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Southside-Festival 2013 – Take-Off-Gewerbepark Neuhausen Ob Eck

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Da sitze ich jetzt. Geduscht. Sauber. Die letzte Dose 5.0 an den Lippen, die Haut schält sich von der Nase. Post-Southside-Depression. Irgendwo im Schädel sind die Konzert-Erinnerungen, Eindrücke vom Boden der Raviolidose!

Eins vorweg: Das Southside-Lineup 2013 wäre um ein Haar das subjektiv beste der Geschichte geworden. Dann hagelte es hochkarätige Absagen (Modest Mouse und Belle&Sebastian) und auch der Timetable fraß einige spannende Acts (allen voran Frightened Rabbit, Tyler The Creator und Modeselektor) erbarmungslos auf. Trotzdem blieb ein bunter, wilder, schmackhafter Eintopf übrig. Greift zu:

Masters Of Reality markieren einen idealen Festivalauftakt: Eine halbe Stunde Stonerrock-Geschrammel der alten Schule. Schmutzige Riffs, versoffene Stimme. Auf der Wiese siffen, Kippe, Bier, Sonne. Herzlich Willkommen Southside-Festival.

Alt-J sind wohl die ultimative, die finale Hipsterband. Locker-, nein federleichter Indie, total überspulte Klimpersounds und elektrisches Rumgeduddel. Und doch ist das klasse. Spannend. Eletrifizierend. Tatsächlich schaffen Alt-J ihren Album-Sound ganz glockenklar zu reproduzieren und schustern ein technisch gigantisches Live-Gebilde. Viele Hippie-Mädchen singen mit geschlossenen Augen. Passt!

Southside-Festival, Bilder, Live, Videos, Berichte Bands, Neuhausen, Rückschau, Rammstein, Smashing Pumpkins, Portishead, Sigur ros, Green Stage, Nofx, The Hives, Kasabian, Editors (7)Archive Liveperformances besitzen eine ganz eigene Energie: Die einzelnen Bandbestandteile scheinen regelrecht gegeneinander anzuspielen. Ein Elektrobeat brettert ungebremst gegen eine Gitarrenwand, die hohe Stimme von Sängerin Marie Q zerschellt an dem markanten Organ ihres Gegenübers Dave Penney und die bekannten Songstrukturen implodieren in wilder Improvisation. Selbstredend entladen sich die angesprochenen Spannungen immer wieder in einem harmonischen Miteinander. Zwar gelingt es der Band am Southside nicht ganz, die epische Bandbreite ihrer grandiosen Live-DVD „Live in Athens“ zu reproduzieren (was definitiv auch an der zu knapp bemessenen Spielzeit liegt), trotzdem hinterlässt die Konsequenz, mit der Archive die bekannten Strukturen in furiosen Experimenten ad absurdum führen, offene Münder.

Southside-Festival, Bilder, Live, Videos, Berichte Bands, Neuhausen, Rückschau, Rammstein, Smashing Pumpkins, Portishead, Sigur ros, Green Stage, Nofx, The Hives, Kasabian, Editors (29)Zeitreise in die Vergangeneheit: Halbschuh-Dorfpunk in der schwäbischen Provinz. Immer auf den illegal zusammengestellten Mixtapes: NOFX und The Hives. Das ist der Soundtrack meiner Jugend. Und zack: Jetzt gibts endlich das Live-Erlebniss. Zwar abseits der Pogokreise, aber trotzdem angenehm berührt. Hits wie „Stickin In My Eye“ oder „Hate So To Told You So“ sind einfach Alltime-Klassiker. Kulturelles Gedächtnis der Festival-Welt.

 

Billy Corgan war schon immer ein eigenartiger Charakterkopf (und damit meine ich nicht nur den markanten Kahlschädel). Der Frontmann der Smashing Pumpkins war Zeit seines Lebens als Rock´N´Roll-Star arrogant, verschlossen, seltsam. Die einen liebten diese Attitüde, verehrten Corgan wie einen Halbgott, die anderen blickten genervt zur Seite und verschlossen sich auch Corgans Musik. In den letzten Jahren ist der Ruhm der Pumpkins zunehmend verblast (2007 hatte man noch Rock am Ring geheadlined) – und doch ist Corgan der einzige Künstler des gesamten Festivals, der sich nur aus der Ferne fotografieren lässt (obs am eindeutig zu engen T-Shirt lag?). Doch genug Gehate, denn eines ist klar: Corgan ist ein fantastischer Songwriter, ein starker Gitarrist und außergewöhnlicher Sänger. Und das ist schlussendlich was zählt: Das Konzert ist dementsprechend erste Sahne. Zunächst spielt Corgan das verjammte, esoterische neue Material, dann hangelt er sich durch den Lianenwald seiner alten Hits („Disarm“, „Tonight“, „Bullets with Butterfly Wings“ in einer Reihe – woaaah!) und treibt dem Publikum ein breites Joker-Lächeln in Gesicht.

Ben Howard. Zelthead. Tausende verliebte Fan-Mädchen. Über sensibles Gitarren-Geklimper. Dahin gesurfte Singer-Songwriter-Mucke. Mitgesinge. Genuschel dazwischen. Ohrenbetäubende „Woooooooooooh“´s. So schön! Am Zeltplatz Slayer gegen die Überdosis!

Southside-Festival, Bilder, Live, Videos, Berichte Bands, Neuhausen, Rückschau, Rammstein, Smashing Pumpkins, Portishead, Sigur ros, Green Stage, Nofx, The Hives, Kasabian, Editors (17)Als Macklemore vergangenes Jahr auf dem Frauenfeld vor fast leeren Gelände und um gefühlt halb sieben Uhr morgens eine dermaßen inbrünstige Show spielte, dass einem die Ohren schlackerten, hatte alle Anwesenden das merkwürdige Gefühl, Zeuge eines denkwürdigen Moments geworden zu sein. Auch das Southside war überzeugt, buchte den Rapper und seinen kongenialen DJ Ryan Lewis kurzerhand für die erste Bandwelle und bewies damit absoluten Schäferhund Spürsinn. Denn ein Jahr später ist Macklemore ein allgegenwärtige Superstar. Erist überall. Der geplante Auftritt auf der Zeltbühne wäre wohl in einer Katastrophe geendet, aber auch die Verlegung auf die Bluestage ist grenzwertig. Bereits gegen 13 Uhr beginnen die Massen im „Herr der Ringe“-Schlachtenstyle gen Festivalgelände zu marschieren. Und der Strom bricht über gefühlte Stunden nicht ab. Absoluter Nachmittagsrekord! Das Konzert selbst ist aber enttäuschend. Ungefähr ein Drittel der gerade einmal 35 Minuten Spielzeit wird leider von Macklemore verlabert (alles gut und recht, aber wenn du doch eh nur ne halbe Stunde auf der Uhr hast, Mensch, dann spiel Songs. Dann spiel verdammt nochmal „Otherside“), der Bass ist übersteuert, sowohl Beat als auch MC bewegen sich teilweiseneben der Spur. Wollen wir hoffen, dass die Southside-Macher Backstage mit einem Headliner-Vertrag wedelten.

Southside-Festival, Bilder, Live, Videos, Berichte Bands, Neuhausen, Rückschau, Rammstein, Smashing Pumpkins, Portishead, Sigur ros, Green Stage, Nofx, The Hives, Kasabian, Editors (32)The National spielten – und hier ist der Superlativ und alle Euphorie einfach mal dermaßen angebracht – das beste Konzert des Wochenendes, vielleicht der Festivalgeschichte. Was Sänger Matt Berninger da abzieht, lässt sich metaphorisch nur mit einem Hattrick im Championsleague-Finale oder einem Quadruple-Double in den NBA-Finals vergleichen. Nicht nur dass der Frontmann seinen schon auf Platte allmächtigen Bariton mit literweise Kraft, Emotion und Energie auffüllt, darüber hinaus ist Berninger einfach ein begnadeter Entertainer, der vielleicht beste Frontmann der Welt. Berninger besingt zwar tieftraurige, magisch-melodische Hymnen, killt während des Konzertes im Vorbeigehen aber eine Flasche Weißwein und ist spätestens zum Ende seiner Show besoffener als alle versammelten Punks, Metal-Heads und Rapper. Der Show selbst tut das keinen Abbruch, weil Berninger einfach immer weiter singt und immer noch besser wird. Weil er schreit und jault und schlägt und zu guter Letzt durchs gesamte Publikum marschiert. Da geht selbst dem Wettergott das Herz auf, weg mit dem Wolken-Pulli. The National wird in warmes Gold getaucht. Gänsehaut. „Conversation 16“ überbordet vor Schönheit, „Terrible Love“ ist schlichter Wahnsinn und über „Fake Empire“ wurde schon alles geschrieben. Größer geht’s nicht. Ach halt, einen kleinen Wermuttropfen gabs dann doch noch zu verschmerzen. „The Rains Of Castamere“ vom Game of Thrones-Soundtrack wurde trotz Aufforderung nicht gespielt. Dafür reissts Berningers Erklärung raus: „We can´t play it. It will start a war out there. I´m a fucking lannister!

 

Die Angst, dass Rammsteins brachialen, erbarmungslosen Metalsounds das fragile Portishead-Gebilde zerfetzen würde, ließ die Southside-Tontechniker die Boxen auf der blauen Bühne in Richtung Anschlag drehen. Das Resultat: Der Sound beim Auftritt von Portishead ist sensationell gut, das Konzert toppt die Show von vor zwei Jahren um Längen. RATRATRATRATRAT! Machine Gun! Sound-LKWS. Massenkarambolage. Dazwischen Beth Gibbons im Stile einer Prozellanvase, die ständig hin und her wippt. Die Gefahr der Zerschellens ist allgegenwärtig, gegen die Angst wird die TripHop-Ursuppe in dicken Kellen ausgeschenkt. Und am Ende waren alle Sorgen umsonst. Das Rammstein-Feuerwerk am Himmel ist die ideale Ergänzung zum furiosen Portishead-Finale.

Rammstein der unbestrittene Headliner und Mainstream-Aushängeschild lässt es nach allen Regeln der Kunst krachen: Die Bühne brennt, meterhohe Flammen schießen aus den unterschiedlichsten Gerätschaften und dazu sägt Sänger Till Lindemann seine markante Stimme in die jaulende Metalvorhölle. Rammstein ist gleichermaßen verzerrtes Konzert und größenwahnsinniges Theater. Lindemann gibt den muskelbepackten Mephisto, der martialisch seine Band durch den Fleischwolf dreht, mit dem Flammenwerfer röstet und unterwirft. Und schlussendlich ist Rammstein die Definition eines Blockbusters, der vor allem eines liefert: Erstklassige Unterhaltung mit überschaubaren Anspruch,Popcorn-Kino eben – zurücklehnen (sofern das in der Festivalmenge möglich ist) – genießen! Da klappen gefühlte 10000 Mundwinkel synchron nach unten.

 

Southside-Festival, Bilder, Live, Videos, Berichte Bands, Neuhausen, Rückschau, Rammstein, Smashing Pumpkins, Portishead, Sigur ros, Green Stage, Nofx, The Hives, Kasabian, Editors (39)Als wären Postrock und Isländisch nicht jeweils für sich schon kompliziert genug. Sigur Rós erweitern das Ganze um eine eigens entwickelten Fantasiesprache und einer abgefahrenen Gitarren-Technik: Sänger Jónsi Birgisson streicht mit einem Geigenbogen zärtlich über die vibrierenden E-Gitarrensaiten. Diese feine Nuancen machen Sigur Rós zum absoluten Must-See, zu einem Liveact von Orkanstärke. Zunächst bläst da nur ein warmes Streicherlüftchen, das Jónsi zerbrechliche Stimme ein Stück umweht. Dann werden die Einschläge massiver: Dunkler, dumpfer Trommeldonner und wummernde Herzschlagbeats pusten ins Publikum, ehe der isländische Postrock-Sturm um sich greift und alles mit sich reißt. Poetry in Music, Sound, Motion. Pure, vertonte Schönheit.

Little Talk“ von Of Monsters And Men ist ein ultimativer Radiohit. Ein Ohrwurm, den jeder mitsingen kann, den man eigentlich mögen muss. Entsprechend eng gestaltet sich auch die Situation vor der Green-Stage: Of Monsters And Men spielen vor einer Menschentraube, für die sich selbst ein Headliner nicht schämen müsste. Dazu schält sich die Sonne langsam aus einer dichten Wolkenschicht und sorgt für eine fast perfekte Festivalstimmung. Man sollte die Isis auf keinen Fall auf ihren Überhit reduzieren. Das Debtalbum „My Head Is An Animal“ schuf eine losgelöste Atmosphäre und auch live haben die jungen Isländer bereits eine hohe Qualität. Keyboardsounds, Trompetensolos, Streicherelemente, das Spiel mit zwei Stimmen – der Konzerttisch ist reichlich gedeckt und trägt Referenzen wie Arcade Fire oder The Decemberists offen zur Schau. Trotz allem wirkt das Konzert ein wenig zu abgeklärt, es fehlt ein Funken Enthusiasmus. Das kann an der Tagesform liegen, vielleicht hätten Of Monsters And Men ein homogenerer Aufstieg und ein, zwei Jahre mehr in den kleinen Clubs gut getan. 

Southside-Festival, Bilder, Live, Videos, Berichte Bands, Neuhausen, Rückschau, Rammstein, Smashing Pumpkins, Portishead, Sigur ros, Green Stage, Nofx, The Hives, Kasabian, Editors (42)Editors schalten beinahe mit jedem Song einen Gang nach oben und bezeugen im fälligen Beschleunigungsvorgang ihr Gespür für hymnische Songstrukuren und magische Sekunden. Besonders besonders sind die Editors immer dann, wenn sich Smith ans Piano setzt und inbrünstig losklimpert. Das musikalische Repertoire des Birmingham-Quintett reicht indes von formidablen, vielschichtigen Alternative-Bauten („Smokers Outside The Hospital Doors“), über eingängige, überbordende Post-Punk-Granaten („An End Has A Start“) bis zu elektronischen, wummernden New-Wave-Perlen („Papillon“), die live allesamt noch eine Spur mehr Würze besitzen. Hit an Hit.

Als die Arctic Monkeys 2006 erstmals auf dem Southside-Festival aufspielten, hätte nach dem Auftritt wohl kaum einer einen Pfifferling darauf gesetzt, dass diese Band irgendwann als Headliner nach Neuhausen zurück kommen würde. Die Monkeys waren zu diesem Zeitpunkt als erste Band weltweit durch einen Internet-Hype in Sekundenschnelle zu Superstars mutiert und zeigten bei ihren ersten Konzerten auf deutschen Boden nicht viel mehr als Arroganz und technisch unausgereifte Livepräsenz. In der Folge nahm die Band aber eine ganz und gar außergewöhnliche Wandlung: Aus dem eingängigen (und zweifelsohne noch heute bahnbrechenden) Garagenpunk des Erstlings hat sich mittlerweile ein dunkler, unberechenbarer Blues entwickelt. So entsteht zwischen den beiden Spielarten ein furioses, anspruchsvolles und vor allen Dingen kurzweiliges Konzert. Leadsänger Alex Turner (im gestreiften Jacket, mit Elvismatte) hat sich zu einem Frontmann von Weltformat entwickelt, der am Bühnenrand Gitarrensoli jaulen lässt und vor allen Dingen stimmlich eine ganze Farbpalette von Stimmungen abstreichen kann. Nicht auszudenken, wohin die Reise der Arctic Monkeys hinführt, wenn ihre Entwicklung ungebremst weiter schießt.

 

Die durchweg fantastischen Bilder hat mein werter Kollege Olli Hanser geschossen. Ich bedanke mich ganz herzlich für die Bereitstellung! Weitere seiner Bildergalerien (auch von Rammstein), sowie Texte meinerseits findet ihr unter http://www.suedkurier.de/southside./
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Southside-Festival – Take Off Gewerbepark Neuhausen Ob Eck – 17.-19.06.2011

Alles was nun folgt, ist alkoholgeschwängerter Raviolijournalismus:

Auf dem Southside riecht es anders. Erst wenn dir die warme, wabernde Mischung aus Kippenrauch, Moder, Gaskochergas, Essen, Bier, Körperausdünstungen, Asphalt, Dixieklos, Urin und Dosenfraß in die Nase steigt, bist du wirklich (und meist nach stundenlangen Warten im Wolkenbruch) auf dem Gelände angekommen.

Auf den Landebahnen herrscht ab Donnerstagabend Zirkus, Woodstock und Karneval. Ein einstöckiges „Haus, das Verrückte macht“ wird aus dem Boden gestampft – nur den Passierschein A 38, das Ticket nach draußen, das gibt es nicht. Ein römischer Streitwagen heizt Spaghetti-schwenkend an uns vorbei, wenige Minuten später teilt sich die Menschenmasse und motorisierter Miniatur-Plesiosaurus wälzt sich über die Landebahn. An einer anderen Stelle stolziert eine (wohlgemerkt echte) Hochzeitsgesellschaft durch den Morast. Liebe in Gummistiefeln, Ja-Wort im Schweißgeruch. Einer aber bringt es auf den Punkt. Splitterfasernackt, Pfeife rauchend, von Groupies umringt! Es ist Niemand Geringeres als Vorstandsvorsitzende des Festivalkontinenten.

Arctic Monkeys: Patenonkel Josh Homme hat den Arctic Monkeys wohl kräftig den Hintern versohlt. 2006 waren sie noch Rotzbengel mit einigen Tanzflächenhits, die arrogant vor sich hin spielten und sich irgendwann zum WM-Spiel der Three Lions verpissten. Heute, nachdem sie durch Homme´sche Stahlbad gegangen sind, spielen sie ein schnörkelloses, tonnenschweres Set. Mächtige Indiehymnen und ein Schuss kalifornische Stonerrock-Attitüde. Alex Turner blickt gequält ins Leere. So muss das sein!

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Bright Eyes: Die Bright Eyes sind auf Abschiedstour. Conor Oberst, das Jahrhunderttalent, der Wolfang Amadeus Mozart des Folk, erscheint in Mönchskutte und poltert über die Bühne. Seine Band beschwört dazu ein wütendes Klanggewitter und einen eindeutigen Kontrast zu den wahrlich depressiven Balladen der ersten Stunde. Conor Oberst inszeniert sich dazu als Rockstar und natürlich das ist ironisch gemeint. Im Laufe des Konzerts nimmt sich die Band zunehmends zurück und die charakteristische Stimme des Frontmanns, die man einmal hört und dann dann nie wieder vergisst, rückt mehr und mehr in den Vordergrund. Oberst haucht und jault und schreit und krächzt jede Menge Kleinode aus seiner imposanten Diskografie und am Ende „Lover I don´t have to love“, „Four Winds“ und „Shell Games“ in die Redstage, dass es einem heiß und kalt den Rücken runter läuft. Es ist ein krachende Abschied eines Wunderkindes. Die Bright Eyes sind tot, es lebe Conor Oberst.



Portishead: Drei Alben in 20 Jahren haben Portishead gereicht um musikalischen Weltruhm zu erlangen. Kaum ein Musiker, der die britische Trip-Hop Formation nicht als Einfluss und Vorbild listet, kaum ein Kritiker, der der Band nicht den Legendenstatus zuschreibt. Das Erscheinen der Band in einem deutschen Lineup war also an sich schon eine Sensation, der Auftritt selbst ein konzertgewordener Superlativ. Beth Gibbons steht fröstelnd in der Mitte der Bühne, sie erscheint schüchtern, winkt ein wenig in die Menge und nickt in Richtung Band und Mastermind Geoff Barrow lässt den Beat von der Leine. „The Rip“, vom aktuellsten Album „Third“ ist ein Wispern, ein verwehtes Stück Musik, von einer Intensität, die ein komplettes Festival zum Schweigen bringt. Dann Stille. Komplett. Dann frenetische Jubelstürme.

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Arcade Fire: Es müsste schon mit dem Teufel zu gehen, wenn Arcade Fire nicht in absehbarer Zeit, zur größten Band dieses Planeten aufsteigt. Ihr aktuelles Album „The Suburbs“ (das zwar nicht ganz die ungeheuerliche Qualität der Vorgänger erreichte, dennoch 2010 so ziemlich alles pulverisierte – spätestens jetzt outet sich der Autor dieser Zeilen als hemmungsloser Fanboy) machte die Band um das kanadische Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne im Handumdrehen zu Chartstürmern und zu Formation von Headlinerstatus. Arcade Fire sind fast zu perfekt für diese Musikwelt: das Gespür für den entscheidenden, für den großen Moment zelebriert momentan niemand auf dem Globus so intensiv wie der Kanada-Achter und diese Pole Position wussten Will Butler und Co. auch am Southside zu verteidigen. Butler selbst ist dabei ein Frontmann der alten Schule, der im Zentrum steht wie ein Dompteur und die Ruhe bewahrt, wenn um ihn herum die Hölle losbricht. Erst im zweiten Teil zieht er sich zurück an die Orgel und überlässt seiner Ehefrau das Mikrofon. Madame Régine besitzt eine ungewöhnlich hohe, fast überdrehte Stimme, die sich aber punktgenau an das musikalische Gerüst schmiegt. Drumherum wirbeln die restlichen Mitglieder, hämmern im Wechsel auf Orgeln und Schlagzeug, Violinen und Orgeln. „Rebellion (Lies)“, „Intervention“, „Wake Up“ und. und. und. Die Setlist lässt keine Wünsche, Arcade Fire keine Fragen offen…Und achja, damit sich der Kreis schließt, bitte gucken:

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Converge: Es ist wohl die vollendete Hingabe an die eigene Leidenschaft. Kurt Ballou, Gitarrist und musikalisches Mastermind der Hardcore Legenden Converge leidet an einer chronische Sehnenscheidenentzündung, jeder Auftritt bereitet ihm höllisches Qualen. Doch Ballou kann es nicht lassen an den Saiten zu frickeln, auch nicht am Southside, wo sich Converge eigentlich wie ein Fremdkörper im Lineup festsaugen. Entsprechend dankbar zeigt sich Sänger Eric Bannon angesichts der erschienenen Zuschauer und entsprechend legt sich die Formation ins Zeug. Bannon grast jeden Milimeter der Bühne ab, Ben Koller drischt seine Sticks zu Sägemehl. Groß!



Sublime With Rome: Es ist das ultimative Rock`Roll`Märchen: Rome Ramirez 1988 geboren, im selben Jahr gründet sich die Ska/Alternativeband Sublime um den charismatischen Frontmann Brad Nowell. Die Band wird Kult, doch Nowell jagt 1996 eine goldene Dosis durch die Adern. Sublime sterben mit ihrem Frontmann. Rome wird erst Jahre später zum Fanboy und fast 15 Jahre nach der Tragödie singt Rome seinen Idolen ein Ständchen. Das muss ganz gut gewesen sein → Sublime werden zu Sublime With Rome! Am Southside spielen die alten Haudegen Bud Gaugh und Eric Wilson kettenrauchend und tiefenentspannt vor sich hin, während Rome etwas enthusiastischer sich ins Zeug legt. Die Sonne blitzt erst zur Zugabe durch die Wolkenschichten. Reicht vollkommen: Santeria!



Gogol Bordello: Gäbe es eine Weltauswahl der größten Rampensäue, Eugene Hütz würde die Mannschaft wohl als Teamkapitän aufs Feld führen. Der Frontmann der Gypsy-Punk Formation Gogol Bordello ist ein Derwisch und Partisane, ein langhaariger Clown und Zigeuner. Gogol Bordello spielen Punk aus New York mit osteuropäischen und südamerikanischen Einflüssen. Auf der Bühne herrscht sofort ein unglaubliches Gewusel und Gespringe und man würde wohl sofort den Überblick verlieren, wäre da nicht Hütz, der in der Mitte thront. Er ist der unbestrittene König dieser strangen Party, der King Louie des Green Stage.


Am Ende übernimmt das Chaos das Ruder. Der Campingplatz erinnert mehr und mehr an das Setting eines Zombiefilms. Es knallt und schreit aus Ecken. Feuer bricht aus, Ein Dixieklo wird gekippt. Die Mennchen sammeln sich im Müll, in kreisrunde Grüppchen oder ziehen in Horden, mit Pavillon Stangen bewaffnet durch die Ruinen der Zeltstadt. Während des letzte Konzerts wird ein Pfosten der White-Stage von einem Raver erklommen. Minuten später kraxeln die Security hinterher. Das Publikum tönt und grölt im Chor, die Scheinwerfer flackern Marineblau und Digitalism pumpt ein anarchischen Beat zur Festivalversion von Tom und Jerry. Irgendwann hängt der Raver mit zwei Armen langgestreckt und mit nacktem Arsch am Gerüst. Ein denkwürdiger, ein finaler Moment.


Alle Fotos (bis auf Converge -> Quelle: Myspace) hat mein Kollege Olli Hanser geschossen! Vielen Dank!

Ende? Nicht ganz! Damit das Gesamtpaket gehörig melancholisch endet, gibts zum Abschluss das wohl traurigste Festivalvideo der Welt (Klick!)!

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