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Boy – Kulturladen Konstanz – 02. April 2012

Erstmal schwelgen: Boy klingen nach Sommer und nach Sommerregen wenn es dann doch zu heiß wird, nach Tagen, die eigentlich niemals enden sollten, nach durchzechten Nächten und der aufgehenden Sonne und nach Zeiten, an die man sich ewig zurückerinnert.

Zu Beginn des Konzerts gibt’s aber erst mal ordentlich auf die Glocken: Zwei Schlagzeuger schlägern mit voller Kraft auf mächtig Klangbauten, während am linken Bühnenrand eine Oldschool-Orgelburg den wacker auf sich klimpernden Keyboard-“boy“ (sorry!) beinahe komplett verschluckt. Ganz schön düster, denkt man sich da, als zwei Schatten aus der Bühne wachsen. Und plötzlich ist da so ein zärtliches Licht im Dunkel. Und es klingen die Melodien, die im vergangen Jahr so nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht haben…

Jeder Popjahrgang wird von Fachjournaille unweigerlich in Rollenbilder gequetscht, die einen umgehend an die Grundschulzeit erinnern: Da gibt es die strebsamen Aufsteiger, die hartnäckigen Oldies, die krampfhaft Experimentellen, die One-Hit-Wonders und die stylischen Kultfiguren. Doch in jedem Musikjahr schält sich im Laufe der Monate dann meist Akt besonders hervor: Der Klassenprimus, „Die Popsensation des Jahres!“. Und so waren es 2011 die eingangs erwähnten Damen, die unter dem Namen „Boy“ irgendwie urplötzlich allgegenwärtig waren und gleichermaßen zu Feuilleton- wie auch Fanlieblingen avancierten. Zurecht. Denn zu ausgereift und verspielt klang ihr Debüt „Mutual Friends“, als dass man es hätte überhören können, zu sympathisch präsentierten Valeska und Sonja in der Folge ihren Folk-Pop, als dass man sie hätte übersehen können. Es entstand ein Erfolgstsunami, die auch nach Konstanz schwappte. Das Boy-Konzert im Kulturladen war in Rekordzeit ausverkauft.

Kurzer Einwurf der besorgten Elternpartei deutscher Hausfrauen (BEPdH):

Zum Beweis, welchen angsteinflössenden Einfluß Bands wie „Boy“ auf die heutige Jugend haben.

Mein Tagesablauf (*):

6:458:15 Aufstehen-Boy hören

8:1512:00 Schule

12:0013:00 Boy hören

13:0016:45 Schule

16:45 17:00 nach Hause fahren- Boy hören

17:0018:30 Songs von Boy spielen *essen*

19:0019:30 Videos von Boy anschauen

19:3021:30 Songs von Boy lernen

22:306:45 Von Boy träumen!

(*) Zitat: Guitarsurfgirl1, Youtube Kommentar unter dem Musikvideo zu „Waitress“, insgesamt geliked von 157 Personen. (Stand: 03.04.2012)

 

Und so drängt sich das Publikum bereits vor Konzertbeginn in allen Ecken, stellt sich auf Bierkisten oder blinzelt zwischen zwei Boxen hindurch, um irgendwie einen Blick auf die Bühne erhaschen zu können. Selten hat man derartig viele junge Frauen auf so wenigen Quadratmetern zusammengequetscht gesehen.

Die federleichten Kompositionen des zum Sextett erweiterten Duos kommen live ein wenig verbissener daher. Das liegt zu einem am mächtigen orchestralen Unterbau, zum anderen an Bühnenaufbau-Atmosphere: Zunächst zergeht die Band in dunklen Schatten, dann ist die komplette Bühne in blutrot getaucht, ehe nackte Glühbirnen den Kulturladen im Stile von Horrorfilmen auslodern.

  

Im weiteren Verlauf gewinnt das Konzert mehr und mehr an Dynamik, der Funke springt endgültig über. Auch den lautstarken Dialog mit einigen angetrunkenen Hipsters meistern die beiden Ladys mehr als charmant. Ganz alleine, also eigentlich zu zweit wissen Boy dann irgendwie noch besser zu gefallen und müssen sich in dieser Form und mit Hits der Marke „Waitress“ und „Seven Little Numbers“ vor keiner Folkband der Welt verstecken (um das Ganze mal im Fussballerjargon aufzuzeigen). Tatsächlich müssten Boy, falls Folk in den nächsten Wochen olympisch wird, wohl definitiv im Sommer für Deutschland gen London ziehen.

Und dann am Ende, nachdem „Boy“ ihre Vorzeigeballade „Skin“ in einem akustischen Überzug inklusive Melodika-Solo in den Kula hauchen, erstrahlt nicht nur die Kulturladen-Bühne in flackernden Glühbirnenlicht. Nein, alles ist erleuchtet. Und als Zuhörer tritt man mit wohlig erwärmten Herzen den Heimweg an.

Weitere erstklassige (und garantiert professionellere Bilder) könnt ihr euch hier: http://bjoernjansen.com/blog/2012/04/03/boy-live-im-kula-konstanz-2012/ anschauen!

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