Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Scheer’

Fraktus II – Fauststudio – Scheer

dsc_2140

Sie arbeiten seriös. Wirklich. Sie arbeiten ganz seriös an der Zerstörung der Welt.“, sagt Jochen Irmler (Faust), in dessen Klangband-Studios in Scheer Fraktus II am vergangenen Freitag Premiere feierte, vor dem Konzert über Bernd Wand, dessen Mutter und Carsten Meyer. Wenige Minuten später wissen wir, was Irmler mit dieser Beschreibung meinte. Denn Fraktus II sind nicht zu greifen, absolut unfassbar. Zu Beginn der Show platziert sich Irmler selbst am linken Bühnenrand, hinter seinen selbst konstruierten Orgelaufbauten, die rein optisch an die Skyline einer dystopischen Metropole erinnern.

dsc_2141Rechts aber greift Meyer, „der musikalische Leiter der Expedition“, in die Organe seines Flügels. Präparierte Orgel trifft – frei nach John Cage – auf präpariertes Klavier. Zwischen den Klangschüben huscht Mutti Wand schüchtern auf die Bühne und Bernd Wand schiebt sich unter einem riesigen Schildkrötenpanzer aus Eierboxen durch die Publikumsreihen. Es folgt ein minutenlanges Pamphlet des Bandleaders: „…eine absichtlich herbeigeführte Explosion im Klanglabor. Alle Petrischalen platzen unter liebevollen Ohren des Tonkollektivs. Diese Reinigungskosten könnte kein Mensch bezahlen. Das ist das Wunder von Scheer!“

dsc_2134Erst jetzt wirft Meyer die elektronischen Maschinen an und es vermischen sich Neue Deutsche Welle, Schlager, Techno und Krautrock zu einem ganz neuen, auf der Rasierklinge der Realität balancierenden Genre. Das Fraktus II hier im vermeintlichen Nichts das Licht der Welt erblickt ist folgerichtig. Nach dem Ende von Fraktus (aufgearbeitet in der gleichnamigen und längst legendären Mockumentary) war Bernd Wand nach Brunsbüttel zurückgekehrt und hatte nicht nur im Optikergeschäft seiner Eltern gearbeitet, sondern mit ebendiesen auch Fraktus II gegründet. Bereits im Film formulierte Wand den Wunsch einmal auf dem Klangbad-Festival aufspielen zu wollen. Im Sommer wurde diese Sehnsucht zumindest teilweise erfüllt: Fraktus II reisten für eine Woche ins Donautal und setzten gemeinsam mit Klangtüftler Irmler und offiziell gefördert vom Land Baden-Württemberg ihre Debütplatte „Optische Täuschung“ um. Das kann man sich alles nicht ausdenken!

dsc_2168Das Bewusstsein ist nur eine temporäre Haltestelle auf dem Weg in den Wahnsinn!“, erklärt dann auch Bernd Wand und als Zuhörer merkt man deutlich, wie einem die Begriffe wie Sand zwischen den Fingern zerrinnen. Bei „Farben und Verläufe“ schraubt dann Irmler magnetische Klangschrauben aus der Tiefen seines Krautrockgolems, während Wand sich selbst dabei filmt, wie er Farbe auf eine rotierende Papier-Schallplatte träufelt und seine Mutter und Carsten Meyer das Tanzbein schwingen. Und eben weil Musik begrifflos erscheint, erlaubt sie eigentlich keine solche Ironie. Anders als in der bildenden Kunst finden Abstraktion, Karikatur und Naivität nur selten ihren Weg in Bandprojekte, weil die meist für mehr stehen und stehen müssen. Für Politik, für Bewegungen, für das eigene Ego. Fraktus II sprengt diese ewigen Beschränkungen mit Leichtigkeit. Und auch mit Ironie, klar, aber stetig im des Parametersystems der Hoch- und Popkultur und ganz bewusst auf den Moment der aufklappenden Falltüre hin komponiert.

Das Konzert ist schreiend komisch, vollkommen absurd, total gaga auf so vielen Ebenen und dann doch wieder tragisch bis melancholisch in seinen unzähligen kleinen Gesten. Realität und Hyperrealität und Performance und Fiktion und Irrsinn verschmelzen zu einer hybriden Masse und es bleibt dem Rezipient überlassen, wie er diese nun für sich verformt. So muss Dada vor 100 Jahren auf den vormodernen Menschen gewirkt haben. Fraktus II ist Dada hoch 3. Dadadada!

Nach dem Konzert sitzt die Band gemeinsam in den Räumen der ehemaligen Papierfabrik. Ein Besucher verabschiedet sich vom Frontmann: „Tolle Nummer war das, danke, äh, Bernd, oder ähm… Jacques. Ja wie denn jetzt?“ „Jacques Palminger, jetzt hier, da kann ichs ja sagen. Von einer Kunstfigur in die andere…“ Der Druck fällt sichtlich und gemeinsam mit dem jetzt abgezogenen Rollenmantel ab und jetzt erst offenbar sich harte Arbeit, die zermürbenden Denkprozesse im Spiel mit dem Wahnsinn und der Authentizität. Aber Authentizität, springt wenig später ein Meyer ein, ist ja sowieso das größte Unwort überhaupt.

Werbeanzeigen

Read Full Post »

klangbadsamstag

gleich_da

mit heißer feder | zu spät gekommen | trembling bells und z’ev verpasst | mist |  john tchicai + alex ward – john tchicai sucht zu beginn das deutsche wort, für das, was nun kommt. „ausladungen?“ (publikum: einladungen?“) – entladungen war gesucht, oh ja | 2 -mann-auftritt: 1 rezitator, 1 saxophonist, 1 bassklarinnetts, 1 gitarrist, 1 klarinetts plus sämtlich mathematisch möglichen kombinationen | moebius + tietchen | klanghochgebirge – soundtsunamis – dazwischen hochbegabte minderjährige aus der krachmacherstraße – optik: 2 männer in schwarz bewegen nur die fingerspitzen | t.bird – sturm | miconormous – w. s. burroughs: „was wir sehen, wird bestimmt durch das, was wir hören.“ – gilt für jeden mickey-mouse-film. musik aber aus der „dienenden rolle“ für den film herauszuholen, um die möglichkeiten zu erweitern: hier! | die goldenen zitronen – vor einem jahr in tübingen gesehen, war auch prima soweit – die klangbadluft macht nun aus dem ensemble eine völlig neue band – alles, was je nach zitronen schmeckte, ist da, hoch verdichtet – die besten entertainer der deutschsprachigen bühnen | wire – der anhaltend wunderbare ansager: „ohne worte: wire!“ – besser kann man es nicht sagen resp. schreiben. – anekdote zu den unterschieden im publikum – beim anblick der mintfarbenen gitarre eine: „ih. wassn das fürne faabe!“ – eine schweizerin: „wow! dia gidarrra!“ genow.

weitere fotos auf [2_4_1]

Read Full Post »

wort zum festival

– nachtrag zum freitag –

g_g_neu

gudrun gut (!) zum eingang ihres auftritts:

es ist eine große ehre, auf diesen einzigartigen festival auftreten zu dürfen.

zum abschluss

alle haben von diesem festival geschwärmt, und sie hatten recht.

Read Full Post »

listen_to_klangbad

klangbadfreitag

mit heißer feder | zu spät gekommen | jeff aug verpasst | voll in den regen gelaufen | und gleich in den ersten festivalhöhepunkt: christy &  emily plus – nachgerückt – band | väry sophisticated: audic – als triptychon | = nächster festivalhöhepunkt | gudrun gut – fan! tas! tisch! – spartanisches equipment – höchste kunst aus bild, ton und frau | = nächster festivalhöhepunkt | felix kubin – zitatenreich, leicht, luftig, lustig, klug – alle register | = nächster festivalhöhepunkt | red snapper – auch sehr gut, aber die energie ausgegangen (mir!) | das entspricht der ankündigung des bloginhabers auf facebook: der gastautor (ich) ist ein „alter rock’n’roll knochen“ – danke nochmals.

weitere fotos auf [2_4_1]

Read Full Post »