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Olli Schulz – Kulturladen Konstanz – 20.12.2012.

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Wenn ein Künstler seine Show mit den Worten „Ich habe heute keine Band dabei – dafür eine Powerpoint-Präsentation.“ beginnt, weißt du Zuschauer, dass du dich auf einen Konzertabend der etwas anderen Sorte einstellen muss. Wenn die Powerpoint-Präsentation dann zu 99 % aus vollkommen abstrusen Tierbildern besteht, sollte dir klar werden auf was du dich eingelassen hast: Olli Schulz!

IMG_2936Es ist eine bizarre Szenerie: Berlinale, roter Teppich. Unter dem Motto „Das Leben ist eine Illusion, hervorgerufen durch Alkoholmangel“ versucht sich Charles Schulzkowski, angetrunkener Mittvierziger mit Hornbrille und geschmacklosen 70er-Jahre Mantel, als etwas anderer Society-Reporter und lädt die aufmarschierenden Medienvertreter nacheinander zu einem Drink mit sich ein. Deren brüskierte Reaktionen entlarven in der Folge den Filmkosmos als aalglatte Society-Welt – selbst ein Komiker wie Bully Herbig hat für Schulzkowski nur ein müdes, überarrogantes Lächeln und ein genervtes „So hab ich auch angefangen.“ übrig. Die Videosequenz aus der Fernsehsendung „Neo Paradise“ ist heute Kult – und Olli Schulz, der als Musiker seit zehn Jahren die weltbedeutenden Brettern deutscher Bühnen bespielte gilt heute als Unterhaltungsschnellfeuergewehr von Weltformat. (Hier (KLICK!) findet ihr mein komplettes Olli Schulz Portrait)

Olli ist der König der Anekdoten, er liebt das Erzählen (und zwar ein so-nach-fünf-Bier-erzählen, das erfindet, auslässt, hinzudichtet und neue Schwerpunkte findet) und so funktioniert die Show im KULA als Mischung aus Singer/Songwriter- und Stand-Up Comedy-Show Das Konzert ist seit Wochen ausverkauft und bestuhlt, weil Olli sich ob der „ausdruckstanzenden Hippies“ in den ersten Reihen mehrfach zu Tode fremdschämte. Das Programm ist also denkbar einfach: Zurücklehnen, Drink genießen, Olli Schulz lauschen. Eine Referenz die sich dabei aufdrängt ist Helge Schneider – zwar geht Olli dessen totale Skurrilität und vollendeter musikalischer Feingeist ab und doch besticht der Musiker durch eine ähnliche Portion Improvisation, Humor und Abgedrehtheit.

IMG_2933Entsprechend gestalten sich die Höhepunkte des schlussendlich fast zweieinhalbstündigen Konzertes: Der Song „Spielerfrau“ vom aktuellen Album „SOS – Save Olli Schulz“ zergeht zunächst in einer minutenlangen, textlichen Improvisation, die den Lebensweg einer Spielerfrau von der Liaison mit Lothar Matthäus bis zum Techtelmechtel mit Uli Hoeneß nachzeichnet und mündet dann in einer spontanen Dieter-Bohlen-Komposition: „Boogie, Boogie, I wanna dance tonight“. Ein älteres Schulz-Lied, das laut Olli als Inspiration für so ziemlich jeden deutschsprachigen Hit der vergangene Dekade diente, reiht unzählige Songfetzen deutscher Popmusik aneinander. Von Silbermond, über Rammstein bis hin zu Herbert Grönemeyer ist alles dabei.

Richtig sprachlos macht Olli sein Publikum dann aber kurz vor der ersten Zugabe, als der Songwriter zu einer zehn minütigen „Hassattacke“ ansetzt, in der er sich zunächst über Youtube-Kommentar-Rebellen auslässt („Wie dumm kann man sein? Wieeeeeeee dummm?“, dann das dämmliche Bühnenverhalten zahlreicher Musiker (der Toten Hosen) in Form von Mitklatschorgien und ausgelatschten Sprüchen („Seid ihr gut drauf?“) auf die Schippe nimmt, ehe auch abgedreht Künstlertypen, Hipster und Radiohead („Oh, wir schweben in einer Blase der Kreativität) ihr Fett wegbekommen. Ollis abschließender Kommentar in Liedform: „Halt die Fresse, krieg en Kind“. Das wirkt keinesfalls aufgesetzt oder gar arrogant, viel eher zeichnet sich Olli Schulz als feinfühliger Beobachter des Kleinstlebens aus, der die Welt eben manchmal mit feinfühliger Ironie und dann mit Hau-drauf-Mentalität aushebelt. Aber: Olli bleibt Olli, authentisch, ehrlich, publikumsnah. Die Singles im Publikum werden kurzerhand verkuppelt – darüber hinaus erkundigt sich Olli nach den Eigenheiten seiner Gastgeberstadt: „Wie sprecht ihr das aus? Konschdanschz – so als hätte man was im Mund?“ Am Ende gibt’s dann passend zum aufgeladenen Datum ein wenig Weltuntergangsatmosphäre „Die Welt hat Geburtstag, komm wir zünden sie an.“ Eine runde Sache, das Konzert. Ein Teufelskerl, der Olli Schulz.

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