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Hundreds – Kulturladen Konstanz

 

hundreds (1)

Stille, das vergisst der Zuhörer oftmals angesichts des implizierten Widerspruchs, nimmt noch immer einen ganz entscheidenden Platz innerhalb der zeitgenössischen Popmusik ein. Klar, meistens wird mit ihr gebrochen, wird sie weggeschoben und muss dann Platz für den Sound oder den Krach machen. Aber manchmal wird sie eben bewusst eingesetzt, als kaum wahrnehmbare Spur im Stilmittel der Reduktion. Dieser Umgang mit der Stille ist diffizil, anspruchsvoll und erfordert extremes Feingefühl. Ein Gespür für die Nuance, welche Hundreds, das Geschwisterduo bestehend aus Eva und Phillip Milner, zur stilbildenden Eigenschaft ihres Entwurfs der elektronischen Popmusik gemacht haben und welches sie während ihres Openers „Foam Love“ im Kulturladen offen zur Schau stellen. Dort entspinnt sich ein aufs äußerste reduziertes Zusammenspiel zwischen Phillips vielschichtiger Pianocollage und Evas zunächst so zärtlich zerbrechlicher Stimme.

Die gegenwärtige Tour, die in Konstanz ihren gefeierten Auftakt fand, steht unter dem Motto „Tame The Noise“ („Zähme den Krach“). Akustisch soll es sein, aber eben doch nicht ganz akustisch. „Aber immerhin haben wir eine ganze Menge richtiger Instrumente mitgebracht.“, erklärt Eva direkt zu Beginn. Das Konzert macht in der Folge seine eigene, kleine Evolution durch: Alles beginnt am eingangs beschriebenen Nullpunkt, in der Dunkelheit, der Stille. Im weiteren Verlauf entwickelt sich das Soundgewand kontinuierlich und wird um immer neue, subtile Nuancen erweitert. Phillip beginnt zunächst damit, sein Piano kaum merklich zu verzerren und vergrößert das Gesamtgebilde alsbald durch elektrifizierte Loops. Nach den ersten drei Songs wird das Geschwisterpaar während „Solace“ von Schlagzeuger Florian ergänzt. Dessen erste Anschläge scheppern erbarmungslos durch das Publikum, welchem erst in diesem Moment des Lärms sein wohlig warmer Embryostatus innerhalb der Stille bewusst wird. Dieser Status Quo wird in der Folge konsequent dekonstruiert, die Sicherheit und Vorhersehbarkeit aufgegeben, die eindeutige Dunkelheit weicht nicht nur in den Texten dem ambivalenten Licht.

Die zentrale Energie entspinnt sich aber zwischen den beiden Polen Eva und Phillip. Dabei spielt das Geschwistersein für die Beiden oberflächlich keine wirkliche Rolle. Natürlich sind da die Anekdoten, die von gemeinsamen Auftritten auf Familienfeiern erzählen. Und von Phillips Aufstieg zum renommierten Jazz-Pianisten, der später Inspiration in der Stimme seiner Schwester fand. Darüber hinaus lenken Hundreds den Fokus bewusst in Richtung Musik und treten erst dort, auf musikalischer Ebene, als unheimlich effektive Partner in Erscheinung treten. Denn Live bewegen sich Hundreds nahe an einer technischen Perfektion. Die drei Musiker spielen sich selbst kleinste Soundpartikel präzise zu, erweitern diese, reagieren effektiv auf die Hinweise ihrer Mitmusiker. Da sind unübersehbare Ablaufparallelen zur Klassik und auch zum Jazz, die aber auch immer wieder von der ausreißenden, vielschichtigen Stimme der Frontfrau ad absurdum geführt werden. Am Ende bilanziert Eva Milner glücklich:  „Ich glaube wir spielen heute das längste Konzert unserer Bandgeschichte. Und wir sind so froh, dass ihr uns mit offenen Herzen empfangt! Ihr seid so still.“ Und hier schließt sich der Kreis. In der Stille. Wo auch sonst?

 

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Shakespeare – Der Sturm – Theater Konstanz

Theater Konstanz – DER STURM

„Der Sturm“ startet – wen wunderts – stürmisch. Die Bühne des Konstanzer Theater wird niedergemäht, es pfeift und kreischt von der Bühne herunter, wo wir von der Darstellerriege nur wild durch das Dunkel fliegende Gliedmaßen sehen. Da ein Kopf, da ein Arm, hier ein Hilfeschrei, dort bricht Panik aus. Das Schiff des Königs von Neapel ist dem Untergang geweiht, keiner wird dieses Inferno überleben. Was bleibt ist Zerstörung und Leere. Und eine leere Bühne. Der Auftakt der Inszenierung von William Shakesspeares Klassiker „Der Sturm“ ist eindrucksvoll und zieht den Zuschauer ab der ersten Sekunde mitten in den Text hinein und auf die Bühne hinauf. Das Setting erinnert in seiner spielerischen Darstellung des Sturmes an ein Filmset des Regiepioniers Georges Méliès – das Theater wird in den ersten Minuten des Stücks zum Frühzeit-Kino, mutiert aber alsbald zurück auf die Textebene.

Theater Konstanz – DER STURMDenn dem Ende wohnt natürlich ein Anfang inne. Und jetzt sehen wir Prospero, den eigentlichen Autoren und Strippenzieher des Sturms. Der verschmähte Herzog von Mailand strandete einst mit seiner Tochter Miranda auf dieser magischen Insel, an der nun das Schiff seines Konkurrenten zerschellte. Doch Prospero, der weltliche Herrscher, der in diesem Wunderland eigentlich dem Untergang geweiht schien, begann die magische Luft zu atmen und besiegte in der Folge die Hexe Sycorax (die wir als Zuschauer gar nie zu Gesicht bekommen), machte sich ihren Sohn Caliban zum Sklaven und befreite zusätzlich den Geist Ariel, der im fortan immer wieder zur Hand geht. Mit den Mitteln dieser neuen Welt macht sich Prospero nun daran, seine Schulden aus der alten Welt zu begleichen. Und jetzt wird klar: Er steckt hinter dem Sturm, der wie durch Zufall all seine Feinde auf die Insel schwemmt. Was nun folgt ist ein Alptraum von einem Schachspiel, in welchen Prospero alle Akteure gegeneinander ausspielt und die geordnete, politische Welt in einem Schwall von unberechenbaren, kunterbunten Faktoren zerschellen lässt.

Theater Konstanz – DER STURMShakespeares letztes Stück wirkt angesichts der Zeit und des darüberhinausgehenden Werkes des Autors beinahe wie ein postmoderner Flickenteppich, der mystische Elemente mit Bezügen zur Antike, Ideen zur Zauberei und Zitaten aus Abenteuergeschichten durch den Fleischwolf dreht. Der Text ist verwirrt und verwirrend, Traum und Experiment, eine kunterbunte, kaum fassbare Robinsonade, die aber auch gleichermaßen politische wie mystische Bilder durchdenkt und sowohl zu Beginn in einem Sturm sowie zum Ende in einer finalen Konfrontation explodiert.

Theater Konstanz – DER STURMChristine Eders Inszenierung am Theater Konstanz gelingt es genau diesen Flow und Charakter der Vorlage perfekt zu treffen. Die Konstanzer Version ist unglaublich kurzweilig, die sieben Darsteller sind durchgehend in Bewegung, nutzen jeden Winkel, jedes Schlupfloch der Bühne. Bemerkenswert ist vor allen Dingen der absolute homogene Wechseln der Rollen – ein Großteil der Darsteller übernimmt mehrere Rollen, die dann teilweise parallel auf der Bühne zu finden sind. Einzig Ralf Beckords (er mimt den Prospero), besonnenes und doch doppelbödiges Schauspiel, lässt ab und an Zeit zum verschnaufen. Ansonsten steht der Zuschauer unter einem wunderbaren Dauerbeschuss, der vollste Aufmerksamkeit fordert.

Theater Konstanz – DER STURMDer Zuschauer verfolgt mehrere Erzählstränge, in denen unterschiedliche Gestrandete zusammenfinden und die dann im Verlauf des Stückes Stück für Stück wieder zueinander geführt werden. Zwischendurch bläst immer wieder dicker Nebel auf die Bühne, ein surreales, alles in sich hinein fressendes Bild, das die Szenen zurücksetzt, das Stück scheinbar restartet. Das dabei entstehende Gewusel ist absolut kurzweilig und durchzogen von kleinen, aber feinen Happen, die das Publikum wie der (inszenierte) Liebesgeschichte der beiden Sprösslinge der Monarchen, einer total überraschende Tanzeinlage, einem ausufernden Trinkgelage, Ariels Interaktion mit den Zuschauern und, und und. „Der Sturm“ gleicht in dieser Version einem surrealen Trip, einem Traumgebilde, das sich perfekt im Motto des Theater Konstanz „Damit ich dich besser fressen kann…Märchen, Mythen und Europa“ verordnen lässt.

Und dann, zack, ist der Traum aus. Das Stück endet nach 70 Minuten, die sich effektiv wie 15 anfühlen. Was bleibt ist ein Gefühl, wie wen gewaltsam aus einem Traum gerissen wird. Der Kopf ist voller Bilder und Sprachfetzen, die alle nicht so richtig zusammenpassen und an denen man noch Stunden später zu knabbern hat, weil man sie einordnen will und weiterdenken – aber dazu nicht so richtig in der Lage ist. Oder doch?

 

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Maifeld-Derby – 01.06.2014 – Mannheim

girls in hawai

Das Maifeld-Derby 2014 ist Geschichte und die Macher des Festivals blicken auf das bis dato erfolgreichste Festivaljahr zurück. Über drei Tage bespielten insgesamt 60 Bands die fünf Bühnen des Festivals und boten dabei einen breiten Einblick in die Welt und den Variantenreichtum der Independent Musik. Außerdem gab es für das Maifeld eine besonders erfreuliche Premiere: Gutes Wetter! Im Gegensatz zum vergangenen Jahr hatte sich die Anordnung der Bühnen marginal verändert. Auch 2014 stand das (vor allem auch atmosphärisch) imposante Palastzelt im Zentrum, die Open Air Stage indes wurde verschoben und bot nun mehr Platz und bessere Sicht für das Publikum. (Soweit die Stakkatomäßige Einleitung, gleich wirds emotionaler. Anmerkung des Korrekturlesers) .Dementsprechend konnte Peter Putz, Mitglied des Veranstalter-Teams, absolut positiv resümieren: „Wir sind mit einer durchschnittlichen Besucherzahl von 4000 pro Tag und ca. 12.000 über das gesamte Festivalwochenende sehr zufrieden.  Das ist noch mal ein ganzes Stück mehr als im letzten Jahr und eine schöne Bestätigung für unsere inhaltliche Arbeit. Auch die Änderungen in der Konzeption und Konstellation des Festivalgeländes wurden sehr positiv aufgenommen.
Vor allem der Festivalsonntag bot ein extrem ausgewogenes und aufregendes musikalisches Programm. Lest unsere Einblicke in einige großartigen Konzerte.

Das Maifeld Derby beginnt für uns mit dem Auftritt von Girls in Hawai. Der Bandtitel alleine klingt zunächst natürlich nach beschwinglichen Indierhythmen, Sommer, Sonne und guter Laune Geklimper. Hawai eben. Und Girls. Falsch gedacht. Girls in Hawai sind eine der spannendsten Band der nach wie vor florierenden belgischen Indieszene und spielen am Festivalsonntag eine energetische Show, die den Zuhörer in einigen Momenten tatsächlich ein wenig an das überragende Headliner-Konzert von The Notwist im vergangenen Jahr erinnert. Das heißt: Wir hören wie sich Soundschicht über Soundschicht legt, ehe sich vor der dunklen Maifeld-Bühne eine regelrechte Lärmwand auftut, die sich dann Tsunami-artig über das Publikum ergießt. Stark! Vor allem die letzte Song, der sich über Minuten aufbaut, verschiedene Stile kombiniert und im Anschluss in einem Jamorkan alles einreißt, überzeugt  und zwar auf ganzer Linie. Von dieser Band werden wir noch einiges hören.

Weiter geht’s draußen mit The Elwins. Und die machen genau die Art von Musik, die man eigentlich (als Namendeuter) von Girls in Hawai erwartet hätte (Beschreibung siehe oben). Das ist ganz nett und passt natürlich wunderbar in den Sonnenschein, aber insgesamt ist diese Art von Musik doch ein wenig zu angenehm und rutscht einem ein zu schnell die Gehörgänge hinunter. Den Kanadiern fehlt ein Ticken an Ecken und Kanten, Sounds, die sich in den Ohrmuscheln festkrallen. Immerhin tanzen unzählige Mädchen mit Blumenkränzen in den Haaren. Denn: Die Sonne scheint. Am Maifeld (!).

Spannender wird es im Anschluss im Palastzelt: Dort marschieren nämlich Temples auf die Bühne, die zuletzt vor allen Dingen in Großbritannien einen ordentlichen Hype erfahren haben (und auch hier darf der Hinweis nicht fehlen, dass sowohl Johnny Marr, als auch Noel Gallagher die Truppe aus Kettering als „die heißeste junge Band der Insel“ bezeichnet haben. Ritterschlag von Atombombenausmaß). Am Maifeld-Derby beweisen „Die Tempel“ (sorry!) wieso: Zunächst einmal besitzt Frontmann James Edward Bagshaw der imposantesten Naturafro der Rock´N´Roll-Szene seit Wolfmother Boss Andrew Stockdale. Des Weiteren ist das Psychodelic-Geschrammel, dass die zierliche Band auf die Bühne klatscht absolut imposant und erfrischend. Zack und Bämm. Vollgas und geradeaus. Einer aus dem Publikum schreit „You Guys Are Amazing.“ Von der Bühne antwortet ein gelangweiltes, kaum wahrnehmbares Nicken der Marke „Wissen wir schon lange“. Rock`N´Roll eben.

Das Bühnenpendeln geht weiter. Als wir uns aus der Dunkelheit des Zeltes schälen erfolgt die wettertechnische Überraschung. Wo uns zuvor blendende Sonnenstrahlen die an die Dunkelheit gewohnten Netzhäute verätzten, klatschen uns jetzt dicke Regentropfen ins Gesicht. Das Maifeld hat eben einen Ruf zu verteidigen. Der Schuldige ist schnell gefunden und gibt das auch noch unverfroren zu: Hozier kommt aus Irland und natürlich hat er den Regen mitgebracht. Eigentlich müsste man ihm dafür böse sein, würde er nicht in der Folge ein Konzert spielen, das absolut in Erinnerung bleibt und den Titel der „Überraschung des Sonntags“ ganz locker einstreicht. Frontmann Andrew Hozier-Byrne hat eine fantastische Stimme und schlägt dunkle, bewegende Töne auf seiner Bluesgitarre an, während seine Band, inklusive Piano und Streicher, den Singer-Songwriter-Kompositionen eine unglaubliche Tiefe und Größe verleiht. Das ist Bluesrock vom Feinsten, irgendwie dunkel und traurig, irgendwie tanzbar und angenehm. Ein wenig erinnert das an die frühen Kings Of Leon gepaart mit irischer Gelassenheit. Vor allem „Take Me To Church“ ist ein Song der genau hier, an diesem Ort, im kalten Regen aber so was von in Erinnerung bleibt.

St. Vincent surfen gerade auf einer ordentlichen Hype-Welle. Die Feuilletons überschlagen sich ob Anne Erin Clark musikalischer Vielseitigkeit. Den Mrs. Clark (und um diese Assoziation kommt man irgendwie nicht herum) ist so etwas wie die Lady Gaga der Independet-Szene und kann genau diesen Vergleich vermutlich absolut nicht mehr hören. Das Konzert ist vor allen Dingen von einem gehörigen Grad der Unberechenbarkeit geprägt: Hier scheppern böse Elektrosequenzen in durchdringende Poprhythmen, die dann wieder in klassischen Indiefrequenzen zergehen. Hm. Wow. Oha. So richtig in Worte fassen lässt sich eine Show von St. Vincent nicht. Und irgendwie ist das ja auch gut so. Clark offenbart vor allen Dingen ein immenses musikalisches Talent und eine beeindruckende Bandbreite, die sie bis zu den letzten Zentimetern ausbreitet und abmarschiert. Und natürlich ist das alles irgendwie noch Experiment, ein Ausloten der Möglichkeiten, das in letzter Konsequenz aber nicht komplett aufgeht, weil die letzte, die finale Radikalität doch ausbleibt.

Wye Oak indes spielen eine wunderbar berechenbar schöne Art von Musik. Die Sonne ist zurück, man stellt sich entspannt in die ellenlange Crepes-Schlange und das Duo aus Baltimore bildet damit das ideale Bindeglied zwischen der wilden, ausufernden St. Vincent Show und….

The National. Dieser Name thronte in diesem Maifeld-Jahre über allem – zum einen, weil das Maifeld-Team bis dato noch nie einen Bandfisch von einem solchen Ausmaß an Land gezogen hatte (immerhin gilt The National als Lieblingsband von Barack Obama), zum anderen haben sich die beinahe beängstigenden Livequalitäten der Band mittlerweile nachhaltig herumgesprochen. Und eins vorweg: Die Band um Sänger Matt Berninger enttäuschte trotz gigantischer Erwartungen nicht eine Sekunde und dürften( Stand 2014) wohl wirklich eine der besten (oder halt eben die beste) Live-(Indie)band unseres Planeten sein. Hallo Superlativen. The National live besticht mit zwei verschiedenen Faktoren: Nummer 1 ist das Niveau der Musiker – die beiden Brüderpaare Aaron und Bryce Dessner und Bryan und Scott Devendorf entwerfen grandiose, vielschichtige, wunderbare Klanguniversen, die immer wieder von sensibel eingesetzten Bläserbombast an den Rand der Implosion getrieben werden. Gigantisch! Faktor zwei ist indes Matt Berninger. Der Irre. Berninger ist unberechenbar, superwitzig und meistens (zumindest gefühlt) stockbesoffen. Er zertrümmert Mikrofonständer nach Mikrofonständer, reißt so manchen Flachwitz, marschiert wie ein Tiger über die Bühne und zum Abschluss des Konzertes immer wieder mit ellenlangen Mikrofonkabel ins Publikum. Und egal wie und in welchem Zustand, egal an welchen Ort: Berninger singt sich die Seele aus dem Leib und legt sie dann noch seinem Publikum zum Füßen. Und wir im Publikum möchten mitschreien, wenn Berninger schreit, möchten mit weinen, wenn seine Stimme fast zerschellt. Am Maifeld sind The National zusätzlich mit Lightshow angereist, was das Gesamtkunstwerk noch einmal abrundet und um entscheidende Nuancen erweitert. Zum Abschluss gibt es eine fabulöse Unplugged Version von „Vanderlyle Crybaby Geeks“, die das Publikum zunächst zum Mitsingen aus vollen Kehlen animiert und ebendiese nach Abschluss des Konzerts offen stehen lässt. Mehr geht nicht.

Das ist definitiv der perfekte Festivalabschluss! Eben so wie es sein sollte.
P.S.: Das Maifeld liebte The National – und augenscheinlich beruhte die Wertschätzung auf Gegenseitigkeit. In seiner abschließenden Pressemitteilung berichtet Festivalmacher Timo Kumpf: „The National haben sich noch einmal ganz persönlich bei uns für das tolle, selbstgekochte Essen, die gesamte Betreuung und den hochprofessionellen Ablauf in allen Aspekten bedankt. Der Band hat es bei uns sehr gut gefallen, was man ihrem Auftritt auch durchaus angemerkt hat, denke ich. Für mich und mein Team ist das eine große Bestätigung.

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Arcade Fire, Reflektor, Universal

Reflekt Yourself!

Thees Uhlmann, Arcade Fire, Casper, Nine Inch Nails, Arctic Monkeys, Eminem, Neue Alben, Reviews, Besprechungen, Pearl Jam, Volbeat, Gov´t Mule, Cds, Bilder, Neu (1)

Arcade Fire, der Inbegriff der Liebhaberband, das Schmuckstück, dass man immer offen und nerdig zur Schau tragen konnte, sind nun ganz oben angekommen. Auf dem Thron. Und zwar nicht als Sidekick, Besucher oder Götterbote, sondern als Boss, als thronende Macht, deren Aura so markant ist, dass die ganze Erde innehält, wenn sie ihre musikalischen Blitze nach unten verballert. „Reflektor“ hielt die Welt in Atem – und enttäuscht. Wieder einmal. Genau wie „The Suburbs“, dass heute vielleicht die beste Scheibe dieser unfassbaren Band ist. Zur groß sind stets die Erwartungen, sodass wir als Fans vergessen, dass Arcade Fire nie und nimmer beim ersten Hördurchgang zünden, dass sich diese Kompositionen entwickeln müssen, dass immer erst nur ein zwei Songs hängen bleiben, ehe der Rest zu Monstern heranwächst, die dich nicht mehr loslassen. Die dich aufressen wollen. Entsprechend ist es für diese Review zu früh. Fragt mich doch in einem Jahr nochmal. Die aktuellen Eindrücke sind noch zu frisch und unverarbeitet und doch zeichnet es sich langsam wieder ab: Die neue Arcade Fire wird auch in diesem Jahr alles in den Schatten stellen, was die Gitarren-Popmusik präsentiert. „Reflektor“ ist bunter und lebendiger als die Vorgänger, ein bisschen Flaming Lips mäßig, aber doch typisch. Hymnisch. Zitatereich. Barock. Göttlich.

Eminem, The Marshall Mathers LP 2, Interscope (Universal)

Zurück im Olymp

Thees Uhlmann, Arcade Fire, Casper, Nine Inch Nails, Arctic Monkeys, Eminem, Neue Alben, Reviews, Besprechungen, Pearl Jam, Volbeat, Gov´t Mule, Cds, Bilder, Neu (5)Es dauert genau einen Song, um zu verstehen, dass wir gerade Ohrenzeuge der musikalischen Wiederauferstehung und vollständigen Reinwaschung eines Jahrhunderttalents werden. Die erste Komposition des neuen Eminem Albums „The Marshall Mathers LP 2“ heißt „Bad Guy“ und dauert geschlagene sieben Minuten und vierzehn Sekunden – eine geradezu epische Länge für einen Opener, die wohl 90 % aller HipHop-Veröffentlichungen direkt das Genick brechen würde. Doch „Bad Guy“ ist mehr als ein Song: Er ist Rückbezug und Zitat, HipHop-Oper und Raproman, Ausstellung und Kritik an den eigenen Fähigkeiten, Reflexion und umarmende Klammer um das Schaffen des vielleicht einflussreichsten Popmusikers der vergangenen eineinhalb Dekaden. Der Auftaktsong knüpft an einer entscheidenden Song-Stelle in Eminems Karriere an: „Stan“ war die herausragende Ballade der ersten „Marshall Mathers LP“ und erzählte die Geschichte eines fanatischen Fans, der sein gesamtes Leben auf Eminem ausrichtete – und dabei sich und seine Familie zu Grunde richtete. Der Hit verhalf Sängerin Dido, die damals die Hook einsang, zu einer Weltkarriere und öffnete Eminem (und damit auch HipHop im Allgemeinen) endgültig die Türen zur breiten Masse. In „Bad Guy“ erzählt der Rapper nun Stans Geschichte aus der Perspektive von dessen kleinen Bruder Matthew weiter. Doch damit nicht genug: Eminem versetzt sich nicht nur auf Textebene in die von ihm geschaffene Figur, er begibt sich auch qualitativ auf deren Rapniveau. Das Album beginnt also gewollt mit Eminems wohl miserabelster Performance – erst im Verlauf des Songs steigert der Rapper die Qualität seines Sprechgesangs linear auf ein Höchstlevel, um in einem Finale Furioso das Gesamtkonstrukt in Stücke zu zerreißen. In einem finalen poetologischen Bruch wechselt der Sprachkünstler zurück in seine eigene Haut und entlarvt Matthew als bloßen sprachlichen Kunstgriff, der es ihm möglich macht, die eigenen Schwächen mitzudenken. Wahnsinn! Und vergessen sind die drei zurückliegenden Alben, die zwar allesamt Bestseller waren, aber den Mythos Eminem zunehmend dekonstruierten und den Rapgott wieder zum Menschen machten

Dass sich Eminem auf seinem Weg zurück nach ganz Oben ausgerechnet (und nur wenig subtil) an der „Marshall Mathers LP“ orientiert ist nur wenig verwunderlich – die 2000 veröffentlichte Scheibe ist das frühe Opus Magnum des Detroiter Rapper, ein moderner Klassiker und Offenbarungseid. Damit die vielfach codierte Wiederbelebung so organisch wie möglich von Statten gehen konnte, hat sich unser Lazarus eine ganze Armada von Produzenten ins Boot geholt. Angeführt wird das Kommando von Eminems Mentor Dr Dre, außerdem gibt sich Rick Rubin die Ehre, der seine Fähigkeiten als Defibrillator für festgefahrene Kreativkarrieren schon zigfach unter Beweis stellte. Analog zu den beiden Masterminds besitzt die Platte zwei Gesichter. Das erste folgt dem Diktum von „Bad Guy“ und verzahnt sich immer wieder mit den antreibenden Song-Zahnrädern aus Eminems Gesamtwerk. Da tönen total abgedrehte Eulenspiegel-Hymnen mit schräg eingesungenen Refrains, dort pumpen heroische Durchalteparolen im Stile des Oscar prämierten „Loose Yourself“. Doch Eminem, heute 41, beschränkt sich nicht aufs bloße Zitieren. Er denkt seine Ursprungs-Ideen entscheidend weiter und reflektiert im Prozess seine eigenen Ängste, sein Scheitern, seine Endlichkeit – als Künstler wie als Mensch. Und dann ist da noch das zweite, das all umfassende Gesicht, das nicht nur die eigene Geschichte begutachtet, sondern das große Ganze in den Blick nimmt. Stellvertretend dafür stehen zum einen die Vorabveröffentlichung „Berzerk“, getrieben von einem Rick Rubinschen Run-DMC-Gedächtnisbeat und zum anderen die futuristische Kollaboration „Love Game“ mit Wunderkind Kendrick Lamar. Und so wird „The Marshall Mathers LP 2“ zum Epos, das erinnert, zitiert, erfindet und voraus blickt. Und zu dem Werk, das Eminem endlich wieder in den Olymp zurück hievt. Oder wie er selbst sagt: „Why be a king when you can be a god!“

Nine Inch Nails, Hesitation Marks, Polydor Records

Den Finger am Puls der Zeit

Thees Uhlmann, Arcade Fire, Casper, Nine Inch Nails, Arctic Monkeys, Eminem, Neue Alben, Reviews, Besprechungen, Pearl Jam, Volbeat, Gov´t Mule, Cds, Bilder, Neu (6)Trent Reznor ist ein Berseker. Ein Wahnsinniger. Einer, den du nicht kontrollieren kannst. Dementsprechend agierten die Nine Inch Nails bisher auch im Studio. Mal visionär, bahnbrechend, großartig, mal zu verkopft, zu seltsam, zu wahnsinnig. Fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass es neues NIN-Material auf die Ohren gab – fünf Jahre, in denen Reznor fantastische Filmmusik für David Fincher komponierte, die digitale Revolution erforschte und offensichtlich eine Menge elektronischer Musik hörte. Denn genau dort – vor allem im Dubstep – hat Reznor Anleihen gesucht und gefunden und damit einmal mehr den Finger am Puls der Zeit. Als Konsequenz aus dieser Entwicklung – sowie des persönlichen Reifungsprozesses – klingt „Hesitation Marks“ für ein NIN-Album außergewöhnlich poppig. Die musikalischen Brüche sind nicht mehr so brutal, die Riffs nicht mehr so erbarmungslos, Reznors Stimme nicht mehr so gehetzt. Es klingt beinahe so (und hoffentlich erfährt er das nie) als hätte Trent Reznor seinen inneren Frieden gefunden. Am Ende ist das aber kein Widerspruch: Der Unberechenbarkeit liegt auf „Hesitation Marks“ eben in der Berechenbarkeit.

Arctic Monkeys, AM, Domino Records (Goodtogo)

Das Märchen geht weiter

DieThees Uhlmann, Arcade Fire, Casper, Nine Inch Nails, Arctic Monkeys, Eminem, Neue Alben, Reviews, Besprechungen, Pearl Jam, Volbeat, Gov´t Mule, Cds, Bilder, Neu (2) mittlerweile beinahe totzitierte Wandlung der Arctic Monkeys nimmt in der Enzyklopädie des Rock´N´Roll den Status eines Märchens ein. Es war einmal das dreckige, verspielte kleine Garagenpunk Entchen, dass sich unter der Anleitung des legendären Wüstenfuchses Josh Homme zum schönen Stoner-Schwan wandelte. Doch die Arctic Monkeys sind 2013 keinesfalls eine Bilderbuchband, sondern viel eher ein vielköpfiger, vielschichtiger, bissiger, schwarzer Schwan – und (nach der Auflösung von Oasis) Englands Vorzeigeband numero uno. „AM“ führt den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Oder eben auch nicht. Die Scheibe besinnt sich ein Stück weit auf die alten Tugenden der Band – eingängiges Songgeschepper – und lässt gleichzeitig unfassbare, geheimnisvolle Songmonster von der Kette. Da ist zum Beispiel „Why’d You Only Call Me When You’re High?“ – rauschend, dunkel, trippy, kratzend auf der einen Seite, eingängig, mit hundertprozentigen Wiedererkennungswert auf der anderen. Alex Turners Stimme rückt noch zentraler in der Vordergrund, wird aber immer wieder gepitcht und verdunkelt. Und so werden die Arctic Monkeys auch mit „AM“ einige Fans vergraulen, einige andere dazugewinnen – vor allem aber bleiben sie in Bewegung, in der Diskussion. Und das ist das, was die ganz großen Bands in den vergangenen Jahrzehnten auszeichnete.

Thees Uhlmann, #2, Grand Hotel Van Cleef

Der zweite Streich

Thees Uhlmann, Arcade Fire, Casper, Nine Inch Nails, Arctic Monkeys, Eminem, Neue Alben, Reviews, Besprechungen, Pearl Jam, Volbeat, Gov´t Mule, Cds, Bilder, NeuWenn ein Musiker seine Band verlässt und fortan auf Solopfaden sein eigenes Ding durchzieht kann das mehrere Gründe haben: Künstlerische Freiheit, Selbstinszenierung, die Erschließung neuer musikalischer Räume. Qualitätssprünge sind in den allermeisten Fällen nicht zu erwarten. Meist klingen die Soloprojekte so anders, dass sie keiner mehr einordnen kann und will, oder eben doch genau so wie die ad acta gelegte Band – nur schlechter. Und jetzt das Gegenbeispiel. Mit seinem ersten Soloalbum hievte Thees Uhlmann sein Songwriting auf eine ganz neue Stufe – Uhlmann schien geradezu befreit, übersprudelte förmlich vor Energie und Ideen und spielte mit seinem eigenen Material alles an die Wand, was er zuvor mit Tomte fabriziert hatte. Nun also der zweite Streich: Uhlmann gelingt durch die Betonung von Nuancen der Entwurf eines ganz eigenen, neuen Sounds. Da ist das Grundgerüst im Stile des deutschen Indies, da sind die Heartland-Heimat-Herzblut-Anleihen bei Bruce Springsteen und da ist diese neue merkwürdige Art des Textens und Musizierens, die Uhlmann mit seinem Buddy Casper prägt – inklusive kleiner Beobachtungen, Pianoanschlägen, Chören, Streichern. Heraus kommen Songperlen wie „Am 07. März“ oder „Zerschmettert in Stücke (Im Frieden der Nacht)“.

Pearl Jam, Lightning Bolt, Republic/Universal

Der Sturm

Thees Uhlmann, Arcade Fire, Casper, Nine Inch Nails, Arctic Monkeys, Eminem, Neue Alben, Reviews, Besprechungen, Pearl Jam, Volbeat, Gov´t Mule, Cds, Bilder, Neu (4)Ein lyrisches Bildelement dominiert die neue Pearl Jam Platte „Lightning Bolt“: Es blitzt und donnert aus allen Richtungen, es wird über- und mitgeschwemmt, niedergebrannt und zerstört und zerschlagen. Die Natur schlägt erbarmungslos zurück und mittendrin, im Auge des Sturms, stehen Pearl Jam und ihre mittlerweile ausgedünnten Grungemähnen wehen nach wie vor im Wind. Die Platte ist offensichtlich ein energetischer Aufschrei: Wir sind immer noch da. Wir sind immer noch relevant. Wir sind immer noch wütend, vital und immer noch Punk! Vor diesem Hintergrund wirkt „Lightning Bolt“ wie ein polarer Gegenentwurf zu Eddie Vedders fantastischen Singer-Songwriter-Experimenten, die den Rückzug in die Natur predigten, aber auch als klares „Nein!“ in Richtung all jener, die Pearl Jam bereits in der Stadion-Mitgröhl-Schublade abgelegt hatten. Insbesondere das Triumvirat zum Auftakt, bestehend aus der fast penetrant Pearl Jam typischen Komposition „Getaway“, der rasanten Punkrock-Nummer „Mind Your Manners“ und der textlastigen Mischung aus diesen beiden Bausteinen („My Fathers Son“) offenbart, diese Band ihren eigenen Ansprüchen immer noch gerecht wird. Und natürlich klingt Pearl Jam immer noch nach Pearl Jam, immer noch nach 90er Grunge und Holzfäller-Hemden. Die Varianten sind spärlich gesät, blühen aber umso auffallender. Und genau das ist der Grund, warum so viele Menschen dieser Band treu geblieben sind. Und treu bleiben werden.

Casper, „Hinterland“, Four Music

Der Messias?

Thees Uhlmann, Arcade Fire, Casper, Nine Inch Nails, Arctic Monkeys, Eminem, Neue Alben, Reviews, Besprechungen, Pearl Jam, Volbeat, Gov´t Mule, Cds, Bilder, Neu (8)Bis vor wenigen Jahren war der Ruf des deutschen HipHops denkbar miserabel. Die Öffentlichkeit betrachtete die Szene größtenteils als einen Brei von Nachahmern der unerreichbaren amerikanischen Vorbildern, als Möchtegern-Gangster und Sprachvergewaltiger. Mittlerweile hat sich dieses Bild gedreht, der deutsche HipHop ist hybrid, in stetiger kreativer Bewegung und geprägt von einer supererfolgreichen Genreoffenheit. Das Saarbrücker Duo Genetikk trumpft mit dunklen Beatarbeit und Beastie Boys Flow, Prinz Pi, ehemals Prinz Porno, ist heute Jugendsprachrohr mit Beatles-Anleihen, der Autodidakt Alligatoah spielte ein kunterbuntes Comedy-Pop-Album ein. All diese Künstler enterten dieses Jahr Rang 1 der deutschen Albencharts. Dieses Schicksal wird auch „Hinterland“, die neue Scheibe von Casper mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erreichen – mit einen kleinen Unterschied: Caspers Wandlung vom Battlerapper zum Musiker ist noch radikaler, homogener und intensiver, Caspers Hype und Qualität sind mittlerweile so prägnant, dass man ihn ohne Probleme als Messias dieser 2.0 HipHop-Welt bezeichnen kann.

Das Vorgänger Album XOXO war ein überraschendes Experiment, dass sich beinahe spielerisch Indie und Postrockelemente aneignete. Auf Hinterland wächst diese vorsichtige Annäherung nun zu einer durchdringenden Symbiose. Das liegt vor allen Dingen an der Produktion des Albums: Casper, dem gemeinhin ein unglaublich breites Musikwissen nachgesagt wird, dem allerdings bei der Umsetzung seiner Visionen bis dato das nötige Know-How abging, verstärkte seine Studiomannschaft entscheidend. Zum einen mit Markus Ganter, einem der spannendsten Alternativeproduzenten, zum anderen mit Konstantin Gropper, der mit seinem Bandprojekt Get Well Soon weltweit für offene Münder sorgte. Einen ähnlichen Aha-Effekt erzielt nun auch „Hinterland“ bereits mit dem Intro zum Opener „Im Ascheregen“. Zuerst tönen zarte Orgelanschläge, ehe sich Tastengeklimper und Schlagzeug-Wummern langsam zu einem Rhythmus, zum Beat verformen, der dann in Streicher und Glockenspiel-Wellen implodiert. Und dann kommt Casper: „Dies ist kein Abschied, denn ich war nie willkommen.“

Die erste Zeile der Scheibe lässt sich problemlos als verbaler Mittelfinger in Richtung des alten HipHop-Regimes deuten. Doch die verstaubten Grenzen sind längst aufgebrochen und Casper zitiert sich wie besessen durch das vergangene Jahrzehnt des Indie. Der Titeltrack ist so penetrant melancholisch-harmonisch, wie wir es eigentlich nur von den Shins kennen, „…nach der Demo gings bergab“ besitzt die Energie und schnöde Schönheit, die einst Ton Steine Scherben auszeichnete und auf „Lux Lisbon“ übernimmt mit Editors Sänger Tom Smith direkt eine prägende Indie-Persönlichkeit die Hook.

Nichtsdestotrotz bleibt der Sprechgesang und damit HipHop der Kit, das tragende Element, eines Albums, dass wohl (in Kombination mit XOXO) das Rüstzeug zu einem modernen Pop-Klassiker besitzt. Denn Casper entwickelt, angetrieben von nerdiger Motivation und als Springer zwischen den Welten, einen eigenen Sound, ein eigenen Art des (teilweise nervigen) Textens und transportiert dabei den irritierenden Zeitgeist, einer Generation, deren Zeitgefühl man eigentlich verloren glaubte.

Volbeat, Outlaw Gentleman & Shady Ladies, Vertigo Berlin (Universal)

Am Ende der Fahnenstange

Thees Uhlmann, Arcade Fire, Casper, Nine Inch Nails, Arctic Monkeys, Eminem, Neue Alben, Reviews, Besprechungen, Pearl Jam, Volbeat, Gov´t Mule, Cds, Bilder, Neu (7)Nicht selten sind es die seltsamsten Konzepte, die in der Musikwelt plötzlich unbemerkt offenstehende Löcher stopfen. Volbeat sind so ein seltsames Musikphänomen. Denn wer hätte gedacht, dass ein dänisches Quartett, das eingängigen Heavy-Metal mit Rockabilly- und Westerneinflüssen mixt, zur erfolgreichsten internationalen Heavy-Metal-Band reifen könnte? Doch genau das ist in den vergangenen Jahren passiert: Volbeat haben mit ihrem erfrischenden Konzept den Markt gesprengt und sich durch ungeheure Livepräsenz unter anderem bis zum Rock-Am-Ring-Headliner hochgespielt. Dieser Tage erschien die langersehnte neue Scheibe „Outlaw Gentleman & Shady Ladies“. Nach mehreren Plattendurchläufen bleibt allerdings nur eine bittere Erkenntnis: Das Ende der Fahnenstange scheint erreicht, das Konzept Volbeat hat offenbar sein Ablaufdatum überschritten. Die Scheibe klingt (mit Ausnahme des Italo-Western typischen Intros) wie ein einziger überlanger uninspirierter Song. Michael Schøn Poulsen Stimme, die der Truppe immer einen Schuss Unberechenbarkeit eingeimpft hatte, wirkt regelrecht gezähmt und geglättet. Die messerscharfen Riffs der Erstveröffentlichungen sind aalglatten Poppunk-Kompositionen und Null-Acht-Fuffzehn-Metal-Geschrammel gewichen. Das ist Radiopop der übleren Sorte, mit der Konsistenz eines Kaugummi, der zu lange gekaut wurde. Eine echte Enttäuschung.

 

Gov’t Mule , „Shout“, Provogue / Mascot Records

Im Spagat der Genres

Thees Uhlmann, Arcade Fire, Casper, Nine Inch Nails, Arctic Monkeys, Eminem, Neue Alben, Reviews, Besprechungen, Pearl Jam, Volbeat, Gov´t Mule, Cds, Bilder, Neu (3)Gleich zu Beginn der Scheibe schreddert Warren Haynes Gitarre so markant, so kompromisslos durch den Raum, dass man als Hörer reflexartig nach der sicheren Tischkante greift. Der Opener „World Boss“ ist ein klassischer Hallo-Wach-Song, so einer, der dich direkt am Schlafittchen packt und nicht mehr loslässt und damit das klare Programm seiner Urheber aufzeigt. Denn Gov’t Mule verfolgen seit ihrer Gründung 1994 ein kompromissloses Konzept im Spagat zwischen der altehrwürdigen Bluesrockszene, in derer die einzelnen Mitglieder einst ihre Wurzeln schlugen, und der stetigen Auseinandersetzung mit all jenen (post)modernen Genresmutationen, die sich in den vergangen Jahrzehnten mit dem Blues verwoben. So klingen die Songs auf „Shout“ mal nach staubigen Stonerrock, mal nach bierverklebten Punk, mal nach schwermütigen Folk. Aber immer auch nach ausufernden, rifflastigen, dunklen Blues. Richtig spannend wirds aber im zweiten Teil der Scheibe: Dort leihen Superstars wie Steve Winwood, Elvis Costellow oder auch Ben Harper den Shout-Instrumentals für jeweils einen Song ihre Stimme. Und alleine diese Namensliste erklärt die Reichweite von Gov’t Mule besser als jede ausführliche Cd-Besprechung.

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Friska Viljor – Kulturladen Konstanz – 04.11.2013

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Ganz am Ende stürzt sich ein bärtiger verschwitzter schwedischer Mann in das Meer von Musikfans vor ihm, spielt auf seiner leicht verstimmten Ukulele eine aufs nötigste reduzierte Komposition und brüllt dazu in schiefsten Tönen den Refrain seines größten Hits „Shotgun Sister“. Sein Publikum, triefend nass, schmiegt sich förmlich an den behaarten Barden und schreit es ihm nach im Chor: „Lalala“! Dieses prächtige Finale zeigt das was die schwedische Formation Friska Viljor seit jeher auszeichnete: Herzblut und ein so dermaßen charmanter Dilettantismus.

IMG_5563Die Geschichte von der Bandgründung Friska Viljors wurde so oft erzählt, dass selbst die Story, wie oft diese Geschichte doch erzählt wurde, ein alter Hut ist. Deshalb die Kurzversion: Vor einigen Jahren ziehen die beiden Kumpel Daniel Johansson und Joakim Sveningsson jeweils mit frisch gebrochenen Herz frustsaufend durch Stockholm. Irgendwann folgt die Schnapsidee: Lass uns den Liebeskummer in Musik verarbeiten. Problem nur: Die Beiden sind alles andere als Musikvirtuosen. Egal – unter dem Namen Friska Viljor begibt man sich in Studio und Proberaum und spielt sich den verklebten Frust von der Seele. Einige Monate später zieht das Duo ganz im Stile der Beatles musizierend über die Reeperbahn und plötzlich reift Friska Viljor zum Indie-Phänomen.

IMG_5574Zu diesem Zeitpunkt bin ich, damals ein frischgebackener Indie-Hipster (den Begriff hätte damals wohl keine begriffen), über Friska Viljor gestolpert und war absolut hin und weg. Das Projekt hatte die Antriebskraft von Punk, die Verspieltheit von Indie und einen dermaßen immensen Grad der Poppigkeit, der tatsächlich Beatles-Assoziationen hervorrief. Kurzum: Eine innovative, versoffene, wunderbar dilettante, Ohrwurm-züchtende Pop-Kreation. Das Debüt „Bravo“ ist dementsprechend wohl bis heute eins meiner meist gehörten Alben, „Tour De Hearts“ rotierte ebenfalls regelmäßig – doch dann begann ein schleichender Entfernungsprozess. Die Folgealben klangen von mal zu mal glatter und die Band verlor (für mich persönlich) ihre Faszination, ohne etwas dafür zu können. Den Friska Viljor verfielen keinesfalls den Reizen des Mainstreams. Sie wurden einfach bessere Musiker. Ein Paradox.

IMG_5571Heute ist Friska Viljor eine echte Band mit echten Musikern. Das hört man im bist zum letzten Platz ausverkauften Kulturladen vor allem in der Anfangsphase. Die Songs vom neuen Album „Remember Our Name“ klingen im Vergleich zum Frühwerk auch livegeradezu glatt poliert – es fehlt an Ecken und Kanten, Überraschungsmomenten, Irrsinn – kurzum am eingangs beschworenen Charme. Erst im Verlauf des Konzertes bröckelt diese Perfektion, Friska Viljor spielen sich regelrecht frei und zeigen dann in der zweiten Hälfte ihrer Show, welche fantastische Liveband sie doch sind. Da tönen leise Elektroarrangements, da jault eine Trompete, hier tönt ein Glockenspiel – und alles zusammen schweißt sich immer und immer wieder zu mitreißenden Pophymnen zusammen. Highlight (und Kombination aus alter Rohheit und neu entdeckter Technik) ist die epische Version von „Useless“, die Daniel und Joakim im Duo akustisch sezieren, welche sich dann unter ansteigender Bandbeteiligung zum orchestralen Popsong aufschwingt und in den letzten Takten einem zerbrechlichen Trompetensolo zerfließt. Sollte es Friska Viljor in Zukunft gelingen, ihre neu gewonnenen musikalischen Skillz mit ihrer alten Verplantheit und Verspieltheit kombinieren können, hat diese Band noch einiges im Tank. Whatch Out!

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Herr Sorge – Theater Konstanz

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Mitten im Konzert von „Dunkelkammermusik“ versteht man als Zuhörer die Welt nicht mehr:Da steht links ein Riesenflügel auf der Bühne, an dem sich der hochdekorierte Jazzpianist Florian Weber virtuos abarbeitet. Da steht rechts ein futuristischer Instrumentenpanzer, aus dessen Inneren Produzentenlegende Jan van de Toorn im Robotoraufzug abgefahrene Elektrosounds abfeuert. Da steht zentral Herr Sorge, besser bekannt als Samy Deluxe, und singt in sich durch Popsong-Fragmente mit depressiv politischen Texten. Und das alles im altehrwürdigen Konstanzer Theater. Eigentlich passt das hinten und vorne nicht zusammen – wie in einem abgefahrenen Traumgebilde, in dem sich verschiedene, kontrastive Realitätsfetzen plötzlich homogenisieren.

Wer oder was ist Herr Sorge? Der HipHop-Kosmos reagierte irritiert als die ersten Gerüchte um ein neues Samy Deluxe Projekt aufkeimten. Der Hamburger HipHop-Urvater setzte konsequent neue Spuren, die aber allesamt im Nichts verliefen. Immerhin offenbarte sich nach ersten Interviews der Genpool des Projekts: Herr Sorge trägt ein abgeranztes, schäbiges Outfit und sieht die Welt mit anderen Augen: Als dunklen, kapitalistischen, korrupten, hoffnungslosen Moloch, den es radikal zu kritisieren gilt. Das Album „Verschwörungstheorien mit schönen Melodien“ setzte dem ganzen Wirrwarr die finale Krone auf: Die Scheibe präsentierte sich sowohl soundtechnisch, als auch thematisch absolut überfrachtet. Herr Sorge entrollte sich einen Dschungel von Effekten, Autotune, Beats und Sounds. Kurzum: Das Album war für jeden, der ein normales Pop-Hörerlebnis erwartete de facto nicht konsumierbar. Die Samy Deluxe Fans reagierte brüskiert, panisch, beleidigend. Ob das von Herr Sorge so geplant war, ist bis heute nicht geklärt.

Für das Live-Produkt hat sich Herr Sorge nun eine komplexe künstlerische Basis geschaffen: Im eingangs beschriebenen Kontrastfeld entwickelt sich live ein ganz ungewöhnlicher, experimenteller Sound, der aber im Gegensatz zum Album wirklich funktionieren will. Van de Toorn lässt es zwitschern, wummern und ziepen, während Herr Sorge (der ganz offensichtlich an seiner gesanglichen Präsenz gearbeitet hat) mit der ihm angeborenen Lockerheit und fast bluesartigen Coolness seine Strophen reproduziert. Der musikalische Kit ist aber Weber, der mit seinem schieren Talent, die anderen Bausteine zusammenflickt und noch Raum für jazzige Improvisation findet.

Natürlich wirft eine derart radikale Metamorphose der musikalischen Identität die Frage auf, ob es nicht vollkommen legitim ist, dass ein Künstler sich verschiedene Alter-Egos, Versionen und Rollen zulegt. Im Hiphop-Kontext funktionierte das nicht: Die Szene konnte Herr Sorge nicht von Samy Deluxe loslösen – das durchaus zahlreich erschienene Publikum in Konstanz schafft diesen Schritt und bietet dem Projekt damit einen kreativen Nährboden für die vollzogene Rekontextualisierung. Und „Dunkelkammermusik“, wie sich das Gesamtprojekt nennt, nutzen diesen Freiraum mit einer überschäumenden Lust am Grenzen aushebeln: Während eines Gedichts klettert Weber in seine Flügel und macht in den Innereien ganz neue Tonabnehmer aus. An einer anderen Stelle setzen die drei Protagonisten ihre Iphones als unberechenbares Instrument ein. Dann übersetzt Keller alte Samy Deluxe-Parts und Wortfetzen in eine jazzige Komposition. Und weil am Ende Herr Sorge noch Samy Deluxe´ legendären Hit „Weck mich auf“ „covert“, schließt sich dann doch noch der Kreis aus Jazz, HipHop, Elektro, Experiment, Politik, Theater und Wahnsinn zu einem runden, merkwürdigen Gesamtkonstrukt.

 

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Thees Uhlmann und Band – Kulturladen Konstanz

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Mutti, wir habens bis zum Bodensee geschafft!“ 

So wie Thees Uhlmann in den vollbesetzten Kulturladen stürmt, die Mundharmonika zwischen die Zähne geklemmt, ins Mikrofon knarzend und dann beinahe verbissen zu spielen beginnt, erfüllt das zunächst die Erwartungen all jener, die noch nie zuvor ein Konzert des ehemaligen Tomte-Sängers erlebt hatten. Die nämlich rechneten mit einer klassische Folkshow, einem sperrigen Singer-Songwriter-Konzert der alten Schule. Mit Mundharmonika, Gitarre und einer Band als dekorative Zugabe. Sie ahnen es: Es kam ganz anders.

thees uhlmann, konzert, live, bilder, kulturladen konstanz, album, casper, bericht, tomte, zum laichen und sterben ziehen die lachse den fluss hinauf, jay-z (4)Wer sich intensiv mit dem famosen Thees Uhlmann Solo-Debüt beschäftigt hat, dem drängte sich eine markante, fast gehetzte Spannung zwischen der niedersächsischen Heimat des Sängers und der weiten, urbanen Großstadtwelt auf. „Du kriegst die Leute aus dem Dorf, das Dorf nicht aus den Leuten/ Und ich weiß nicht wirklich, was soll es bedeuten.“ heißt es in „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“ und im Kontrast dazu nur einen Song später: „Ich hab das schönste der Welt gesehen: Paris im Herbst“. Natürlich wurde der Rock´N´Roll an einigen einschneidenden Momenten seines Lebenslaufs von innovativen Entdeckungen aus ebendiesem Niemandsland zwischen dörflicher Heimat und restlicher Welt geprägt – man denke alleine an die Geburtsstunde des Triphop und die fast mütterliche Rolle die das Städtchen Portishead dabei spielte. Thees Uhlmann versteht sich in diesem Kontext aber eher in der Tradition des amerikanischen Country und Folk und Künstlern wie Conor Oberst, der ständig die engmaschige Beziehung zu seiner Heimat Nebraska rekurriert. Stichwort: Heartland. Herzensangelegenheit Niedersachsen. Den Vorbildern folgend öffnete Uhlmann, der mit Tomte stets solide Indie-Platten entwarf, die im Speziellen auf den letzten Jahren der Bandgeschichte ein wenig die Überraschungsmomente vermissen ließen, den Blick für neue heimatliche Einflüsse und weitschweifige Horizonte. So ließ es der Maestro auf seiner Platte aus allen Rohren streichen, klimpern, blasen und auf die Pauke hauen und schaffte tatsächlich das Kunststück, dass die instrumentellen Momente stellenweise die markanten Texte in den Schatten stellten. Entsprechend gespannt ist der unerfahrene Uhlmann-Konzertgänger im Vorfeld der Show auf ebendiese Varianten. Doch nun zurück zum Anfang.

Denn die klassische Singer-Songwriter-Masche hält Thees gerade mal eine Songlänge aufrecht. Dann offenbart sich: Der Liveact „Thees Uhlmann und Band“ ist als waschechte Rockband zu verstehen. Und hier regiert einzig und allein handfester, schweißtreibender Rock´N´Roll: Sägende Gitarren, massive Bassanschläge und Highspeed-Schlagzeuggehämmer. Selbstredend lässt sich in dieser Konstellation kein fragiler Folk reproduzieren – und das ist in diesem Fall total egal.

thees uhlmann, konzert, live, bilder, kulturladen konstanz, album, casper, bericht, tomte, zum laichen und sterben ziehen die lachse den fluss hinauf, jay-z (2)Denn Thees Uhlmann hat mächtig Lust auf energetisches, ungezähmtes Konzert. Und in der vergilbten Lederjacke, mit den nach hinten geklatschten Haaren und auf großartig schummrig ausgeleuchteten Bühne, wirkt der Sänger beinahe so, als wäre er direkt aus der Zeitkapsel gestiegen. Nicht wie der junge Dylan, sondern wie der elektrifizierte Dylan, der gerade den Verstärker für sich entdeckt hat. Die angesprochenen Instrumental-Erlebnisse bleiben glücklicherweise nicht ganz auf der Strecke. Das liegt in erster Linie an der famosen Pianistin Julia Hügel, die, ganz Frau, immer wieder beinahe zärtlich zwischen die Testosteron geschwängerte Performance dazwischenfährt. Besonders den Hit „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ schiebt das Klavierthema konzentriert an, ehe die Komposition in einem wilden Gitarren-Orkan und Uhlmannschen Brüllen zerberstet. Überragendes Highlight das Konzert sind aber jene beiden Songs, die Thees zusammen mit dem Rap-Aufsteiger Casper eingespielt hat: Der eine, „Und Jay-Z singt uns ein Lied“, wird immer schneller und schneller und dreht sich um den Refrain, der zum mitgröhlen einlädt, der andere „XOXO“, schwingt sich aus dem nichts zu einer regelrechte Postrock-Wand mit HipHopanstrich auf, die einem im Publikum förmlich erdrückt. Paradox: HipHop gilt als die urbanste aller Jugendbewegungen – mit diesen zarten Brüchen spielt das Konzert immer wieder.

Die Phase zwischen den Songs gehört dann wieder voll und ganz der Heimat. Etwa wenn Thees über seine Jugend als Dorf-Heavy-Metaller referiert, von der Identitätssuche, die den Dorfschmerz übertünchen sollte. Oder wenn er von der Postkarte nach Hause erzählt: „Hallo Mutti, wir habens bis zum Bodensee geschafft.“ Und dann wird wieder gespielt, mit voller Inbrunst. Gegen den Dorfschmerz.

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