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Cro – Stadthalle Singen – 28.10.2012

(Der folgende Artikel ist absichtlich mit Comic Sans verfasst – das sieht zwar scheiße aus, aber passt denk ich ziemlich gut zum Topic)

Die Wände der Singener Stadthalle sind mit einigen freundlichen Hinweisen zugeklastert: „Bitte schützen sie ihr Gehör durch entsprechende Schutzmaßnahmen“. Als erfahrener Konzertveteran ohne Beschwerden sieht man über derlei Warnungen für Weicheier meist schmunzelnd hinweg – was sich beim Cro-Konzert in Singen wenig später als bitterlicher Fehler herausstellt: Denn als der Rapper mit der Pandamaske die Bühne betritt, prescht das euphorische Gekreische im Publikum in Dezibelregionen vor, von denen selbst Metallica nur träumen kann.

Das Phänomen Cro durchkämmte die Musikszene Deutschlands in diesem Sommer wie ein Mähdrescher: Zunächst war da der unfassbare Hype um den Superhit „Easy“des Stuttgarter Rapper, dann bezeichnete Jan Delay den Pandamann als Zukunft des deutschen HipHop, ehe alle Dämme brachen: Titelbilder, Titelstorys, aufgewärmte Mixtapes, Platz 1, „Wetten dass“, Facebook- und Youtubeweltrekorde. Die Figur Cro entwickelte auch angesichts der bewussten Anonymität des Künstlers eine selten gesehene Eigendynamik und Faszination. Das Absurde dabei: Zwar tauchte Cro in der Folge auf den unterschiedlichsten Festivals auf prominenten Positionen auf – seine Musik schien im Diskurs des Hypes aber mehr und mehr eine Nebenrolle zu spielen. Aus diesem Grund schwenkte die Stimmung in der Szene bald um: Zahlreiche Kritiker bemängelten die fehlende Substanz und Produktivität des allgegenwärtigen Rappers, der ja immerhin die Zukunft des Genres auf seinen schmalen Schultern tragen soll. Eine objektive Bewertung des ganzen Phänomens war angesichts der Hypeslawine und den anhaltenden Diskussionen nicht mehr möglich – Seine Fans lieben ihn, die Hater hassen ihn. Alternativen sind ausgeschlossen.

Als Cro dann selbst die Bühne entert erfolgt nach der eingangs beschriebenen Euphorie-Explosion zunächst eine halbe Stunde kurzweiliger Blockbuster-Pop-Unterhaltung: Schon der Bühnenaufbau ist sehenswert. Im XXL-Format blinken ein „C“, ein „R“ und „O“, dazwischen indes leuchten auf quadratischen Bildschirmen immer wieder Textfetzen auf. Cro, gewohnt hackenbreit gekifft reizt ein paar Witzchen und in der ersten Reihe kotzt ein Groupie in den Bühnengraben. Mehrere Mütter tanzen in den hinteren Reihen sowas von oberpervers, dass sie wohl selbst ein Sean-Paul-Video-Regisseur mit Blick auf das potentielle Teenager-Publikum ermahnt hätte. Kurz: Auch als Zuschauer, der nur bedingt Bock auf das Konzert hat, fühlt man sich absolut gut unterhalten!Dann aber, so etwa nach der ersten halben Stunde, in der Cro einen Großteil seiner Hits (die Youtube-Hits „Hi Kids“ und „Kein Benz“ und den Vorab-Singles des Albums „Meine Zeit“ und „Du“) durchspielte und das Publikum kräftig mitintonierte, kippt für mich die Stimmung.

Kein Plan wohin, doch bist jetzt war es fett!“ Cro bewegt sich durchgehend zwischen einer Überdosis guter Laune und dem Anspruch, fast krampfhaft den Zeitgeist seiner Generation aufschnappen zu wollen (was ihm ja augenscheinlich komplett gelang) – das nervte schon auf Platte spätestens nach dem dritten oder vierten Track.Cros Ideen und Konzept sind definitiv erfrischend, aber auf lange Sicht gelingt es dem Rapper (noch) nicht auf durchgehend hohem Niveau vielschichtig zu unterhalten. Das Raop-Gebilde klingt zu eindimensional, es fehlt an Variationen – und man muss definitiv gespannt sein, wohin die Reise in Zukunft gehen wird.

Schlussendlich noch ein kleines Plädoyer: Liebe Cro-Die-Hard-Fans, eure Begeisterung in allen Ehren, wirklich, aber blickt ein wenig über den Tellerrand. Hör euch andere HipHop-Künstler an, es gibt unendlich viel zu entdecken. Cro ist nicht der Messias. Liebe Cro-Meuchelmörder, entspannt euch. Hype ist Hype, zollt ein wenig Respekt und schaut über das Gedudel hinweg. Jede Welle ebbt irgendwann ab. Cro ist nicht der Satan.

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