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Gisbert zu Knyphausen – Kulturladen – Konstanz 14.03.2012

(Licht am Ende des Tunnels? Gisbert zu Knyphausen im Kulturladen. Zur Bildqualität später mehr)

 

Gisbert zu Knyphausen Vorweg-Kritik-Nummer 1:

Als mich meine Oma fragt, was ich denn eigentlich für Musik höre, die ihr eventuell auch gefallen könnte, habe ich ihr (in Ermangelung an deutschsprachigen Alternativen abseits von Aggro-Berlin) das Gisbert-Debüt in die Hand gedrückt. Zwei Tage später das Urteil. Ganz schön sei das ja alles, keine Frage. Aber: „Kann dem jungen Mann nicht mal einer sagen, dass die Welt nicht ganz so düster ist?“

 

Gisbert zu Knyphausen Vorweg-Kritik-Nummer 2:

Als ich einst und mitten in der Nacht volltrunken und vor Melancholie triefend „Kräne“ an meine Facebook-Pinnwand knallte und dazu zentnerschwer kommentierte „Der vielleicht beste deutschsprachige Musiker“ schlug mir umgehend eine Welle der Empörung um den pochenden Schädel: „Was soll das sein? Hamburger Schule für Sonderschüler?“

 

Gisbert, so wie man ihn einschätzt, würde jetzt vermutlich schüchtern nicken und beide Kritikpunkte zumindest ansatzweise nachvollziehen. Ich konnte das nicht. Zu sehr fasziniert mich der Singer/Songwriter, der die deutschsprachige Musik irgendwie Baywatch-mäßig für mich wiederbelebt hatte, nachdem mich all die Tomtes und Kettcars und wie sie alle, achselzuckend und augenrollend erbarmungslos ersaufen ließen.

 

 

Der Tag an dem es Gisbert endlich in den Kulturladen schafft, diesen dunklen Moloch von einem Swimming-Pool und damit idealste denkbare Location, läuft für mich erstklassig und zwar aus dem einfachen Grund, weil alles scheiße läuft. Und als ich dann endlich dicht gedrängt im Gewusel des Konstanzer Konzertladen stehe, bin ich derartig mies gelaubt, dass mit glasigen Augen in die Scheinwerfer starre. Fang endlich an. Ich will heim. Alles Scheiße. Als Gisbert dann endlich und mit Band auf die Bühne schlurft, fummele ich unmotiviert nach meiner Kamera, drücke ab und … hab keine Speicherkarte eingelegt. Der finale Eiertritt, so von unten, dass es doppelt schmerzt. In diesem Moment beginnt es auf der Bühne zu scheppern und es fällt mir wie Schuppen von den Augen: Natürlich! Meine Stimmung ist ideal, nahezu perfekt für dieses Konzert, für diese Songs.

 

Denn natürlich reißt dich Gisbert oftmals ungebremst in den Treibsand der Melancholie (hier hatte Oma zweifelsohne recht!). Aber irgendwie zündet er dann doch immer ein Streichholz am Ende des Tunnels. Und eben weil das Drumherum so dunkel und überschwappend und scheinbar undurchdringlich ist und weil Gisbert seine Texte und Themen uns direkt aus unsere Seele gefressen hat, erscheint dieses Mini-Licht, die kaum erkennbare Flackern plötzlich kristallklar und weiß wie Ebenholz! (siehe das wunderbar verranzte Symbolbild das über diesem Artikel prangt. Ein Dank an die Smartphones der Sportstudenten dieser Welt.)

 

Die Welt ist grässlich und wunderschön!

 

Das Konzert ansich ist nicht übermäßig spektakulär. Die fehlerfreie Band verleiht den ganzen Songs ein bisschen mehr Macht und Substanz und den ein oder anderen jammenden Ausraster, ansonsten aber wird Gisbert zum Mittelpunkt, zum Messias des Kulturladen . Die Playlist indes lässt keine Wünsche übrig, aus dem einfach Grund, weil sie kaum einen Song auslässt (ausser Melancholie, aber das gibt’s als Entschädigung ganz unten als Video und mit einem Clown! Achtung Smiley: 🙂 !) . Gisbert zu Knyphausen spielt sich durch seine beide Alben, die ohnehin mehr oder weniger ohne Schwachpunkt auskommen. Und setzt trotzdem Höhepunkte. „Morsches Holz“ etwas, oder „Seltsames Licht“ und am Ende „Spiegelein, Spieglein“. Hinzu kommt die ein oder andere Perle aus Kooperationen und Projekten. Und das wars. Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.

 

Einwurf: Ja wie, werden jetzt die Spitzfindigen unter euch sagen. Jetzt trägt der hier seine Fanboy-Anhimmlungen offen zur Schau und zum Konzert selbst lässt er dann mit Mühe und Not ein paar Mini-Fakten liegen, die sich jeder Depp noch aus Youtube-Videos zusammenreimen könnte?

 

Antwort: Ja. Und genau das ist es doch was Gisberts Musik ausmacht. Sie steht für sich alleine. Sie spricht uns aus dem Herzen und dem Hirn. Und im speziellen ihre Klarheit und finale Reduktion auf Stimme und Gitarre und einen augenscheinlich tottraurigen Hamburgers und dessen alkoholvernebelte, von sich selbst genervte Sicht auf das Leben und all die Dinge, die wie ein Rattenschwanz dazu gehören, hält uns nebenbei vor. Mehr braucht es nicht.

 

Und nach über zwei Stunden Konzert, inklusive reinigender Wirkung, bin ich einmal mehr bestärkt: So einen wie Gisbert hat es gebraucht. Einen Aus-der-Seele-Fresser, einen Aus-der-Seele-Sprecher. Und da ist es doch sowas von scheißegal, dass sich das alles thematisch hier und dort im Kreis dreht und der ganze Schmerz nicht in fünf konnotativen, philosophisch vollgepackten Schubladen verstaut ist. Liebe/ Glück/ Schmerz/ Verlust/ Freiheit/ in die Fresse. So ist das Leben.

 

Und dann sind sie da, am Ende. Unmerklich sind sie angeschlichen. Die Hoffnung. Das Licht. Die Euphorie.

 

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Alin Coen Band – Kulturladen Konstanz – 19.05.2011

Das digitale Zeitalter hat eine eindeutige Sehnsucht nach einer neuen deutschen Welle an Singer/Songwritern entfacht. In Zeiten von Facebook, Twitter, Youtube, Lady Gaga, Mashups, Elektro-Überflutung, Blogs (wie diesem), Myspace, Reizkriegen, Downloads, Tweets, Comments, Soundclouds etc. usw. … haben klare Musik und ihre einfachen Geschichten eine besondere Wirkung. Es ist die Rückkehr ans Lagerfeuer, während die ganze Welt mit Laserschwertern kämpft.Die neuen Liedermacher heißen Gisbert zu Knyphausen oder auch Phillip Poisel und schreiben mal mehr (gisbertzuknyphausen) uns mal weniger (philipppoisel) grandiose Musik. Singer/Songwriterinnen sind bei alledem jedoch Mangelware. Und genau hier tritt Alin Coen auf den Plan.

Zweisprachig aufgewachsen auf einem Biobauernhof bei Stockholm, dort, nach eigener Aussage, erstmals, zwischen Kühen und Schafen in die Gitarre gegriffelt, und Lieder geschrieben. Alin Coen wirft eine gehörige Portion Hippie-Attitüde hinter das mit Spickzetteln beklebte Keyboard und frönt dieser in seltsam süßen bis komplett verwirrten Ansagen. Vielleicht muss das so sein. Die Bauernhof-Songs spielt sie bis heute, jetzt freilich mit Band und mehrmals überarbeitet.Die drei Musiker neben Alin Coen setzen alles daran, dass die Musik mehr ist als bloßes Begleitgedudel und arrangieren sich beinahe um den Verstand. Das ist ein wenig to much, zuviel des Guten. Denn im Vordergrund steht die Stimme, so ist das halt bei Songwritern. Und die Geschichten die sie erzählt. Auf deutsch ist das durchaus eindringlich und ungewöhnlich, auf englisch seltsam belanglos. Nichtsdestotrotz bleibt die Stimme im Ohr. Glockenklar. Voller Oppositionen. Eine Stimme die bewegt. Sich selbst und – in manchen Momenten – auch ihre Zuhörer.

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