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„Nipple Jesus“ – Theater Konstanz

 Nipple Jesus, Theater Konstanz, Nick Horby, Spiegelhalle (2)

„Sie erwarten von mir, dass ich Ihnen sage, dass ich Ihnen definiere: Was ist Kunst? Wenn ich es wüsste, würde ich es für mich behalten.“ (Pablo Picasso)

Nipple Jesus, Theater Konstanz, Nick Horby, Spiegelhalle (1)

Dave ist Nachtwächter, tätowiert, mit Backenbart, grobschlächtig, einer, der beim Rauswurf auch mal härter zulangt, als es unbedingt nötig wäre. Doch Dave ist eigentlich ein gutmütiger Typ, mit Frau und Kindern und Zukunftsängsten und allem was dazu gehört. Und als er eines abends während seiner Schicht beinahe abgestochen wird, reicht er seine Kündigung ein. Und da steht er jetzt, adrett gekleidet, die Schuhe wippend, nervös auf die Uhr blickend, sich räuspernd. Und der Blick geht in Richtung Publikum, die Lippen bewegen sich, dann zurück in die Ursprungspose. Doch irgendwann hat sich zuviel Gedankenmatsch aufgestaut und es bricht aus Dave heraus: 

Es ist Daves dritter Arbeitstag in der Galerie. Als Aufpasser. Als Museumswächter. Während seine Kollegen klassische Portraits oder moderne, aber harmlose Kunstgegenstände bewachen, wurde Dave als Bodyguard für ein außergewöhnliches Bild ausgewählt: Nipple Jesus – ein Jesusportrait bestehend aus unzähligen, aus Pornoheften ausgeschnittenen Brustwarzen.

 „Kann etwas schön sein, das aus Porno gemacht wurde?“ (Dave)

Nipple Jesus, Theater Konstanz, Nick Horby, Spiegelhalle (3)Das ist die Grundkonstellation der Kurzgeschichte „Nipple Jesus“ des Bestsellerautors Nick Hornby, der seine, zu leicht cholerischen Anfällen neigende Hauptfigur, in der Folge den gesamten Kunstbetrieb durchdenken lässt. Der fantastische Clou dabei: Dave ist kein Intellektueller, kein Hipster, kein Idealist – Dave ist Dave, ungebildet, wütend. Und Dave macht sich nicht aus Kunst, sie ist ihm scheißegal. Was also passiert, wenn ein solcher Typ plötzlich ein Strudel von Kunst- und Theologiediskussionen gerät. Wenn ein solcher Typ zum Zeuge, zum Chronist und Philosophen wird.

 „Nipple Jesus“ springt Dave regelrecht ins Gesicht, er packt ihn an der Elvismähne und lässt ihn nicht mehr los. Er wird sein Bild. Und dabei tun sich plötzlich Fragen auf: Was sehen wir? Was ist Kunst? Welche Rolle spielt Provokation? Muss Kunst provozieren? Wie wird etwas Kunst? Wie wird etwas wichtig? Was ist wichtig? Wo finden wir Jesus? Kann etwas schönes aus Porno entstehen? Hornbys Text ist eigentlich einfach, eine Reflexion in Alltagssprache (das Original quillt von ‚Fucks‘ nur so über), eine Fülle von Anekdoten – und doch ist da mehr, eine zweite Schicht, die nicht aufgesetzt ist, die funktioniert. Und die den Leser, bzw. Zuschauer automatisch zum reflektieren zwingt. Die dem Kunstbetrieb einen gesprungenen, kleinbürgerlichen Spiegel vorhält und dabei nichts und niemanden lächerlich macht, aber Lücken im System nachhaltig aufzeigt. Das macht „Nipple Jesus“ so fantastisch.

„Kunst ist das was übrig bleibt, nachdem alles an ihr bis ins letzte analysiert worden ist.“ (Martin Kessel)

Nipple Jesus, Theater Konstanz, Nick Horby, Spiegelhalle

Unter der Leitung von Regisseur Wolfgang Hagemann, der erstmals am See inszenierte, bringt das Theater Konstanz „Nipple Jesus“ auf die Bühne. Raphael Fülop mimt dabei den Dave und stemmt dabei die Mammutleistung, ein gesamtes Stück alleine zu agieren, einsam auf der Bühne zu stehen. Eine solch reduzierte Konstellation (inklusive Prosatext) könnte schnell zur erweiterten Lesung, zur Stand-Up-Comedy verkommen – tut sie aber nicht: „Nipple Jesus“ wird Theater, ist Theater. Und Text. Zum Greifen. Vor allem weil Fülop einen Dave entwirft, der nicht nur so aussieht, wie sich der Leser ihn vorstellt, sondern der genau so redet. Der über stumpfe Witze lacht und sich verhaspelt und dann plötzlich ohne Grund los schreit. Und der trotz der beinharten Schale, einen weichen, reflektierten Kern offenbart.

Gespielt wird im Foyer der Spiegelhalle, in kleinem Raum. Die Bühne ist reduziert, da ist ein Stuhl und ein Kader, in dem sich auf Video eine Zwiebel entschält. Daneben baut sich Dave auf und marschiert in der Folge, angetrieben von den eigenen Gedanken über jeden Quadratzentimeter der Bühne und dabei gelingt es Hornby, respektive Hagemann, respektive Fülop zunächst die unterhaltsamen Anekdoten lebhaft und witzig aufzuarbeiten und dann auch die ständig verzweigteren Problemkonstellation mit Dave durchzudeklinieren. Das macht unglaublichen Spaß und die 70 Minuten „Nipple Jesus“ gehen runter wie Öl. Das ist Satire, ‚Kunstgeschwafel‘ wie es sein sollte!

Video? Klick!: http://www.theaterkonstanz.de/tkn/index.html?lang=de&multimedia=NHzLpZeg7t,lnJ6IzdeIp96km56VlmtwlphOqdayXbGH7Iuq2Z6epJCIeIFohr2lla2M04au3aWXpI2Yl6OOpuc-.flv

Das Theater Konstanz spielt „Nipple Jesus“ am 14.03., am 18.04. und am 23.04. – Schaut euch das an!  Karten gibt unter 07531/ 900 150 oder per Mail: theaterkasse@stadt.konstanz.de

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Jeremias Heppeler, Kunst, Schweine im Paradies, Perlen for die Säue

Perlen For Die Säue.

Schweine im Paradies.

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Die Erde ist gewaltig schön, sicher aber ist sie nicht!

2012 portraitiert der Soundkünstler und Blogger (Zweiviereins) „Das Gegenteil“ den Bildhauer und Künstler Hans-Jürgen Kossack. Soviele Risse in soviel Asphalt – da wird der Betreiber des vorliegenden Blogs selbstredend hellhörig. Entsprechend ist der nachfolgende Blog-Eintrag also ein Experiment: ein Bastard aus Kunst, Musik und Literatur. Idealerweise schmeißt ihr die nachfolgende Sounddatei an, verfolgt die fiktive Lebensgeschichte des Künstlers und vergesst dabei nicht einen intensiven Blick auf die Kunstwerke.


mitte der 1980er jahre entschied sich Hans-Jürgen Kossack für das nachtleben. er woll­te un­ter den tag. so schloss er sich der höhlenforschergruppe an, welche die damals größte be­kannte höhle der schwäbischen alb erforschte, die wulfbachhöle in mühlheim an der do­nau.

wer sich da hineinwagt, muss auf die höchsten schwierigkeiten vorbereitet sein, die eine höh­lenfahrt ober- und unterhalb des wasserspiegels möglich macht. immer wieder ent­fernte Kos­sack sich von der gruppe. während die anderen forscher eher den sportlichen erfolg vor au­gen hatten, begab sich er in kleine seitengänge und räume, die man nicht stolz „dome“ tau­fen konnte, die man eher als „stuben“ oder „kojen“ übersah. ihm war es um die hinterlassen­schaften zu tun, die sich in den ritzen angesammelt hatten; er nahm witterung auf wie ein eiszeitlicher spurenleser. zu­nächst nur schwemmgut und bodensatz. nachdem die wulfbachhöhle sich kossacks streben klar gemacht hatte, öffnete sie ihm zonen, die vorher nicht dagewesen zu sein schienen und nun jedoch unglaubliche inhal­te freigaben.

darunter das skelett eines höhlenforschers oder verirrten, vielleicht auch einfach irren, aus dem 18ten jahrhundert. ein aufgegebenes lager keltischer gerber. fischbüchsen aus den 50er jah­ren. vier tier­friedhöfe, unmengen knochen und versteinerte häute mehrerer spezien, an deren be­stimmung sich kryptozoologen bis in unsere tage abarbeiten. tauchergerätschaf­ten aus den frühen 19ten jahrhun­dert. das gesicht eines mordopfers, eines schwedischen soldaten, in zweiter lage, der kurz meinte, dem massaker vom 21. februar 1633 entspringen zu können. sieben kinderskelette, genauer drei unterleiber und vier rümpfe. neuen jakobsmus­cheln. frühneuzeitliches sexspielzeug. an den wänden eines fast quadratischen felssturzes reste von tapeten und fresken. den noch immer wedelnden schwanz eines sprechenden hundes. zwei sensen, die ihm heute wichtig sind und die nur seelenverwandte zu sehen bekommen.

Hans-Jürgen Kossack begann, abklatsche von den fundstücken zu machen.

 

was das vorgehen Hans-Jürgen Kossacks beim abklatschen angeht: er ließ tücher we­ben – in der letzten handweberrei auf der Schwäbischen Alb auf einem weiler zwischen lo­chem und altin­gen. dem gewebe byzantinischen heiltücher nachempfunden, waren sie einer­seits hauch­dünn und dennoch saugfähiger als jedes papier. mühevoll schleppte er sie in die höhle. unter den widrigsten bedingungen entstanden durch zuhilfenahme von naturfarben nie gesehene kontaktabzüge. stück für stück brachte er die abklatsche aus der ewigen dun­kelheit nach oben, wo tageslichtstrahlen erstmals an ihnen züngelten. aus dem vollgesogenen verbandsmaterial, das sichtbares und unsichtbares in sich trug, erschuf Hans-Jüren Kossack skulpturen und reliefe, punktgenaue über­tragungen, transformatio­nen und serielle vervielfältigungen – mit seiner metho­de könnte er aus dem tu­riner grabtuch oder aus dem volto santo von manoppello einen golem er­wecken. dazu aber später.

Hans-Jürgen Kossack stand in diesen jahren in verbindung mit einer reihe von kriegsarbeit­ern, selbstfriseuren, alltagsauguren, soundschlägern, getränkemixern, texttraceuren, skulptur­schneidern, elektrowerkern, farbtechnikern und urbanen höhlenmenschen, die eine neue fin de sie­cle-haltung lebten, zugspitzt, denn es ging ja um das ende eines jahrtausends. aus allem gebroche­nen, angeschlagenen, verfallenden, unsicheren, unruhigen, unzufriedenen, unüberlebbaren, aus al­lem un-u­nen entsafteten sie ihre ideale.

also amalgamieren wir selbst die schnipsel aus den laboren der hamburger schule und der berliner krankheit und angrenzender kampfzo­nen.

wir skandieren beim zitieren, um die würde dieser gebilde aus sound zu wahren:

krieg unter autos – es wird hell – draußen ist feindlich

im zweifel für den zweifel – das zaudern und den zorn

für immer krank, das möcht ich sein

gibt es ein verlangen? freiheit ohne sicherheit

UN! VOLL! STÄN! DIG! KEIT!

 

seine aus abklatschen geschaffene skulpturen und reliefe empfand Hans-Jürgen Kossack nicht eigentlich als von ihm geschaf­fen. eher wie ein acheiropoíeton in der antike, in den worten ciceros non humana manu factum, nicht von men­schen hand geschaffen – von wem denn dann? von gott? egal, es ging darum, rui­nen von ausge­leierten zeichen ihres restsinnes zu entleeren, alte erkaltete tuchfühlungen aufzuschlagen, alles freizulassen, wie einen golem (jetzt erinnern wir uns) ohne be­fehl grad mal so losmarschieren zu lassen, neue verflech­tungen nach eige­nen regeln eingehen lassen, mal sehen, wo er sich verhängt, nur um sofort wieder dazwischen zufahren, Walter Benjamin auf je­der zunge …

Der destruktive Charakter kennt nur eine Parole: Platz schaffen; nur eine Tätig­keit: räumen.

Der destruktive Charakter ist jung und heiter.

alles vertsunamisie­ren im lärmschritt hochglühen aber erst herzblut verflüssigende substanzen einnehmen sich selbst verheizend aber ganz weg zu ende und immer wie­der kunstwer­ke die keine mehr sind gefälligst weil nur noch pfludderhüllen darum alles re um über formulieren formen und wie sperrgut morgens nach unendli­chen nächten in unterirdischen hochöfen quer in die gegend stellen und „ra­wums“ in die wände gemeißelt dann bedeutungslose unordnung verbreiten einmal noch kurz bevor alles den bach run­ter geht soviel „zur lage der detonation“

die letzten jahrzehnte vor dem jahrtausendwechsel, hauptsächlich das vorletzte, hatten inner­halb der beschriebenen kulturellen rissregionen die aufgabe, nicht überlebt zu werden. wer als wie auch gezeichneter lebend daraus hervorgegangen war, blieb für die nächsten 1, 2 jahre pa­ralysiert, aus überraschung genau darüber.

Hans-Jürgen Kossack kam in hamburg zu sich. hier traf er auf den flämischen zeichner, militanten reisenden, absturzschriftsteller und leidenschaftlichen seemann jan ueli buch. schnell be­merkten sie, dass sie soundverwandt waren. jan ueli buchs mutter stammte aus schaffhau­sen, und so verbogen sie ihre zungen genüsslich im bewegungsrepertoire süddeutscher idio­me. ihrem um­feld konnte das nicht anders denn als eine art rotwelsch erscheinen, eine tatsa­che, die ihnen sehr zu pass kam, da sie sich ständig über irgendwie geheime dinge aus­tauschten.

viel ist nicht bekannt über die kurze intensive begegnung. was wir wissen können: als jan ueli buch ein halbes jahr nach dem ersten zusammentreffen mit hans-jürgen kossack als 82-jähri­ger und schwer lungenkrebskrank auf seinem hausboot starb, hinterließ er seinem jun­gen künstler­freund tagebücher, taschentücher und seine tätowierungen. kurz darauf stach hans-jürgen kossack in see.

er sprach nie über diese seefahrt. sicher ist nur, dass sie viereinhalb jahre dauerte, über die nördliche halbkugel führte und dies auf ei­ner art forschungsschoner names „edmund hal­ley“. der name des kometenvorhersagers gibt denn auch den hinweis auf das ziel der reise. Halley hatte 1691 auf wissenschaftlicher grundlage eine theorie vorgeschlagen, nach der die erde hohl und an den polen offen sei. die theorie gilt im bes­ten fall als veraltet. unseriös, im bildungssegment der frau, für realisten einfach durchgeknallt.

bleibt also anzunehmen, reich durch indizien gestützt, dass unser künstler zu einer Fremden Kultur im bauch des planeten, die – so wird gemunkelt – we­sentlich äl­ter ist als die erdkrustenzivilisaionen – vorgedrungen ist, um dort als ethno-artist weitere abklat­sche in großer zahl zu nehmen.

diese abklatsche speisen noch heute die kunst Hans-Jürgen Kossacks. alle heute ausge­stellten reliefe geben zeugnis davon und führen die wulfbachhöhlenphase in eine neue dimension. der eigentliche anknüpfungspunkt aber an frühere techniken und programme buchstabiert sich so: ereignis.

kossacks nachhohlweltliche kunstwerke hatten begonnen, bei den betrachtern und in derem umfeld, neutral formuliert, ereignisse zu auszulösen. manche objekte verströmten vorher nie gero­chene ge­rüche – bezaubernde und entzaubernde. andere lösten das unerklärliche schlagverl­ieben aus. wie oft dies passierte, wissen wir nicht. drei ehen aber sollen auf das konto von relief nummer vier gehen. auch wurden leute beiderlei geschlechts, nachdem sie zufällig im radius eine kunst­werks auf­einander getroffen waren und ungeachtet ihrer mitgebrachten geschichte, dabei beobacht­et, wie sie in den unappetitlichsten nasszellen verschwanden, um, wie man sagt, „es zu tun“.

die grabtücher beschränken sich auf übernatürliche heilungen, die wundermonster, die uns hier heute umringen, wollen nichts, tun es aber. wir gehören längst ihnen. .

Die ungekürzte Version des Textes gibts hier:

das_gegenteil

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