bis 5.00Uhr morgens. Da geht’s dann elektronischer und tanzbarer zur Sache als beim „normalen“ Festivalprogramm.

Matthias Rauch: „Es gibt auch sehr viele Dinge, die wir gerne fortführen wollen. So ist es uns nach wie vor wichtig, die Details nicht aus dem Blick zu verlieren und eine sehr intime und familiäre Atmosphäre während des Festivals zu schaffen. Hier greifen sehr viele Faktoren ineinander, die von der Dramaturgie des Line-Ups bis hin zum Catering und der Gestaltung des Geländes reicht.

3. Wo soll es mit dem Maifeld-Derby hingehen? Gibt es Grenzen?

Timo Kumpf: „Naja, wir sind schon so ziemlich an der Grenze dessen was das aktuelle Konzept hergibt. Spätestens bei 5000 Besuchern ist unser Gelände erschöpft und aktuell ist es nicht angedacht, daran etwas zu verändern. Das würde dann auch das Besondere, familiäre Ambiente gefährden und das wollen wir glaub ich nicht riskieren.

Matthias Rauch: „Wie Timo schon sagte, geht es uns nicht um Wachstum um jeden Preis. Wir haben nichts dagegen zu wachsen und tun dies ja auch, aber nur wenn wir gewährleisten können, dass wir bestimmte Aspekte nicht komprimittieren müssen.

4. Bei der Dichte an Festivals, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, ist die Konkurrenz natürlich groß. Was ist für ein „junges Festival“ besonders wichtig, um sich zu etablieren und sich von der Masse zu unterscheiden?
Timo Kumpf: „Ich denke neben Programm und gekonnter Umsetzung gibt es noch viele weitere Parameter. Zum einen das liebe Wetter, wobei man das ja nicht im Griff hat, zum anderen noch langweilige Themen wie Finanzierung oder ganz banal auch Geländeverfügbarkeiten. Es kann einfach immer alles passieren und damit muss man dann umzugehen wissen. In unserem Fall war die Szeneangehörigkeit als Musiker von Get Well Soon und das daraus resultierende Netzwerk sehr wichtig. Da merken Bands und Besucher, dass wir da kein Businessmodell zusammengeschustert haben, sondern dass wir hier ein Herzensprojekt umsetzen. Das ist dann auch unser Alleinstellungsmerkmal, wir stehen sehr auf Details.

Matthias Rauch: „Ich glaube, die meisten Besucher des Festivals sind sehr inhaltlich interessiert und wollen die Musik genießen und auch neue Bands entdecken. Und wir wollen dafür einen sehr angenehmen Rahmen bieten. Bei uns wird man keine langen Warteschlangen, kein überteuertes Essen sowie keine Dixieklos ertragen müssen. Abgesehen davon, dass Timo auch dieses Jahr wieder ein hervorragendes Programm zusammengezimmert hat.

4. Wie setzt ihr euer Line-Up zusammen? Was ist euch bei der Bandauswahl wichtig?

Timo Kumpf: „Das ist auch immer so eine Bauchentscheidung. Ich buche, was mir gefällt. Klar hat sich im Laufe der Jahre auch der Anspruch entwickelt, möglichst aufstrebende Bands kurz vom Durchbruch zu verpflichten, aber im Endeffekt entscheiden Qualität und der persönliche Geschmack.

5. Was ist deine Meinung zur Headliner Verpflichtung von The National? Ich könnte mir vorstellen, dass da bei der Ausrichtung des Festivals ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen ist?

Timo Kumpf: „Naja, das ist schon eine krasse Sensation. Wir freuen uns auf diese tolle Band und haben lange gebraucht, um das zu glauben! Aber um auch das mal klarzustellen: Die sind im Vorfeld schon so nett und normal, dass sich das alles schon normalisiert hat und auch THE NATIONAL eine ganz normale Band in einem bunten Portfolio toller Musikgruppen sind.

Matthias Rauch: „Wir freuen uns natürlich sehr, dass das mit The National geklappt hat, allerdings muss sich das gesamte Programm keinesfalls verstecken. Ganz im Gegenteil. Die Verpflichtung von The National trägt sicherlich dazu bei, dass das Festival noch stärker als bisher international wahrgenommen wird. Wir haben sehr viele Anfragen aus dem europäischen Ausland, was uns natürlich sehr freut.

6. Hast du Geheimtipps, was man als Besucher auf keinen Fall an kleinen Bands verpassen sollte?

Timo Kumpf: „Das hab ich beim Programm noch vergessen: Alle Bands sind unsere Geheimtipps! In diesem Jahr hervorzuheben sind vielleicht Hozier, Wye Oak, Son Lux, Anna Aaron, Bilderbuch, Lambert und eigentlich auch alle anderen. Also nix verpassen, denn es könnte deine neue Lieblingsband sein!

Matthias Rauch: „Ich freue mich besonders auf Bands wie Future Islands, Sohn, Monochrome, Hundreds oder auch Get Well Soon, die mit Streicher- und Bläserensemble auflaufen werden. Sollte man alles tunlichst nicht verpassen.

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