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 Frido-Festival – Fridingen an der Donau – 01.06.2013

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Rock`N´Roll und Landleben passen hinten und vorne nicht zusammen. Denkt man. Im urbanen Nährboden der Großstädte pulsiert das wilde Leben. Weiß man. Nichtsdestotrotz haben einige mehr als elementare Bands und Bewegungen ihren Ursprung in den hintersten Provinznestern. Portishead benannten sich einst nach ihrem Heimatdorf an der wallischen Grenze und revolutionierten in der Folge im Handumdrehen die Welt der alternativen Musik mit ihrem TripHop, ein gewisser Kurt Cobain schleppte sich über Jahre in zerrissenen Jeans durch die Einöde der Holzfällerstadt Aberdeen, ehe er seine Grunge-Band Nirvana gründete – der Rest der Geschichte dürfte bekannt sein! In jedem Fall wird deutlich, dass auch ein dörfliches Umfeld definitiv Potential und brachliegende Energien für Projekte, Musik, Kunst und Veranstaltungen bietet.

Frido-Festival, Live, Fridingen an der Donau, Wämmeska, Dirty Age, The Prosecution, Ska, Rock´N´Roll, anna.log, Mighty and the jets, Fire On Dawson, Konzerte, Regen (4)Speziell in Süddeutschland entluden sich diese Energien in den letzten Jahre in einer Fülle von verschiedenen kleinen Festivalprojekte: Die Macher des NoStress hatten beispielsweise keine Lust mehr auf Festzeltgeschunkel und organisierten darauf hin in Eigenregie HipHop-Partys, die bald zu einem Festival mutierten, das heute Bands Genrelegenden wie Torch, Samy Deluxe oder MOP im Lineup präsentierte. Einen ähnlichen Weg streben die Macher des Frido-Festivals in Fridingen an der Donau an: Fridingen, am Fuße der schwäbischen Alb, hat dabei durchaus eine Festival-Traditionen – über viele Jahre hinweg nutzten verschiedene Veranstalter die malerischen Kulissen des Donautals für Open-Air-Veranstaltungen verschiedenster Färbung. An diese Tradition anknüpfend fand sich 2012 eine Truppe von Musik- und Festivalliebhabern aus Fridingen zusammen und begannen ihren Entwurf des Heimat-Rock´N´Roll auszuformulieren. Das Motto ist klar: Nicht meckern, selber machen!

Leider stand die erste Ausgabe des Frido-Festivals unter einem miesen meteorologischen Stern. Angesichts der grauenerregenden Wettervorhersagen zogen die Frido-Macher die Handbremse und verlegten die Veranstaltung vom ursprünglich angedachten Gelände in die Fridinger Festhalle – ein mutige, auf den ersten Blick unpopuläre, aber auch konsequente Entscheidung. Denn an einem Wochenende wo in ganz Deutschland Veranstaltungen und auch Festivals buchstäblich untergingen, machte das Frido-Festival aus der Not eine Tugend. Die weitläufige Fridinger Festhalle wurde durch Bars, Einkaufstände und Technik komprimiert und auf eine regelrechte Clubkonstellation zurechtgestutzt. Entsprechend dicht waren die Stimmung, der Sound und die Atmosphäre während des gesamten Festival – angesichts der kurzfristigen radikalen Umplanungen ein echter Coup der Veranstalter, die nicht ohne Grund von den international erprobten „Fire On Dawson“ nachhaltig gelobt wurden: „Das heute ist die vielleicht bestorganisierteste Veranstaltung die wir bislang gespielt haben.“ Bei allem logistischen Aufwand, über die Qualität eines Festivals entscheidet schlussendlich die Musik. Und an Musik gab es so einiges auf die Ohren – bemerkenswert hierbei war vor allem die klare Ausrichtung des Frido-Lineups, das aber trotzdem eine Fülle von Spielarten und Variationen offenbarte. Eine homogene, kurzweilige und spannende Mischung. Chapeau!

Frido-Festival, Live, Fridingen an der Donau, Wämmeska, Dirty Age, The Prosecution, Ska, Rock´N´Roll, anna.log, Mighty and the jets, Fire On Dawson, Konzerte, Regen (7)Den Auftakt machten zwei Lokalmatadoren. Zunächst marschieren „anna.log“ auf die Bühne. Das Trio aus Tuttlingen hatte sich seinen Platz im LineUp per Onlineabstimmung gesichert – am Frido zeigen sie wieso. Die Band verzichtet auf alle Effekte und spielt in der grundlegendsten Besetzung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug eine solide Rockshow mit viel Herzblut und ohne überflüssigen Schnickschnack.

Frido-Festival, Live, Fridingen an der Donau, Wämmeska, Dirty Age, The Prosecution, Ska, Rock´N´Roll, anna.log, Mighty and the jets, Fire On Dawson, Konzerte, Regen (11)Wämmeska“ stammen direkt aus Fridingen und sind entsprechend engmaschig mit dem Frido-Festival verzahnt. Der Band aus dem Donautal gelang es in der sowieso von Wortspielen übersprudelnden Bandnamen-Welt des Skas ein echtes Ausrufezeichen zu setzen: Der schwäbische Ausspruch „Wämmeska“ heißt ins Hochdeutsche übersetzt soviel wie „Wenn man es kann!“. Auch abseits der Namensfindung geizt die Truppe nicht mit Kreativität – neben teilweise schwäbischen Texten, Choreografien, unzähligen Instrumentenwechsel (inklusive Mundharmonika-Einsatz) bietet der eigens entwickelte „Fuchstrott-Speedpop“ vor allen Dingen Live eine ganz Palette von Überraschungsmomenten und sorgt in Kombination mit einem textsicheren, euphorischen Publikum für ordentlich Stimmung.

Frido-Festival, Live, Fridingen an der Donau, Wämmeska, Dirty Age, The Prosecution, Ska, Rock´N´Roll, anna.log, Mighty and the jets, Fire On Dawson, Konzerte, Regen (16)In der Folge setzen „Mighty And The Jets“ musikalische Kontrastpunkte. Die Truppe spielt eine soldie Indie-Nummer, die sich direkt auf die großen britischen Helden beruft. Zwar fehlt es ein bisschen an „gallagherschen“ Arroganz und „albarnschen“ Größenwahn, aber handwerklich gibt’s absolut nichts zu meckern. 

Frido-Festival, Live, Fridingen an der Donau, Wämmeska, Dirty Age, The Prosecution, Ska, Rock´N´Roll, anna.log, Mighty and the jets, Fire On Dawson, Konzerte, Regen (20)Fire On Dawson indes sind was die musikalische Konzeption angeht, die aufregendste Truppe im Lineup. Die Band spielt einen poetischen, vielgliedrigen Prog-Rock mit direkt Verbindung in Richtung Dredg oder Deftones. Live offenbart sich dabei ein konzentrierter, beinharter musikalischer Unterbau, der immer wieder in bluesigen Zwischenstücken, ruhigeren Momenten und wilden Jamminuten zerfließt. Im Kontrast dazu installiert sich die  Stimme von Sänger Ankur, die auch vor sehr hohen Gefilden nicht zurückschreckt. Eine solche Mischung aus harten Prog und einer variabler Stimme bewegt sich vor allen Dingen live auf einem sehr schmalen Grad, den selbst Szenegrößen wie die Deftones nicht immer einwandfrei meistern. In Fridingen schafft es die Soundlage leider nicht ganz diesem Konstrukt gerecht zu werden – nichtsdestotrotz gehen im Speziellen die härteren Momente des Konzerts mehr als ordentlich nach vorne. Kein Wunder also, das Fire On Dawson unter anderem in Indien für mächtig Furore sorgen (siehe Video). Stark!

 

Frido-Festival, Live, Fridingen an der Donau, Wämmeska, Dirty Age, The Prosecution, Ska, Rock´N´Roll, anna.log, Mighty and the jets, Fire On Dawson, Konzerte, Regen (31)Nach den beiden experimentelleren Konzerten gibt es zum Abschluss des Festivals noch eine mächtige Portion tanzbarer Mucke auf die Festival-Teller. Sollte der ein oder andere nach dem Genuss von zu viel Korea an der Bar eingenickt sein, mit den ersten Akkorden von „Dirty Age“ hat sich alles Rauschausschlafen definitiv erledigt. Zack, Rock´N´Roll. Straight, laut, dreckig, kompromisslos und ohne Rücksicht auf die Fresse. Sänger Daniel Freud ist eine echte Rampensau, einer, der sei Publikum wie eine Bowling-Kugel mitreißt. Darüber hinaus gibt es Solo an Solo, Gitarren-Gejaule und Schlagzeug-Schrammeleien. Old School, alte Schule. Nicht mehr und nicht weniger – und das ist in Zeiten von elektronischen Spielereien, Experimenten, Kaugummi-Pop ein mehr als erfrischendes Gegenprogramm.

Frido-Festival, Live, Fridingen an der Donau, Wämmeska, Dirty Age, The Prosecution, Ska, Rock´N´Roll, anna.log, Mighty and the jets, Fire On Dawson, Konzerte, RegenZum Abschluss beweisen „The Prosecution“, dass sie absolut berechtigt auf den Headliner-Posten gesetzt worden waren. Der bayrische Achter spielt einen Ska amerikanischer Färbung – sprich eng verknüpft mit Punkrock und Skatepunk. Sieben Mann bauen sich direkt am Bühnenrand auf – zwei Gitarren und ein Bass sorgen für die Grundlagen, die dann von eine dreiköpfigen Bläserkombi dynamisiert und erweitert wird. Tanzbarer geht es nicht und entsprechend entspinnt sich vor der Bühne erste Tanz-Wellen, die sich im Sekundentakt zu einem echten Tsunami ausweiten. Diese immense Livepower hatte die Band ins Vorprogramm von Reel Big Fish und NOFX gespült – wir reden hier von erster Ska-Liga! Und angesichts der schieren Power könnte man „The Prosecution“ in den kommenden Jahren durchaus den Sprung auf den Ska-Thron der Busters zutrauen! Man darf gespannt sein. (Im Anhang findet ihr ein Kurzinterview mit dem Frido-Headliner!)

Bei aller Freude und Begeisterung muss an dieser Stelle mit Blick auf die kommenden Jahre aber leider ein wenig auf die Euphoriebremse getreten werden – und das hat rein gar nichts mit dem Festival an sich zu tun. Doch Veranstaltungen wie das Frido – Festivals, die richtige Bands buchen, in einem Umfeld, in der Cover-Bands massenhaft Hallen füllen könnten – bewegen sich leider Gottes auf einem schmalen Grat. Ein schlechtes Jahr, ein Minusgeschäft und der Traum ist ausgeträumt. In Scheer bei Sigmaringen musste vergangenes Jahr das renommierte Klangbadfestival (organisiert von Krautrocklegende Hans-Joachim Irmler und von Magazinen wie der Spex zur Lieblingsveranstaltung erklärt) die Segel streichen, weil der Landkreis die Unterstützung kappte und diese in das naheliegende Sigmaringen Open-Air mit Acts der Marke Tim Benzko oder Milow pumpte. Und genau vor diesem Hintergrund sollte die erste (und trotz aller widrigen Umstände) mehr als gelungene Ausgabe des Frido-Festivals ein Signal in Richtung Stadt, Landkreis und Kulturämter setzen, solche Veranstaltungen in Zukunft bedingslos zu unterstzützen. Denn der Rock´N`Roll braucht das Dorf. Und das Dorf braucht Rock´N`Roll.

Update: Kurzinterview mit „The Prosecution“:

Ganz kurz: euer Resümee zum Frido Festival?
Stefan: „FridoFestival war absolute Spitze, Anfangs war das Publikum ein bisschen schwer zu knacken! Aber die Show hat richtig viel Spaß gemacht und hat sich zu einer richtig brodelnden Party entwickelt!
Auch an die Veranstalter: Hut ab! Alles total spitze durchgeplant! Und natürlich absolut richtige Entscheidung, das Ding nach drinnen zu verlegen. Hat mich total gefreut, die Jungs von Wämmeska besser kennenzulernen.

Ihr wart auf Tour? Wie war das? Highlights?
„Wir sind ja eigentlich ständig auf Tour, nur, dass wir unter der Woche zum studieren heim müssen.
Aber ja stimmt, an dem Wochenende mit dem Frido Festival waren wir seit Mittwoch unterwegs. Wir haben in Amberg, Kiel, Lübeck und eben Fridingen gespielt. Abwechslungsreicher konnte die Tour gar nicht sein. In Amberg haben wir auf einem Campusfest gespielt, die komplette Veranstaltung war total verregnet, und die Tontechnik absolut zum kotzen. Glücklicherweise konnten wir das Segel rumreißen und doch noch ein gutes Konzert spielen. Naja, zumindest 20 min – dann kam nämliche die Polizei. Das war sozusagen der Tiefpunkt der Tour.
Die anderen drei Konzerte waren alle auf ihre auf ihre Art und Weise ein Highlight. Kiel: Kleine Clubshow mit 70 Zuschauern, der Laden war damit voll. Schweiß tropft von der Decke & alles riecht nach Bier. Wunderbar sowas! Lübeck: Nachmittagsausflug zur Ostsee. Baden, während es in Bayern regnet. Und dann der Traum einer Ska-Band bei Sonnenschein auf einer Open-Air Bühne vor ca 2000 Leuten spielen.
Fridingen: Headliner-Show. Große Party. Mega gute Bühnentechnik. Große Fete. Das ganze abgerundet mit schöner Feierei zum Schluss (die Reste der Schnapsbar haben wir gerne vernichtet).

Wo hin soll die Reise von The Prosecution noch gehen? Was habt ihr für Ziele? Was habt ihr für musikalische Visionen?
Um ehrlich zu sein sind wir gerade ein bisschen ziellos, alle Träume von uns gehen gerade in Erfüllung: Wir haben bei einem bekannten Skalabel unser neues Album rausgebracht. Dicky Barrett von den Mighty Mighty Bosstones (Skacore-Legende) hat auf unserem Album mitgesungen. Wir waren mit einer großen amerikanischen Band (Reel Big Fish) auf Tour. Und in paar Wochen dürfen wir mit NOFX eine Show spielen. Außerdem spielen wir jedes Wochenende grandiose Shows. Wir könnens noch gar nicht wirklich fassen!
Richtig cool wären für die Zukunft Tourneen im Ausland und, dass vielleicht mal ein bisschen Geld für den Einzelnen übrig bleibt.

All die großartigen Bilder hat mein Kollege Matthias Merk geschossen. Schaut auf seinen Flickr-Stream (Klick!)

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The Busters – Eurokonstantia – Konstanz

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Es gibt weltweit ziemlich genau zwei Perimeter, die alle Völker und Länder gleichermaßen verstehen, akzeptieren und zusammenbringen: Sport und Musik. Natürlich gibt es dabei je nach Kultur elementare Einschnitte und Unterschiede, unterschiedlichste Geschmäcker und Konstellation, der Grundtenor bleibt aber immer ein ähnlicher. Sport und Musik sind die beiden Bausteine, die immer in der Lage sind, einen Dialog (und seien lautstarke bis handgreifliche Fachsimpeleien oder schweißtreibende Pogo-Kreise) zu fördern. Vergangenes Wochenende offenbarte sich im Umfeld der Uni-Konstanz eine bemerkenswerte Verzahnung der verhandelten Diskurse: Die Eurokonstantia.

Die Eurokonstantia ist ein internationales Hochschulsportturnier, bei welchem sich Unimannschaften aus der ganzen Welt und insgesamt 900 Sportler in den verschiedensten Sportarten messen. Dabei präsentierten sich sowohl die Klassiker wie Handball, Basketball und Fußball, aber auch Trendsportarten wie Beachvolleyball oder exotische Wettkämpfe wie Rugby oder Lacrosse. 2013 waren unter anderem Mannschaften aus dem Libanon und der Türkei nach Konstanz gereist. Mittags gilt es im (mal mehr, mal weniger) beinharten Wettkampf Konstanzer Dreck zu fressen, abends geht es zusammen ans Wasser, in die Kneipen, in die Clubs. Der internationale Austausch steht hier absolut im Vordergrund.Neu war heuer die sogenannte „Rocknacht“, die Samstagabend in akuter Nähe zu Spielstätten stattfand. Während in den letzten Jahren Coverbands das Turnier bespielten, hatte 2013 ein studentisches Projektteam ein professionelles Konzertprogramm gestaltet und die altehrwürdigen Busters gebucht.

Die Verpflichtung von Deutschlands prägendster Skaband machte aus den ganz verschiedenen Gesichtspunkten Sinn: Zum einen liefern Skabands in der Regel einen tanzbaren und partytauglichen Soundtrack – zum anderen ist Ska ein absolut globales Phänomen. Entstanden ist die Musikrichtung in der Karibik, genauer auf Jamaika. Dort, im positiven Kraftfeld der frisch erlangten musikalischen Freiheit, entstand ein Sound, der sich zunächst ein unverkrampfter, lockerer Gegenentwurf zum amerikanischen Rock`N`Roll verstand. Während die Insel in der Folge in erster Linie für Reggae bekannt wurde, schwappte das Phänomen Ska mit der sogenannten zweiten Welle nach Großbritannien, in ein Umfeld, das sich kaum krasser von entspannten Sommerklima in der Karibik unterscheiden könnte. Ende der 70er Jahre entstand im verregneten England der bis heute legendäre 2-Tone, der die jamaikanischen Ansätze ansatzlos durch der Mixer trieb und mit deftigen Portionen der aufkommenden Punk-Bewegung würzte. In der Folge waren es eben diese beiden Pole (die Leichtigkeit des jamaikanischen Skas und die Härte und Kompromisslosigkeit der britischen Version) die die große Anziehungskraft des Ska ausmachten und dazu führten, dass auf der ganzen Welt Ska-Bands wie Pilze aus dem Boden schossen. In der Tat gibt es kaum ein Land, dass nicht sein eigenes Ska-Flagschiff produziert hat: Italien hat Persiana Jones, Spanien hat Ska-P, Frankreich hat Babylon Circus, die Türkei hat Athena, Argentinien hat Karamelo Santo, Russland hat Leningrad. Und Deutschland hat eben die Busters.

Interessant ist auch die Tatsache, dass Ska in Deutschland keinesfalls ein urbanes Phänomen ist: Die bekanntesten Formationen des Landes entstammen oft aus einem dörflichen Umfeld. Und auch die Busters haben ihre Wurzeln im beschaulichen Wiesloch bei Heidelberg. 1987 gründeten sich das Ska-Orchester, in der Folge kam es über die Jahre zu zahlreichen Personalwechseln, bis sich die aktuelle Besetzung bei zehn Mann einpendelte. Die große Konstante blieb die Musik. 16 Platten haben die Busters mittlerweile mit brettharten, eingängigen Skasound gefüllt, die volle Energiepalette liefern aber die Liveauftritte. Das offenbart sich auch definitiv in Konstanz. Nachdem die angenehme Vorband „Acombo“ im feinen Zwirn den Abend eröffnet hat, schleichen die Turnierteilnehmer (darunter ein Rugby-Team in hautengen Cheerleading-Outfits) verhalten in Richtung Bühne. Vor allem die internationalen Sportler wissen zunächst nicht so richtig, wie ihnen geschieht – bezeichnenderweise zeigt eine spontane Kurzumfrage von Sänger Ron Marsman, das zu Beginn des Konzertes gefühlte neun Zehntel des Publikums deutsch sprechen. Das ändert sich aber schnell. Die Busters spielen eine absolut solide Show: Die grundlegenden, langsame Schlagzeugbeats explodieren immer wieder in konzentrierten Gesangsparts, ehe die dominante, erbarmungslose Bläserformation das Kommando übernimmt. Diese Bläserarrangements sind es auch, die die Energie zünden, ausformulieren und aufs Publikum übertragen. Und bei aller berechtigter Kritik und allen unberechtigten Vorurteilen, die sich die Eintönigkeit des Skas und auch der Busters vorknöpfen, in diesem Rahmen, an diesem internationalen, lauwarmen Vorsommerabend am Bodensee, passt Ska wie die allegorischer Faust aufs Auge. Völlig egal ob Cheerleader, Rugbyspieler, Handballer, Türke, Libanese, Italiener, Aktiver, Passiver, Organisator, Barkeeper, Sportler, Trinker: Am Ende springt das ganze Zelt – wen interessiert da der musikalische Mehrwert?

Und so entsteht eine einzigartige Symbiose aus Musik, Sport und Party. Ein Sportfestival, ein Skaturnier, ein internationaler Austausch, das Grenzn überbrückt, Brücken schlägt. Erste Sahne.

Als finales sportliches Schmankerl gibts noch das Video vom Rugby-Finale der Eurokonstantia, das vor allen Dingen in den letzten Minuten ganz wunderbar Fairness und Spaß transportiert:

Die Bilder in der Galerie stammen von Christian Harz (Genuss-Fotografie). Weitere Bilder von den Sportevents und auch vom Konzert findet ihr auf der Facebook-Präsenz der Eurokonstantia (Klick!)

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