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Cosmo Jarvis – Kulturladen Konstanz – 05.02.2013

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Als seine Bandkollegen die Bühne entern, sitzt Cosmo Jarvis noch am Bühnenrand und schafft sich an den abstehenden Saiten seiner Mandoline ab. Das ist typisch. Mit seinem kurzgeschorenen Schädel und dem kantigen Habitus sieht der Singer-Songwriter ziemlich genau so aus, wie man sich einen südenglischen Malocher vorstellt. Doch wer Cosmo Jarvis unterschätzt macht einen gewichtigen Fehler: Bereits die ersten Minuten Konzert offenbaren seine ungeheure Bandbreite: Cosmo intoniert mit „Love This“ und „She Doesn´t Mind“ sein wohl eingängigsten Songs. Ersterer beginnt mit einem entspannten Ska-Beat-Gerüst und treibenden, fröhlichen Gesangszeilen, aus dem sich dann mehr und mehr ein herrlicher Popsong schält, der in einem, von Streicheranspielungen unterstrichenen Ohrwurm-Refrain ausufert. „You Don´t Know How Much I Love This.“ Eindeutige Aussage, klares Signal: Leidenschaft ist das Stichwort! Zweiterer entspinnt sich im Reggae-Gewand, dazu versucht Cosmo in einer sensationellen lyrischen Argumentation seinen Songeltern die neue Herzensdame schmackhaft zu machen. Zwischendurch wird (im Songkonzept) geschrien, gejohlt, gejammt und als verdutzter Hörer hat man kurz das Gefühl einem ganzen Albummedley beizuwohnen. Fantastisch!

Cosmo Jarvis, Live, Konstanz, Kulturladen, Live, Bilder, Videos (2)_2189x2918Will man einem Unwissenden in wenigen Worten die Musik Cosmo Jarvis erklären, kommt man automatisch ins Stottern: „Ja, der macht so Singer-Songwriter-Zeugs, aber irgendwie mit Reggae und so bisschen Punk. Und eigentlich auch HipHop. Aber seine die bekanntesten Songs sind klassische Popnummern.“ Cosmo Jarvis ist wirklich ein Phänomen. Ein Tausendsassa, ein Schnell-, Quer- und Vordenker, der irgendwie alles ein bisschen und alles gleichzeitig machen möchte. Mit gerade mal 23 Lenzen hat der Sohn einer armenisch-amerikanischen Mutter und eines englischen Vaters nicht nur einen Kinofilm mit sich selbst in der Hauptrolle abgedreht, sondern vor allem und in Eigenregie drei geradezu überquellende Alben aufgenommen. Dabei ging Cosmo Jarvis mit den Stilarten und Einflüssen des britischen Popgewürzregals ungefähr so feinfühlig um, wie ein englischer Eintopf-Koch: Ein bisschen Clash, Monks und Beatles, dazu Oasis, The Streets und HipHop- und Elektrozeugs. Das Bemerkenswerte dabei: Der exotische Stilmix ist zwar ein bisschen anstrengend, aber homogen und die Platten funktionieren als „Melting-Pot“ und idealer Soundtrack zum multikulturellen Londoner Großstadtgewusel. Dabei wurde Cosmo Jarvis 1989 in New Jersey geboren, ehe sein Eltern in den Süden Englands zogen, nach Devon – ins Dorf, ins Nichts. Die Isolation der Dorfgemeinschaft spornte Cosmo nach eigener Aussage nachhaltig an und bereits von klein auf sagte er sich immer wieder: „Ich werde nicht hier sterben.“ Während sich seine Mitschüler auf der Sportschule in erster Linie für Rugby interessieren, stürzt sich Cosmo wie ein Vielfraß auf Musik und Film und inhaliert ohne Filter Jahrzehnte britischer Popgeschichte. Heute sehen selbst Legenden wie Brian Eno in Herrn Jarvis „…eine neue Art von Künstler.“

 

Live tritt die Abwechslung allerdings ein wenig zurück: Vielleicht liegt es an der Besetzung, den Skillz der Band, vielleicht an der Tatsache, dass eine strukturierte Konzeption für Band wie Rezipienten ein geradliniges, unterhaltsames Musikerlebnis ermöglicht. In jedem Fall dominiert ein tanzbarer Bass und smoothes Bluesgeschrammel, dass immer wieder mit Punkelementen gebrochen wird. Dabei scheppert das Konzert zwar durchgehend kurzweilig, erinnert aber in manchen Momenten ein wenig zu sehr an die kanadischen gute Laune Rocker von Danko Jones. Cosmos Stimme indes ist ein Faszinosum: Der Brite ist keinesfalls ein feinfühliger, technisch sauberer Vokalist. Sein Organ ist ein grobes Reibeisen, ein leidenschaftlicher Dampfhammer, der ausbricht, losschreit, ausschreitet, weghämmert. Nur mit aller Kraft gelingt es Cosmo sie zu bändigen und ins passende Gewand zu rücken – das erzeugt wunderbare Spannung, die auf Konzertlänge von kurzen Kontrastpunkten gelöst wird. Eben dann wenn Cosmo zur Mandoline greift und wunderbare Folkmomente aufruft und fast wie ein Moritatsänger seine Geschichten erzählt.

Und am Ende überlagern sich eben doch die Assoziationen: Da ist die Funktion als spielerischer Chronist des britischen Popgeschichte (in Fragmenten und Momenten), da ist der postmoderne Ansatz (Zitat reiht sich an Zitat), da ist die Dopplung in Filmer und Musiker (die selbstproduzierten Videos seien jedem wärmstens empfohlen), da ist die, dem HipHop und Punk entliehene Arbeitsweise (Einstecken und loslegen!) und da ist die Großstadtatmosphäre trotz Kleinstadtbackground. So bleibt schlussendlich eines festzuhalten: Die (Ver)mischung machts im Cosmo Jarvis Kosmos – und zwar zu einer abgefahrenen Blüte der britischen Musikwelt. 

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