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Friska Viljor – Kulturladen Konstanz – 04.11.2013

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Ganz am Ende stürzt sich ein bärtiger verschwitzter schwedischer Mann in das Meer von Musikfans vor ihm, spielt auf seiner leicht verstimmten Ukulele eine aufs nötigste reduzierte Komposition und brüllt dazu in schiefsten Tönen den Refrain seines größten Hits „Shotgun Sister“. Sein Publikum, triefend nass, schmiegt sich förmlich an den behaarten Barden und schreit es ihm nach im Chor: „Lalala“! Dieses prächtige Finale zeigt das was die schwedische Formation Friska Viljor seit jeher auszeichnete: Herzblut und ein so dermaßen charmanter Dilettantismus.

IMG_5563Die Geschichte von der Bandgründung Friska Viljors wurde so oft erzählt, dass selbst die Story, wie oft diese Geschichte doch erzählt wurde, ein alter Hut ist. Deshalb die Kurzversion: Vor einigen Jahren ziehen die beiden Kumpel Daniel Johansson und Joakim Sveningsson jeweils mit frisch gebrochenen Herz frustsaufend durch Stockholm. Irgendwann folgt die Schnapsidee: Lass uns den Liebeskummer in Musik verarbeiten. Problem nur: Die Beiden sind alles andere als Musikvirtuosen. Egal – unter dem Namen Friska Viljor begibt man sich in Studio und Proberaum und spielt sich den verklebten Frust von der Seele. Einige Monate später zieht das Duo ganz im Stile der Beatles musizierend über die Reeperbahn und plötzlich reift Friska Viljor zum Indie-Phänomen.

IMG_5574Zu diesem Zeitpunkt bin ich, damals ein frischgebackener Indie-Hipster (den Begriff hätte damals wohl keine begriffen), über Friska Viljor gestolpert und war absolut hin und weg. Das Projekt hatte die Antriebskraft von Punk, die Verspieltheit von Indie und einen dermaßen immensen Grad der Poppigkeit, der tatsächlich Beatles-Assoziationen hervorrief. Kurzum: Eine innovative, versoffene, wunderbar dilettante, Ohrwurm-züchtende Pop-Kreation. Das Debüt „Bravo“ ist dementsprechend wohl bis heute eins meiner meist gehörten Alben, „Tour De Hearts“ rotierte ebenfalls regelmäßig – doch dann begann ein schleichender Entfernungsprozess. Die Folgealben klangen von mal zu mal glatter und die Band verlor (für mich persönlich) ihre Faszination, ohne etwas dafür zu können. Den Friska Viljor verfielen keinesfalls den Reizen des Mainstreams. Sie wurden einfach bessere Musiker. Ein Paradox.

IMG_5571Heute ist Friska Viljor eine echte Band mit echten Musikern. Das hört man im bist zum letzten Platz ausverkauften Kulturladen vor allem in der Anfangsphase. Die Songs vom neuen Album „Remember Our Name“ klingen im Vergleich zum Frühwerk auch livegeradezu glatt poliert – es fehlt an Ecken und Kanten, Überraschungsmomenten, Irrsinn – kurzum am eingangs beschworenen Charme. Erst im Verlauf des Konzertes bröckelt diese Perfektion, Friska Viljor spielen sich regelrecht frei und zeigen dann in der zweiten Hälfte ihrer Show, welche fantastische Liveband sie doch sind. Da tönen leise Elektroarrangements, da jault eine Trompete, hier tönt ein Glockenspiel – und alles zusammen schweißt sich immer und immer wieder zu mitreißenden Pophymnen zusammen. Highlight (und Kombination aus alter Rohheit und neu entdeckter Technik) ist die epische Version von „Useless“, die Daniel und Joakim im Duo akustisch sezieren, welche sich dann unter ansteigender Bandbeteiligung zum orchestralen Popsong aufschwingt und in den letzten Takten einem zerbrechlichen Trompetensolo zerfließt. Sollte es Friska Viljor in Zukunft gelingen, ihre neu gewonnenen musikalischen Skillz mit ihrer alten Verplantheit und Verspieltheit kombinieren können, hat diese Band noch einiges im Tank. Whatch Out!

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Herr Sorge – Theater Konstanz

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Mitten im Konzert von „Dunkelkammermusik“ versteht man als Zuhörer die Welt nicht mehr:Da steht links ein Riesenflügel auf der Bühne, an dem sich der hochdekorierte Jazzpianist Florian Weber virtuos abarbeitet. Da steht rechts ein futuristischer Instrumentenpanzer, aus dessen Inneren Produzentenlegende Jan van de Toorn im Robotoraufzug abgefahrene Elektrosounds abfeuert. Da steht zentral Herr Sorge, besser bekannt als Samy Deluxe, und singt in sich durch Popsong-Fragmente mit depressiv politischen Texten. Und das alles im altehrwürdigen Konstanzer Theater. Eigentlich passt das hinten und vorne nicht zusammen – wie in einem abgefahrenen Traumgebilde, in dem sich verschiedene, kontrastive Realitätsfetzen plötzlich homogenisieren.

Wer oder was ist Herr Sorge? Der HipHop-Kosmos reagierte irritiert als die ersten Gerüchte um ein neues Samy Deluxe Projekt aufkeimten. Der Hamburger HipHop-Urvater setzte konsequent neue Spuren, die aber allesamt im Nichts verliefen. Immerhin offenbarte sich nach ersten Interviews der Genpool des Projekts: Herr Sorge trägt ein abgeranztes, schäbiges Outfit und sieht die Welt mit anderen Augen: Als dunklen, kapitalistischen, korrupten, hoffnungslosen Moloch, den es radikal zu kritisieren gilt. Das Album „Verschwörungstheorien mit schönen Melodien“ setzte dem ganzen Wirrwarr die finale Krone auf: Die Scheibe präsentierte sich sowohl soundtechnisch, als auch thematisch absolut überfrachtet. Herr Sorge entrollte sich einen Dschungel von Effekten, Autotune, Beats und Sounds. Kurzum: Das Album war für jeden, der ein normales Pop-Hörerlebnis erwartete de facto nicht konsumierbar. Die Samy Deluxe Fans reagierte brüskiert, panisch, beleidigend. Ob das von Herr Sorge so geplant war, ist bis heute nicht geklärt.

Für das Live-Produkt hat sich Herr Sorge nun eine komplexe künstlerische Basis geschaffen: Im eingangs beschriebenen Kontrastfeld entwickelt sich live ein ganz ungewöhnlicher, experimenteller Sound, der aber im Gegensatz zum Album wirklich funktionieren will. Van de Toorn lässt es zwitschern, wummern und ziepen, während Herr Sorge (der ganz offensichtlich an seiner gesanglichen Präsenz gearbeitet hat) mit der ihm angeborenen Lockerheit und fast bluesartigen Coolness seine Strophen reproduziert. Der musikalische Kit ist aber Weber, der mit seinem schieren Talent, die anderen Bausteine zusammenflickt und noch Raum für jazzige Improvisation findet.

Natürlich wirft eine derart radikale Metamorphose der musikalischen Identität die Frage auf, ob es nicht vollkommen legitim ist, dass ein Künstler sich verschiedene Alter-Egos, Versionen und Rollen zulegt. Im Hiphop-Kontext funktionierte das nicht: Die Szene konnte Herr Sorge nicht von Samy Deluxe loslösen – das durchaus zahlreich erschienene Publikum in Konstanz schafft diesen Schritt und bietet dem Projekt damit einen kreativen Nährboden für die vollzogene Rekontextualisierung. Und „Dunkelkammermusik“, wie sich das Gesamtprojekt nennt, nutzen diesen Freiraum mit einer überschäumenden Lust am Grenzen aushebeln: Während eines Gedichts klettert Weber in seine Flügel und macht in den Innereien ganz neue Tonabnehmer aus. An einer anderen Stelle setzen die drei Protagonisten ihre Iphones als unberechenbares Instrument ein. Dann übersetzt Keller alte Samy Deluxe-Parts und Wortfetzen in eine jazzige Komposition. Und weil am Ende Herr Sorge noch Samy Deluxe´ legendären Hit „Weck mich auf“ „covert“, schließt sich dann doch noch der Kreis aus Jazz, HipHop, Elektro, Experiment, Politik, Theater und Wahnsinn zu einem runden, merkwürdigen Gesamtkonstrukt.

 

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Thees Uhlmann und Band – Kulturladen Konstanz

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Mutti, wir habens bis zum Bodensee geschafft!“ 

So wie Thees Uhlmann in den vollbesetzten Kulturladen stürmt, die Mundharmonika zwischen die Zähne geklemmt, ins Mikrofon knarzend und dann beinahe verbissen zu spielen beginnt, erfüllt das zunächst die Erwartungen all jener, die noch nie zuvor ein Konzert des ehemaligen Tomte-Sängers erlebt hatten. Die nämlich rechneten mit einer klassische Folkshow, einem sperrigen Singer-Songwriter-Konzert der alten Schule. Mit Mundharmonika, Gitarre und einer Band als dekorative Zugabe. Sie ahnen es: Es kam ganz anders.

thees uhlmann, konzert, live, bilder, kulturladen konstanz, album, casper, bericht, tomte, zum laichen und sterben ziehen die lachse den fluss hinauf, jay-z (4)Wer sich intensiv mit dem famosen Thees Uhlmann Solo-Debüt beschäftigt hat, dem drängte sich eine markante, fast gehetzte Spannung zwischen der niedersächsischen Heimat des Sängers und der weiten, urbanen Großstadtwelt auf. „Du kriegst die Leute aus dem Dorf, das Dorf nicht aus den Leuten/ Und ich weiß nicht wirklich, was soll es bedeuten.“ heißt es in „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“ und im Kontrast dazu nur einen Song später: „Ich hab das schönste der Welt gesehen: Paris im Herbst“. Natürlich wurde der Rock´N´Roll an einigen einschneidenden Momenten seines Lebenslaufs von innovativen Entdeckungen aus ebendiesem Niemandsland zwischen dörflicher Heimat und restlicher Welt geprägt – man denke alleine an die Geburtsstunde des Triphop und die fast mütterliche Rolle die das Städtchen Portishead dabei spielte. Thees Uhlmann versteht sich in diesem Kontext aber eher in der Tradition des amerikanischen Country und Folk und Künstlern wie Conor Oberst, der ständig die engmaschige Beziehung zu seiner Heimat Nebraska rekurriert. Stichwort: Heartland. Herzensangelegenheit Niedersachsen. Den Vorbildern folgend öffnete Uhlmann, der mit Tomte stets solide Indie-Platten entwarf, die im Speziellen auf den letzten Jahren der Bandgeschichte ein wenig die Überraschungsmomente vermissen ließen, den Blick für neue heimatliche Einflüsse und weitschweifige Horizonte. So ließ es der Maestro auf seiner Platte aus allen Rohren streichen, klimpern, blasen und auf die Pauke hauen und schaffte tatsächlich das Kunststück, dass die instrumentellen Momente stellenweise die markanten Texte in den Schatten stellten. Entsprechend gespannt ist der unerfahrene Uhlmann-Konzertgänger im Vorfeld der Show auf ebendiese Varianten. Doch nun zurück zum Anfang.

Denn die klassische Singer-Songwriter-Masche hält Thees gerade mal eine Songlänge aufrecht. Dann offenbart sich: Der Liveact „Thees Uhlmann und Band“ ist als waschechte Rockband zu verstehen. Und hier regiert einzig und allein handfester, schweißtreibender Rock´N´Roll: Sägende Gitarren, massive Bassanschläge und Highspeed-Schlagzeuggehämmer. Selbstredend lässt sich in dieser Konstellation kein fragiler Folk reproduzieren – und das ist in diesem Fall total egal.

thees uhlmann, konzert, live, bilder, kulturladen konstanz, album, casper, bericht, tomte, zum laichen und sterben ziehen die lachse den fluss hinauf, jay-z (2)Denn Thees Uhlmann hat mächtig Lust auf energetisches, ungezähmtes Konzert. Und in der vergilbten Lederjacke, mit den nach hinten geklatschten Haaren und auf großartig schummrig ausgeleuchteten Bühne, wirkt der Sänger beinahe so, als wäre er direkt aus der Zeitkapsel gestiegen. Nicht wie der junge Dylan, sondern wie der elektrifizierte Dylan, der gerade den Verstärker für sich entdeckt hat. Die angesprochenen Instrumental-Erlebnisse bleiben glücklicherweise nicht ganz auf der Strecke. Das liegt in erster Linie an der famosen Pianistin Julia Hügel, die, ganz Frau, immer wieder beinahe zärtlich zwischen die Testosteron geschwängerte Performance dazwischenfährt. Besonders den Hit „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ schiebt das Klavierthema konzentriert an, ehe die Komposition in einem wilden Gitarren-Orkan und Uhlmannschen Brüllen zerberstet. Überragendes Highlight das Konzert sind aber jene beiden Songs, die Thees zusammen mit dem Rap-Aufsteiger Casper eingespielt hat: Der eine, „Und Jay-Z singt uns ein Lied“, wird immer schneller und schneller und dreht sich um den Refrain, der zum mitgröhlen einlädt, der andere „XOXO“, schwingt sich aus dem nichts zu einer regelrechte Postrock-Wand mit HipHopanstrich auf, die einem im Publikum förmlich erdrückt. Paradox: HipHop gilt als die urbanste aller Jugendbewegungen – mit diesen zarten Brüchen spielt das Konzert immer wieder.

Die Phase zwischen den Songs gehört dann wieder voll und ganz der Heimat. Etwa wenn Thees über seine Jugend als Dorf-Heavy-Metaller referiert, von der Identitätssuche, die den Dorfschmerz übertünchen sollte. Oder wenn er von der Postkarte nach Hause erzählt: „Hallo Mutti, wir habens bis zum Bodensee geschafft.“ Und dann wird wieder gespielt, mit voller Inbrunst. Gegen den Dorfschmerz.

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Cosmo Jarvis – Kulturladen Konstanz – 05.02.2013

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Als seine Bandkollegen die Bühne entern, sitzt Cosmo Jarvis noch am Bühnenrand und schafft sich an den abstehenden Saiten seiner Mandoline ab. Das ist typisch. Mit seinem kurzgeschorenen Schädel und dem kantigen Habitus sieht der Singer-Songwriter ziemlich genau so aus, wie man sich einen südenglischen Malocher vorstellt. Doch wer Cosmo Jarvis unterschätzt macht einen gewichtigen Fehler: Bereits die ersten Minuten Konzert offenbaren seine ungeheure Bandbreite: Cosmo intoniert mit „Love This“ und „She Doesn´t Mind“ sein wohl eingängigsten Songs. Ersterer beginnt mit einem entspannten Ska-Beat-Gerüst und treibenden, fröhlichen Gesangszeilen, aus dem sich dann mehr und mehr ein herrlicher Popsong schält, der in einem, von Streicheranspielungen unterstrichenen Ohrwurm-Refrain ausufert. „You Don´t Know How Much I Love This.“ Eindeutige Aussage, klares Signal: Leidenschaft ist das Stichwort! Zweiterer entspinnt sich im Reggae-Gewand, dazu versucht Cosmo in einer sensationellen lyrischen Argumentation seinen Songeltern die neue Herzensdame schmackhaft zu machen. Zwischendurch wird (im Songkonzept) geschrien, gejohlt, gejammt und als verdutzter Hörer hat man kurz das Gefühl einem ganzen Albummedley beizuwohnen. Fantastisch!

Cosmo Jarvis, Live, Konstanz, Kulturladen, Live, Bilder, Videos (2)_2189x2918Will man einem Unwissenden in wenigen Worten die Musik Cosmo Jarvis erklären, kommt man automatisch ins Stottern: „Ja, der macht so Singer-Songwriter-Zeugs, aber irgendwie mit Reggae und so bisschen Punk. Und eigentlich auch HipHop. Aber seine die bekanntesten Songs sind klassische Popnummern.“ Cosmo Jarvis ist wirklich ein Phänomen. Ein Tausendsassa, ein Schnell-, Quer- und Vordenker, der irgendwie alles ein bisschen und alles gleichzeitig machen möchte. Mit gerade mal 23 Lenzen hat der Sohn einer armenisch-amerikanischen Mutter und eines englischen Vaters nicht nur einen Kinofilm mit sich selbst in der Hauptrolle abgedreht, sondern vor allem und in Eigenregie drei geradezu überquellende Alben aufgenommen. Dabei ging Cosmo Jarvis mit den Stilarten und Einflüssen des britischen Popgewürzregals ungefähr so feinfühlig um, wie ein englischer Eintopf-Koch: Ein bisschen Clash, Monks und Beatles, dazu Oasis, The Streets und HipHop- und Elektrozeugs. Das Bemerkenswerte dabei: Der exotische Stilmix ist zwar ein bisschen anstrengend, aber homogen und die Platten funktionieren als „Melting-Pot“ und idealer Soundtrack zum multikulturellen Londoner Großstadtgewusel. Dabei wurde Cosmo Jarvis 1989 in New Jersey geboren, ehe sein Eltern in den Süden Englands zogen, nach Devon – ins Dorf, ins Nichts. Die Isolation der Dorfgemeinschaft spornte Cosmo nach eigener Aussage nachhaltig an und bereits von klein auf sagte er sich immer wieder: „Ich werde nicht hier sterben.“ Während sich seine Mitschüler auf der Sportschule in erster Linie für Rugby interessieren, stürzt sich Cosmo wie ein Vielfraß auf Musik und Film und inhaliert ohne Filter Jahrzehnte britischer Popgeschichte. Heute sehen selbst Legenden wie Brian Eno in Herrn Jarvis „…eine neue Art von Künstler.“

 

Live tritt die Abwechslung allerdings ein wenig zurück: Vielleicht liegt es an der Besetzung, den Skillz der Band, vielleicht an der Tatsache, dass eine strukturierte Konzeption für Band wie Rezipienten ein geradliniges, unterhaltsames Musikerlebnis ermöglicht. In jedem Fall dominiert ein tanzbarer Bass und smoothes Bluesgeschrammel, dass immer wieder mit Punkelementen gebrochen wird. Dabei scheppert das Konzert zwar durchgehend kurzweilig, erinnert aber in manchen Momenten ein wenig zu sehr an die kanadischen gute Laune Rocker von Danko Jones. Cosmos Stimme indes ist ein Faszinosum: Der Brite ist keinesfalls ein feinfühliger, technisch sauberer Vokalist. Sein Organ ist ein grobes Reibeisen, ein leidenschaftlicher Dampfhammer, der ausbricht, losschreit, ausschreitet, weghämmert. Nur mit aller Kraft gelingt es Cosmo sie zu bändigen und ins passende Gewand zu rücken – das erzeugt wunderbare Spannung, die auf Konzertlänge von kurzen Kontrastpunkten gelöst wird. Eben dann wenn Cosmo zur Mandoline greift und wunderbare Folkmomente aufruft und fast wie ein Moritatsänger seine Geschichten erzählt.

Und am Ende überlagern sich eben doch die Assoziationen: Da ist die Funktion als spielerischer Chronist des britischen Popgeschichte (in Fragmenten und Momenten), da ist der postmoderne Ansatz (Zitat reiht sich an Zitat), da ist die Dopplung in Filmer und Musiker (die selbstproduzierten Videos seien jedem wärmstens empfohlen), da ist die, dem HipHop und Punk entliehene Arbeitsweise (Einstecken und loslegen!) und da ist die Großstadtatmosphäre trotz Kleinstadtbackground. So bleibt schlussendlich eines festzuhalten: Die (Ver)mischung machts im Cosmo Jarvis Kosmos – und zwar zu einer abgefahrenen Blüte der britischen Musikwelt. 

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Celo & Abdi – 25.01.2013 – Festhalle Karlsruhe-Durlach

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Der Artikel stammt vom Fuchs (Der Fuchs – Klick!)

Freitag, 25.01.2013, celo&abdi tourauftakt in karlsruhe-durchlach! parallel dazu released ihr labelboss und deutschraps oberbabo, haftbefehl, sein neues album „blockplatin“, welches ich mir leider noch nicht zu gemüte geführt hab‘. ich rechne mit einer platzierung in unter den top 3! (ne woche später, jetzt beim letzten überfliegen, kann ich dir platz 4 verkünden; ich habs mir die tage paar mal angehört^^). während der zugfahrt nach karlsruhe, fielen Jay und mir ständig potenzielle konzertbesucher auf, die wir zum beispiel beim umsteigen an den gleisen stehend, oder sogar im zug antrafen: die seiten frisch rasiert, „thuglife“-shirts in allen farben und natürlich stets bewaffnet mit einer bauchtasche.

celo, abdi, live, karlsruhe, durlach, tour, azzlacks (1)in karlsruhe angekommen um 18:30, stellten wir zu unserem entsetzen fest, dass wir total nüchtern waren! einlass in der festhalle durlach war um 19:00. jays bekannter T-Rex holte uns dann mit einem neuen audi a3 ab, den er extra für diesen abend ausgeliehen hatte! also schleunigst (immerhin stilsicher im mietwagen) in den nächsten supermarkt und zielsicher nach einer flasche jelzin wodka, sowie energydrink und pappbechern gegriffen. der fahrer trank nichts, aber gestattete uns (zur erheiterung aller beteiligten) das rauchen und trinken während der fahrt nach durlach. T-Rex drückt ordentlich aufs gas, während wir uns uns wodkabull reindrückten. laut pumpt ‚dagobert duck syndrom‘ vom mietwagentape. alle scheiben unten versteht sich. wodka halb leer, stehen mit dem auto am konzerteingang und sehen eine riesen schlange. T-Rex lässt es sich nicht nehmen einen lauten burnout hinzulegen, mit dem er ordentlich eindruck schinden konnte. auf dem parkplatz trinken wir aus und gehen rein.

ziemlich viel security, man wird relativ gut kontrolliert und abgetastet. T-Rex steht vor mir und ich sehe wie die security ihm ein messer abnimmt. aber kein stress, nach dem konzert darf er es wieder abholen wird ihm versichert. den anfang macht olexesh, dessen mixtape ich persönlich sehr feier‘. sein debut bei celo’s label 385i (kam nur ‚mietwagentape‘ drüber raus, am rest verdient hafti!). ende letzten jahres umsonst rausgekommen; 26 tracks. frage mich grad wieviele leute da waren…schätze mal über 100 auf jeden fall. olexesh spielt viel zu kurz, die anzahl der tracks konnte man an einer hand abzählen. dennoch überzeugend live. bier dort getrunken, rauchen gewesen. die crowd war überraschenderweise sehr gemischt. überwiegend männlich, aber nicht nur generation azzlack, sondern auch der eine oder andere martin. stimmung allgemein war durchgehend entspannt ausgelassen und angenehm. die crowd ging gut ab; wie du auch auf dem vid sehen wirst!

celo, abdi, live, karlsruhe, durlach, tour, azzlacksfür einen richtigen konzertbericht war ich selber zu verballert unterwegs! celo&abdi rissen dann richtig ab. stand mit den beiden relativ nah an der bühne, parallel dazu arme meistens oben. die beiden haben definitiv ne gute show abgeliefert und die leute mitgerissen.kannte nur das hinterhofjargon-album. ging ewig an mir vorbei und erst im januar mal komplett gegeben. gefiel mir richtig gut und die sind mir als menschen schon sympathisch iwie. hinzu kommt halt das man sich auf diesen style schon etwas einlassen muss. die kommen da mit einer parallelwelt, etwas ganz eigenem, aber eben etwas neuem und technisch für mich zum teil der wahnsinn! abdis part bei ‚hektiks‘ vom hj album kam live richtig fett..genauso wie beim track ‚hinterhofjargon‘, in dem das multilinguale vokabelheft abdi uns den besagten jargon etwas näher bringen will. ‚besuchstag‘ gehörte zu den highlights des konzerts. alle, wirklich alle, sangen voller insbrust den chorus mit. Jay sagte mir im nachhinein, dass er leicht schockiert war! haha ‚hazebusters‘ hat auch für ekstase gesorgt!:D und nach dem konzert ging es nach hd in die halle, teils flmriss!

Zum Abschluss gibt´s noch ein Highlight:Exklusive Liveimpressionen und Videomaterial vom Konzert, freihaus, aus dem Fuchsbau:

 

 

 

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Ahzumjot/ Kraftklub – Abart Zürich

 

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Von Jochen Teufel

Ein abartiges, sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen, Glückgefühl überkommt mich an diesem Mittwochabend in der Zürcher Tram Richtung Bellvue. Ahzumjot hatte soeben verkündet das er am folgenden Abend zusammen mit der Chaostruppe Kraftklub in den Zürcher Indieschuppen “Abart” einfallen wird. Kraftklub, mittlerweile wohlbekannt als karl-marxistisches Abrisskomando der deutschsprachigen Club- und Festivallandschaft und Ahzumjot – endlich sollte ein, seit seinem Debütalbum “Monty” gehegter Livetraum für mich wahr werden. Keine Frage für mich, dass ich trotz ausverkauftem Haus in der Schlange ein (selbst für Schweizer Verhältnisse) viel zu teures Ticket abkrätsche und mich dann kopfüber ins Getümmel stürze.

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Der Hamburger Jung legt los! Ich lege los! Der Rest? 300 Menschen schauen ungläubig auf die Bühne! Sie stellen sich vermutlich Fragen wie “Wer ist der Typ mit den Synthibeats?” oder auch “Warum bringen Kraftklub einen HipHop Act als Support mit?”. Der Titeltrack des Albums schallt durch den Raum und man merkt, dass viele der Zuhörer Ahzumjot erst bei der nachmittäglichen Googlerecherche kennen gelernt haben. Umso erstaunlicher ist es, dass er es schafft das Publikum innerhalb seiner halbstündigen Show mit seiner Musik und Energie zu infizieren. Spätestens als sein neuster Brecher “Treff mich am Späti” durch die Boxen schmettert steht das Abart Kopf – ist ja auch egal was ein Späti ist, nicht wahr Zürich? Vorband-Auftrag erfüllt?

 

Aber hallo! Dann Kraftklub. Für alle die noch nie etwas von dieser Kombo gehört haben sei gesagt: Diese Band bedeutet Blut, Schweiß und mindestens ein verlorene Brille. Ihr Album, “Mit K”, kennt nur ein Gas, (Mallorca-Modus ein) Vollgas! (Mallorca-Modus aus) und über die Qualität der Texte lässt sich nicht streiten. Einfach ein rundes Allinclusive Packet, dass die Punkkombo mit HipHop-Wurzeln, da immer wieder verschnürt. Doch es gibt Neuhgkeiten. Kraftklub scheint über die Konstellation des Paketes nachgedacht zu haben. Waren die bisherigen Konzerte eine nicht abbrechen wollende Folgen von Circlepits, wildem gepoge und stagegediving, achtet die Band an diesem Abend auf die ausreichende Sauerstoffzufuhr ihrer Jünger. Zwischenzeitlich wird, unterlegt mit Sambaklängen, darauf hingewiesen, dass es nicht immer “Randale” geben könne sondern und dass man auch mal ordentlich tanzen könne. Dazu wird eine akkustik-mitschunk-Version von “Song für Liam” angestimmt, alle möglichen Anekdoten eines Rockerlebens zum besten gegeben und der klassische Versuch die Durchschnittslautstärke im Club zu drücken durchgeführt. Letzteres war schon bekannt und wurde nicht wirklich angenommen. Wie dem auch sei: Kraftklub sind nach wie vor frisch, neu, aufregend und auf dem gradlinigen Weg zu Deutschlands-Indieband numero uno. Kraftlos, nassgeschwitzt und mit dem ein oder anderen Kratzer mehr in der Brille und doch merkwürdig zufrieden, wankt ich aus dem Club. Man darf gespannt sein, wie sich das Projekt Kraftklub weiter entwickelt und ob sich die Truppe, angesichts so mancher verlockender Angebote aus der dunklen Welt des Maistream, weiterhin treu bleiben können. Next Step, Ahzumjottour besuchen.

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Vierkanttretlager – Kulturladen Konstanz

Was ist das für eine Band? Nach einem einführenden, marternden Gedicht entert das Quartett die Bühne des Konstanzer Kulturladen: Frontmann Max Leßmann verzieht sein ansonsten verbissenes Gesicht in den Verschnaufpausen zu einem Lausbubenlachen und diktiert dann im Stile eines Theaterbösewichts überlegte, punktgenaue Ansagen. Christian Topf arbeitet sich ohne Erbarmen und ohne einmal aufzublicken an seiner Gitarre ab, während Bassist Momme Friedrichsen wie ein Raubtier über die Bühne rauscht und Schlagzeuger Leif Boe in Gedanken vor sich schlägt. Dabei entsteht ein packender Strudel der Musik und Stile: Punkrock, Hamburger Schule, Indie – wild und durchdacht, pubertär und intellektuell. Das bemerkenswerte: Vierkanttretlager sind blutjung, fast noch eine Schülerband und doch beängstigend ausgereift.

Doch was ist das überhaupt für ein Bandname? Vier-kant-tret-lager! Unausprechbar, unschreibar und unlesbar. Erst die Anekdote bringt Licht ins Dunkel: Sänger Max, damals 13, telefonierte einst solange mit seinem damaligen Schwarm, bis ihm seine Herzdame aus Langeweile die Verpackungsbeilage ihres Einrads rezitiert. Das Gefährt hatte ein „Vierkanttretlager“ und für Max klang das, durch den Schleier seiner pubertären Verliebtheit, wie das schönste Wort auf Erden. Vor diesem wunderbaren Hintergrund macht der Name plötzlich Sinn und selbst das leidige Doppel-T wird zur Referenz. Denn jeder der das formidable Vierkanttretlager-Debüt „Die Natur greift ein“ hört, stolpert über kurz oder lang über ein weiteres Doppel-T: Turbostaat und Tocotronic! Mit der erstgenannten Band teilt die Nachwuchstruppe zum einen die Herkunft (beide Bands stammen ausl Husum) und zum anderen die Wut und die Art und Weise ebendiese musikalisch zu kanalisieren. Tocotronic indes schwebt seit dem Moment, als Vierkanttretlager erstmals auf dem Radar der deutschen Musikszene aufblinkten, wie eine Damoklesschwert über dem Projekt. Denn einerseits ist es für jede neue Band eine Ehre mit den Vordenkern des deutschen Indies verglichen zu werden, andererseits schreckt deren Überintellektualität auch ab. Oder wie Gitarrist Christian es einst ausdrückte: „Ich kann mich mit denen nicht identifizieren, wenn ich sehe, dass die auf der Bühne rosa Hemden tragen.“ Wie dem auch sei: Erweitert man die genannte Liste um Casper, auf dessen Tour der Husumer Vierer als Vorband spielte und Element Of Crime hat man den Rahmen, in dem sich Vierkanttretlager bewegen, wohl punktgenau abgesteckt.


Der Kulturladen ist bei weitem nicht ausverkauft, das verwundert, zumal die Band beim BUVISCO einiges Aufsehen erregte und zuletzt nachhaltig diskutiert wurde. Macht aber nichts: Live klingt die Band noch ein wenig getriebener und unfassbarer als auf Platte: Vierkanttretlager strotzen vor Energie und tragen das offen zur Schau (wäre auch schlimm, wenn nicht). Teilweise wirkt das ein wenig zu gewollt-ungewollt – aber das verzeiht man. Einen eindeutige Ausschlag auf dem Barometer ist in der Mitte des Konzerts vermerken: Da spielt Vierkanttretlager ihren sehnsüchtigen, Akkordeon untermalten und Seeluft geschwängerten Hit „Fotoalbum“, gefolgt vom wunderschönen EOC-Cover „Am Ende denk ich immer nur an dich“, in das die Band fast spielerisch frisches Blut pumpen. Am Ende stehen sie da, Arm in Arm und singen zusammen im Seeräuberstyle. Und so bleibt die finale Erkenntnis: Der deutsche Indie hat definitiv einen neuen, aufregenden Blutspender! Endlich.

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