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Archive for the ‘Kunst’ Category

Dreckiges Deutschland

Es wird interaktiv:

Der erste (und vermutlich einzige) Risse im Asphalt-Fotowettbewerb startet heute.

Titel des Ganzen: „DRECKIGES DEUTSCHLAND – DIE SCHÖNSTEN RISSE IM ASPHALT!“

Worum gehts?: Um Bilder. Von eurer Heimat. Und zwar um all jene Orte, an denen der Tourist die Nase rümpft und der Unwissende kopfschüttelnd vorbei geht. Um jene Orte, die für euch aber trotzdem eure Stadt symbolisieren. Es geht – und jetzt macht es klick – um Risse im Asphalt, um Blumen, die aus dem Beton wachsen, um Streetart oder Destruktion um – um mit den Worten der Alt-68er zu sprechen – den Strand unter den Pflastersteinen. Legt ihn frei, fotografiert ihn und schickt ihn an mich -> Risse im Asphalt auf Facebook! (Klick!)

Was soll das werden? Am Ende – so mein Wunsch – soll eine Art Anti-Kalender entstehen. Eine Deutschlandreise mit schmutzigen Charme. Und natürlich gibt es für den Gewinner eine erstklassige Überraschung – Wettbewerb ist Wettbewerb!

Welche Bilder sind gewünscht? Alle – absolut alle. Egal ob professionell arrangiert oder schnell mal mit dem Handy abgedrückt oder vergilbter Schnappschuss aus dem elterlichen Fotoalbum. Egal ob von der Straße oder aus dem Club.Schickt mir alles. Am liebsten Bilder aus eurer Heimat – aber gerne auch Urlaubs-und Tripschnappschüsse.

Wer kann mitmachen? Jeder – absolut jeder. Egal ob Hobbyfotograf oder Instagram-Hipster. Und bitte: Falls ihr jemanden kennt, der gerne fotografiert und an einem ungewöhnlichen Ort in Deutschland residiert – weckt bitte sein Interesse und teilt „Dreckiges Deutschland“. Nur dann kann die Idee funktionieren!

Das Ganze läuft bis Ende Juli/Anfang August!

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Jeremias Heppeler, Kunst, Schweine im Paradies, Perlen for die Säue

Perlen For Die Säue.

Schweine im Paradies.

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Kontraste

ich bin alleine im Loch.
klaustrophobisch, Nyktophobisch, Anthropophobisch!
Geboren in einer brackigen Fruchtblase aus Jägermeister.
destruktiver Charakter. abgekaute Fingernägel.
der Verlorene. Der Auserkorene!
die mauern sind acht meter hoch – aber die wissen, dass ich fliegen kann.

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Die Erde ist gewaltig schön, sicher aber ist sie nicht!

2012 portraitiert der Soundkünstler und Blogger (Zweiviereins) „Das Gegenteil“ den Bildhauer und Künstler Hans-Jürgen Kossack. Soviele Risse in soviel Asphalt – da wird der Betreiber des vorliegenden Blogs selbstredend hellhörig. Entsprechend ist der nachfolgende Blog-Eintrag also ein Experiment: ein Bastard aus Kunst, Musik und Literatur. Idealerweise schmeißt ihr die nachfolgende Sounddatei an, verfolgt die fiktive Lebensgeschichte des Künstlers und vergesst dabei nicht einen intensiven Blick auf die Kunstwerke.


mitte der 1980er jahre entschied sich Hans-Jürgen Kossack für das nachtleben. er woll­te un­ter den tag. so schloss er sich der höhlenforschergruppe an, welche die damals größte be­kannte höhle der schwäbischen alb erforschte, die wulfbachhöle in mühlheim an der do­nau.

wer sich da hineinwagt, muss auf die höchsten schwierigkeiten vorbereitet sein, die eine höh­lenfahrt ober- und unterhalb des wasserspiegels möglich macht. immer wieder ent­fernte Kos­sack sich von der gruppe. während die anderen forscher eher den sportlichen erfolg vor au­gen hatten, begab sich er in kleine seitengänge und räume, die man nicht stolz „dome“ tau­fen konnte, die man eher als „stuben“ oder „kojen“ übersah. ihm war es um die hinterlassen­schaften zu tun, die sich in den ritzen angesammelt hatten; er nahm witterung auf wie ein eiszeitlicher spurenleser. zu­nächst nur schwemmgut und bodensatz. nachdem die wulfbachhöhle sich kossacks streben klar gemacht hatte, öffnete sie ihm zonen, die vorher nicht dagewesen zu sein schienen und nun jedoch unglaubliche inhal­te freigaben.

darunter das skelett eines höhlenforschers oder verirrten, vielleicht auch einfach irren, aus dem 18ten jahrhundert. ein aufgegebenes lager keltischer gerber. fischbüchsen aus den 50er jah­ren. vier tier­friedhöfe, unmengen knochen und versteinerte häute mehrerer spezien, an deren be­stimmung sich kryptozoologen bis in unsere tage abarbeiten. tauchergerätschaf­ten aus den frühen 19ten jahrhun­dert. das gesicht eines mordopfers, eines schwedischen soldaten, in zweiter lage, der kurz meinte, dem massaker vom 21. februar 1633 entspringen zu können. sieben kinderskelette, genauer drei unterleiber und vier rümpfe. neuen jakobsmus­cheln. frühneuzeitliches sexspielzeug. an den wänden eines fast quadratischen felssturzes reste von tapeten und fresken. den noch immer wedelnden schwanz eines sprechenden hundes. zwei sensen, die ihm heute wichtig sind und die nur seelenverwandte zu sehen bekommen.

Hans-Jürgen Kossack begann, abklatsche von den fundstücken zu machen.

 

was das vorgehen Hans-Jürgen Kossacks beim abklatschen angeht: er ließ tücher we­ben – in der letzten handweberrei auf der Schwäbischen Alb auf einem weiler zwischen lo­chem und altin­gen. dem gewebe byzantinischen heiltücher nachempfunden, waren sie einer­seits hauch­dünn und dennoch saugfähiger als jedes papier. mühevoll schleppte er sie in die höhle. unter den widrigsten bedingungen entstanden durch zuhilfenahme von naturfarben nie gesehene kontaktabzüge. stück für stück brachte er die abklatsche aus der ewigen dun­kelheit nach oben, wo tageslichtstrahlen erstmals an ihnen züngelten. aus dem vollgesogenen verbandsmaterial, das sichtbares und unsichtbares in sich trug, erschuf Hans-Jüren Kossack skulpturen und reliefe, punktgenaue über­tragungen, transformatio­nen und serielle vervielfältigungen – mit seiner metho­de könnte er aus dem tu­riner grabtuch oder aus dem volto santo von manoppello einen golem er­wecken. dazu aber später.

Hans-Jürgen Kossack stand in diesen jahren in verbindung mit einer reihe von kriegsarbeit­ern, selbstfriseuren, alltagsauguren, soundschlägern, getränkemixern, texttraceuren, skulptur­schneidern, elektrowerkern, farbtechnikern und urbanen höhlenmenschen, die eine neue fin de sie­cle-haltung lebten, zugspitzt, denn es ging ja um das ende eines jahrtausends. aus allem gebroche­nen, angeschlagenen, verfallenden, unsicheren, unruhigen, unzufriedenen, unüberlebbaren, aus al­lem un-u­nen entsafteten sie ihre ideale.

also amalgamieren wir selbst die schnipsel aus den laboren der hamburger schule und der berliner krankheit und angrenzender kampfzo­nen.

wir skandieren beim zitieren, um die würde dieser gebilde aus sound zu wahren:

krieg unter autos – es wird hell – draußen ist feindlich

im zweifel für den zweifel – das zaudern und den zorn

für immer krank, das möcht ich sein

gibt es ein verlangen? freiheit ohne sicherheit

UN! VOLL! STÄN! DIG! KEIT!

 

seine aus abklatschen geschaffene skulpturen und reliefe empfand Hans-Jürgen Kossack nicht eigentlich als von ihm geschaf­fen. eher wie ein acheiropoíeton in der antike, in den worten ciceros non humana manu factum, nicht von men­schen hand geschaffen – von wem denn dann? von gott? egal, es ging darum, rui­nen von ausge­leierten zeichen ihres restsinnes zu entleeren, alte erkaltete tuchfühlungen aufzuschlagen, alles freizulassen, wie einen golem (jetzt erinnern wir uns) ohne be­fehl grad mal so losmarschieren zu lassen, neue verflech­tungen nach eige­nen regeln eingehen lassen, mal sehen, wo er sich verhängt, nur um sofort wieder dazwischen zufahren, Walter Benjamin auf je­der zunge …

Der destruktive Charakter kennt nur eine Parole: Platz schaffen; nur eine Tätig­keit: räumen.

Der destruktive Charakter ist jung und heiter.

alles vertsunamisie­ren im lärmschritt hochglühen aber erst herzblut verflüssigende substanzen einnehmen sich selbst verheizend aber ganz weg zu ende und immer wie­der kunstwer­ke die keine mehr sind gefälligst weil nur noch pfludderhüllen darum alles re um über formulieren formen und wie sperrgut morgens nach unendli­chen nächten in unterirdischen hochöfen quer in die gegend stellen und „ra­wums“ in die wände gemeißelt dann bedeutungslose unordnung verbreiten einmal noch kurz bevor alles den bach run­ter geht soviel „zur lage der detonation“

die letzten jahrzehnte vor dem jahrtausendwechsel, hauptsächlich das vorletzte, hatten inner­halb der beschriebenen kulturellen rissregionen die aufgabe, nicht überlebt zu werden. wer als wie auch gezeichneter lebend daraus hervorgegangen war, blieb für die nächsten 1, 2 jahre pa­ralysiert, aus überraschung genau darüber.

Hans-Jürgen Kossack kam in hamburg zu sich. hier traf er auf den flämischen zeichner, militanten reisenden, absturzschriftsteller und leidenschaftlichen seemann jan ueli buch. schnell be­merkten sie, dass sie soundverwandt waren. jan ueli buchs mutter stammte aus schaffhau­sen, und so verbogen sie ihre zungen genüsslich im bewegungsrepertoire süddeutscher idio­me. ihrem um­feld konnte das nicht anders denn als eine art rotwelsch erscheinen, eine tatsa­che, die ihnen sehr zu pass kam, da sie sich ständig über irgendwie geheime dinge aus­tauschten.

viel ist nicht bekannt über die kurze intensive begegnung. was wir wissen können: als jan ueli buch ein halbes jahr nach dem ersten zusammentreffen mit hans-jürgen kossack als 82-jähri­ger und schwer lungenkrebskrank auf seinem hausboot starb, hinterließ er seinem jun­gen künstler­freund tagebücher, taschentücher und seine tätowierungen. kurz darauf stach hans-jürgen kossack in see.

er sprach nie über diese seefahrt. sicher ist nur, dass sie viereinhalb jahre dauerte, über die nördliche halbkugel führte und dies auf ei­ner art forschungsschoner names „edmund hal­ley“. der name des kometenvorhersagers gibt denn auch den hinweis auf das ziel der reise. Halley hatte 1691 auf wissenschaftlicher grundlage eine theorie vorgeschlagen, nach der die erde hohl und an den polen offen sei. die theorie gilt im bes­ten fall als veraltet. unseriös, im bildungssegment der frau, für realisten einfach durchgeknallt.

bleibt also anzunehmen, reich durch indizien gestützt, dass unser künstler zu einer Fremden Kultur im bauch des planeten, die – so wird gemunkelt – we­sentlich äl­ter ist als die erdkrustenzivilisaionen – vorgedrungen ist, um dort als ethno-artist weitere abklat­sche in großer zahl zu nehmen.

diese abklatsche speisen noch heute die kunst Hans-Jürgen Kossacks. alle heute ausge­stellten reliefe geben zeugnis davon und führen die wulfbachhöhlenphase in eine neue dimension. der eigentliche anknüpfungspunkt aber an frühere techniken und programme buchstabiert sich so: ereignis.

kossacks nachhohlweltliche kunstwerke hatten begonnen, bei den betrachtern und in derem umfeld, neutral formuliert, ereignisse zu auszulösen. manche objekte verströmten vorher nie gero­chene ge­rüche – bezaubernde und entzaubernde. andere lösten das unerklärliche schlagverl­ieben aus. wie oft dies passierte, wissen wir nicht. drei ehen aber sollen auf das konto von relief nummer vier gehen. auch wurden leute beiderlei geschlechts, nachdem sie zufällig im radius eine kunst­werks auf­einander getroffen waren und ungeachtet ihrer mitgebrachten geschichte, dabei beobacht­et, wie sie in den unappetitlichsten nasszellen verschwanden, um, wie man sagt, „es zu tun“.

die grabtücher beschränken sich auf übernatürliche heilungen, die wundermonster, die uns hier heute umringen, wollen nichts, tun es aber. wir gehören längst ihnen. .

Die ungekürzte Version des Textes gibts hier:

das_gegenteil

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Jeremias Heppeler, Kunst, Burning, Burning Bethlehem, Burning Bayblon

Soundtrack zur Bildbetrachtung:

 

Die Collage basiert auf einem Foto meines Kollegen Matthias Merk: www.matthias-merk.de

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Soundtrack zur Bildbetrachtung:

 

Die Collage basiert auf einem Foto meines Kollegen Steffen Guse:

http://www.flickr.com/photos/tschdaeff

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GRAUEN, Das

Devil:

Gestapo:

Kannibale:

Can I Still Get Into Heaven If I Kill Myself?

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„Niemand ist abhängig von Walt Disney!“

Der Aufschrei der Internetgemeinde war immens: Als der erste Trailer zum vierten Fluch der Karibik Film Abenteuer auf Youtube flimmerte, rutschte dem Filmfan eine Tatsache umgehend in die Gehörgänge: Captain Jack Sparrow, die tragende Figur der Reihe, von Johnny Depp bravourös eingespielt, klang anders. Ungewohnt. Schräg. Erzwungen. Keine groggeschwängerte Tuntigkeit, keine unterschwellige Arroganz. Es folgten Fragen, Proteste, Aufschreie und nach und nach kam ein Synchronsprecher-Krimi ans Licht, der dem neusten Piraten-Streifen in Sachen Dramatik definitiv das Wasser reichte.

Alles beginnt 2003 im Vorfeld der Veröffentlichung des Walt Disney Blockbusters „Fluch der Karibik“. Der Megakonzern erscheint hypernervös, offensichtlich fehlt das Vertrauen in die zig millionenschwere Verfilmung einer Disney-Land Achterbahnattraktion. Nachdem die Macher bereits Johnny Depp beinahe aus dem Projekt gestrichen worden wäre, zeigte man sich auch in Deutschland mit der Arbeit von Johnny Depps regulären Synchronsprecher David Nathan nicht zufrieden und wirft ihn kurzerhand über Bord. „Wir sind nur Roboter, die reinkommen, mäpmäpmäp machen und wieder rausgehen; völlig austauschbar!“, wetterte Nathan, dessen Arbeit als Sprecher bis dato Maßstäbe gesetzt hatte, damals (siehe Merkur-Online: „Warum Captain Jack seine Stimme verlor!“). In der Folge übernahm Marcus Off  (hier (Klick!) bei der Arbeit) den Job und brillierte auf ganzer Linie. Fluch der Karibik und auch die beiden Fortsetzungen wurde weltweit und in Deutschland nicht zuletzt aufgrund seiner Leistung zum Megaseller. Marcus Off indes bekam vom Erfolgskuchen nichts ab: Während der Film Milliarden einspielte sprach Off Jack Sparrow Klingeltöne und DVD-Extras ein. 9306,14 Euro erhielt er für seine Synchronarbeit. Das ist zwar deutlich mehr als den Synchronsprechern normalerweise gezahlt wird, doch angesichts des immensen Erfolgs wurde Marcus Off nachdenklich und meuterte – immerhin hatten 20 Millionen Fans seinen Jack Sparrow gefeiert.

Walt Disney indes machte keine Gefangenen, kündigte den einstigen Goldesel ohne großes Federlesen und ersetzte ihn durch den mittlerweile handzahmen und seither in der Öffentlichkeit schweigenden Nathan. Off jedoch ging auf die Barrikaden und klagte gegen den Megakonzern (Hintergründe zum Rechtsstreit hat die Süddeutsche Zeitung hier (klick!) zusammengefasst). Und plötzlich ging es um viel mehr. Um die Rechte der Sprecher, um Kunst oder Nicht-Kunst und um die Macht der Stimme. Risse im Asphalt sprach mit Marcus Off über seinen Beruf, Jack Sparrow und natürlich über seinen verbitterten Kampf für seinen Berufstand und gegen die vergoldeten Windmühlen des Disney-Konzerns.

Herr Off, Könnten sie kurz schildern, wie und als was sie vor den Fluch der Karibik-Teilen gearbeitet haben?

Marcus Off: „Ich arbeite seit 1985 als Schauspieler in allen drei Bereichen Theater, Film und Fernsehen und seit den Neunzigern auch im Synchron und Hörspielbereich. Man stellt sich bei den Synchronfirmen vor, bewirbt sich, Castings, genauso wie in den anderen Bereichen.“

Wie kam es dann dazu, dass sie als Jack Sparrow besetzt wurden?

Marcus Off: „Walt Disney war mit der bereits in deutsch aufgenommenen Rolle Jack Sparrow im ersten Teil nicht zufrieden und fragten mich ob ich es denn probieren möchte. Sie waren von meiner Arbeit begeistert.“

Wie hoch schätzen sie ihren Anteil am Erfolg der Filme (bzw. allgemein den Anteil eines Synchronsprechers auf die jeweilige Rolle/ Film)?

Marcus Off: „Nicht synchronisierte Filme spielen nicht mal die Hälfte des Umsatzes ein als synchronisierte Filme. Und natürlich versucht man wie bei der Originalbesetzung auch beim Synchron die idealste Besetzung zu finden. Sonst wäre es ja vollkommen egal wer was spielt beziehungsweise in diesem Falle spricht.“

Sehen sie sich eher als Sprecher einer Rolle oder als Sprecher eines Schauspielers. Sprich: Haben sie Jack Sparrow oder Johnny Depp gesprochen?

Marcus Off: „Johnny Depp hat einen großartigen Charakter entwickelt. Mittlerweile bestimmt der bekannteste Pirat weltweit. Meiner Ansicht nach geht es beim synchronisieren immer darum einem Charakter sprachlich das gleiche Leben einzuhauchen wie dem Original, nur eben in einer anderen Sprache. Soweit das überhaupt möglich ist. Hätte ein anderer Schauspieler Jack Sparrow gespielt, wäre auch die Herausforderung eine andere. Ich sehe mich also immer als Synchronschauspieler einer definierten Rolle. Es handelt sich hier aber nicht einfach um ein Nachahmen der Rolle Herrn Depps sondern um eine kreativen Prozess. So wie ich als Schauspieler im Theater oder im Film Vorstellungen eines Regisseurs und Autors umsetze, setze ich hier die Vorstellungen Johnny Depps, dem Regisseur und seinem Autor um.“

Vor Gericht ist genau die Frage ob sie etwas neues, etwas Eigenständiges geschaffen haben, oder ob sie als eine Art Nachrichtensprecher/Nachsprecher agieren, entscheidend…

Marcus Off: „Walt Disney ist der Ansicht, selbst ein Nachrichtensprecher sei kreativer als ein Synchronschauspieler. Da stellt sich natürlich die Frage warum Walt Disney keine Nachrichtensprecher sondern Synchronschauspieler engagiert. Das Gericht ist dieser Ansicht in der ersten Instanz nicht gefolgt und hat klar herausgestellt das zumindest in diesem Fall Fluch der Karibik meine Arbeit sehr wohl als kreativ und damit eigenständig zubewerten ist.“

Wann haben sie den Entschluss gefasst, mehr Geld zu verlangen? Wie haben die Macher dann reagiert?

Marcus Off: „Aufgrund des außergewöhnlichen Erfolges von Fluch der Karibik, den Walt Disney übrigens bestreitet, habe ich Walt Disney auf die Rechtssituation hingewiesen. Der Paragraph 32a  (der hier (klick!) nachzulesen ist, Anm. der Redaktion), der Fairnessparagraph regelt das. Ich habe nichts weiter getan als auf ein Recht zu verweisen. Da sich Walt Disney nicht kooperativ zeigte, habe ich mein Recht eingeklagt.“

Was ist der aktuelle Stand der Verhandlungen?

Marcus Off: „Ich habe in der zweiten Instanz nicht Recht bekommen, da das Gericht die Ansicht vertrat , der sprachliche Anteil der Rolle Jack Sparrow, im Verhältnis zum Film (Action,Musik,etc,) flapsig ausgedrückt, zu vernachlässigen sei. Ich bin da völlig anderer Ansicht und werde deshalb mit diesem Fall vor`s BGH gehen. Meine Kollegen können diese Begründung des Urteils genauso wenig nachvollziehen wie ich.“

Wie wird es mit ihnen weitergehen? Gab es über die Sparrow-Kündigung hinaus weitere Konsequenzen?

Marcus Off: „Ich werde meinen Beruf weiterhin ausüben, wie bisher. Niemand ist abhängig von Walt Disney“

Gibt es sonst noch irgendwas, was sind unbedingt los werden möchten?

Marcus Off: „Ich war sehr völlig überrascht, wie viele Zuschauer auf diese Umbesetzung reagiert haben. Ich finde das großartig. Überall im Netz kann man lesen wie empört die Fans auf diese Umbesetzung reagiert haben. Fans haben sogar eine Unterschriftenpetition im Netz angelegt. Ich habe viele tausende enttäuschte Fanbriefe und E-Mails bezüglich der Umbesetzung des vierten Teiles bekommen. Walt Disney tut das als Strohfeuer ab.“

Nachtrag: Im Verlauf des Streits bot Marcus Off Disney sogar an, den vierten Teil der Serie für einen Bruchteil seiner ursprünglichen Gage einzusprechen, um den Fans die große Enttäuschung des Stimmenwechsels zu ersparen. Disney nahm dieses Angebot nicht an.

Der Fall ist noch nicht abgeschlossen und wird in jedem Fall ein Exempel in der Stimmbranche statuieren.

Die Stimmen im Vergleich:

Marcus Off:

David Nathan:

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Born To Raise Hell

I Love You But I´Ve Choose Darkness

Cigarettes And Alcohol

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