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1994 gewinnt Steven Spielbergs Schindlers Liste sieben Oscars. Der Blockbuster gilt bis heute als monumentales Filmdenkmal, ein auf schwarz-weiße Filmrollen gemeißeltes Manifest für Zivilcourage. Was heute kaum einer weiß: 1994 gewinnt ein weiterer schwarz-weißer Streifen mit scheinbar ähnlicher Thematik einen der begehrten Goldmännchen. „Schwarzfahrer“ ist ein Kurzfilm des deutschen Regisseurs Pepe Danquart, sieben Minuten und zweiundzwanzig Sekunden lang, eine verfilmte Urban Legend – ohne schillernden Helden.

Ein junger Schwarzer setzt in einer Straßenbahn auf den freien Platz neben einer alte Frau,die kurz darauf Hasstirade abfeuert, die einem das Blut gefrieren lässt. „Schwarzfahrer“ sieht dabei aus, als wäre in den 70er Jahren gedreht worden. Die Figuren sind überzeichnet, wie man es im Schultheater macht. Die Schnitte sind grob. Die Geräuschkulisse der Bahn untermalt die Szenerie im Takt der Maschinen, in Momenten der Ruhe ertönt befremdlicher Jazz.

Schwarzfahrer“ ist schwarz-weiß – selbstverständlich. In einer zweifarbigen Welt gibt es nur Kontraste: Gut gegen Böse, Hell gegen Dunkel. Dankquarts Kurzfilm wird allerdings keinesfalls aufgrund seiner Kontrastmalereien zum Meisterstück, viel eher sind es die Grautöne, diese neblige Suppe die dich erschauern lassen. Peinliche Blicke, zustimmendes Nicken und Schweigen. Schweigen.

Sie haben es doch alle gesehen.“ Schweigen. Auch als die Karte verspeist wird.

Eine der seltsamsten Eigenheiten des Menschen ist seine rudimentäre Angst vor dem Anderen.

Schwarzfahrer“ ist nun knappe 20 Jahre alt. Mittlerweile heißen Deutschlands begnadetste Regisseure Fatih Akin und Mesut Özil. In Mecklenburg-Vorpommern besitzt die NPD nach wie vor 5 Sitze im Landtag. In Athen, einer europäischen Landeshaupstadt, wurden in diesem Jahr dunkelhäutige Menschen in bürgerkriegsähnlichen Szenarien durch die Straßen gejagt.

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