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The Brew/ Popa Chubby – Honberg-Sommer – Tuttlingen

The Brew:

Als der Vollblutmusiker Tim Smith zusammen mit seinem Sohn Kurtis und dessen Kumpel Jason Barwick jammte, hätte er sich wohl kaum gedacht, dass sich dieses Trio circa zehn Jahre später den Ruf als eine aufregendsten frischen Bluesrockbands des Planeten erspielen sollte. Zack – genau das ist aus der Patchworkband geworden. Tim, der Bandvater, greift in die Basssaiten und untermauert das Gesamtgebilde mit dunklem Bass, dazu drescht sein Sohn Tim erbarmungslos auf die übergroße Schlagzeugburg. Das Herz der Band ist aber das Gitarrenspiel des Frontmanns, der in der vergangenen Jahren mehr und mehr die Gesangspart übernommen hat. Jason Barwick, dem der Lockenschopf tief ins Gesicht hängt, springt wie ein Derwisch am linken Bühnenrand und setzt dann seine Gitarrenakzente punktgenau ins offene Puzzle seiner Mitmusiker. Dieses Zusammenspiel, dieses aufeinander reagieren und abreagieren ist heute eine echte Rarität, junge Bluesrockbands der Marke The Brew sind eine Seltenheit.

 

Popa Chubby:

Popa Chubby entert mit einem Tribut an den vielleicht größten Gitarristen der Rockgeschichte die Bühne: „Hey Joe“, ganz im Geiste von Jimmi Hendrix. Mr. Chubby grölt regelrecht ins Mikrofon, stellt sich dann in die Bühnenmitte und fällt gleich zu Beginn über seine Gitarre her, dass es eine wahre Freude ist: Das Solo geht seine eigenen Wege, sägt und jault und kreischt und wispert, ehe es der Ausnahmegitarrist einfängt, beruhigt und in ruhigere Sphären zurückführt. Dazu rotzt und schwitzt und leidet menschliche Bluesrock-Bowlingkugel. Was für ein Beginn! Popa Chubby ist ohne Frage eine imposante Figur: Der 1960 unter dem bürgerlichen Namen Theodore Joseph Horowitz geborene Bluesmusiker ist ein Koloss von Mann, trägt am Honberg nur eine dünne Lederweste und ist über und über mit Tattoos bedeckt. Dazu greift er derartig inbrünstig in die Saiten, dass seine Finger bluten und seine Gitarre zerfleddert – seinem Publikum geht es indes nicht anders. Der Funke, die Elektrizität springt über und dehnt sich mit zunehmender Konzertdauer zu einem gehörigen Spannungsteppich aus. Popa Chubby, der einst als sechsjähriger Stöpsel von seinem Vater zum Chuck Berry-Konzert geschleppt wurde und sich Hals über Kopf in den Rock´N´Roll verliebte. Eine Liebe die bis heute glüht, aber auch schon so manche Beziehungskrise zu bewältigen hatte. In den 1980er Jahren erspielte sich Popa Chubby seinen Lebensunterhalt in der New Yorker U-Bahn. Dort, im Schmutz, im Dunkeln lehrte er sich selber Kniffe, Tricks und fand seinen eigenen Stil, den er später in verschiedenen Blueskneipen zur Schau trug. Hier wurde Popa Chubby entdeckt und reist seither um die Welt und verkündet seine hippieske Botschaft: „Ich glaube Musik ist die ursprünglichste Sprache. Eine Sprache die wir alle verstehen. Musik ist Liebe. Wir alle glauben an die Liebe.“ Das Konzert setzt ganz bewusste Akzente, mal spielt Popa Chubby ruhig vor sich hin (das Hallelujah-Cover hätte aber wirklich nicht sein müssen) und genießt den Moment der Ruhe, der Andächtigkeit. Dann dreht er wieder am Rad durch, brüllt seinen Emotionen ins Publikum und wird eins mit den Saiten. Intensiver geht es kaum!


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