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The Busters – Eurokonstantia – Konstanz

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Es gibt weltweit ziemlich genau zwei Perimeter, die alle Völker und Länder gleichermaßen verstehen, akzeptieren und zusammenbringen: Sport und Musik. Natürlich gibt es dabei je nach Kultur elementare Einschnitte und Unterschiede, unterschiedlichste Geschmäcker und Konstellation, der Grundtenor bleibt aber immer ein ähnlicher. Sport und Musik sind die beiden Bausteine, die immer in der Lage sind, einen Dialog (und seien lautstarke bis handgreifliche Fachsimpeleien oder schweißtreibende Pogo-Kreise) zu fördern. Vergangenes Wochenende offenbarte sich im Umfeld der Uni-Konstanz eine bemerkenswerte Verzahnung der verhandelten Diskurse: Die Eurokonstantia.

Die Eurokonstantia ist ein internationales Hochschulsportturnier, bei welchem sich Unimannschaften aus der ganzen Welt und insgesamt 900 Sportler in den verschiedensten Sportarten messen. Dabei präsentierten sich sowohl die Klassiker wie Handball, Basketball und Fußball, aber auch Trendsportarten wie Beachvolleyball oder exotische Wettkämpfe wie Rugby oder Lacrosse. 2013 waren unter anderem Mannschaften aus dem Libanon und der Türkei nach Konstanz gereist. Mittags gilt es im (mal mehr, mal weniger) beinharten Wettkampf Konstanzer Dreck zu fressen, abends geht es zusammen ans Wasser, in die Kneipen, in die Clubs. Der internationale Austausch steht hier absolut im Vordergrund.Neu war heuer die sogenannte „Rocknacht“, die Samstagabend in akuter Nähe zu Spielstätten stattfand. Während in den letzten Jahren Coverbands das Turnier bespielten, hatte 2013 ein studentisches Projektteam ein professionelles Konzertprogramm gestaltet und die altehrwürdigen Busters gebucht.

Die Verpflichtung von Deutschlands prägendster Skaband machte aus den ganz verschiedenen Gesichtspunkten Sinn: Zum einen liefern Skabands in der Regel einen tanzbaren und partytauglichen Soundtrack – zum anderen ist Ska ein absolut globales Phänomen. Entstanden ist die Musikrichtung in der Karibik, genauer auf Jamaika. Dort, im positiven Kraftfeld der frisch erlangten musikalischen Freiheit, entstand ein Sound, der sich zunächst ein unverkrampfter, lockerer Gegenentwurf zum amerikanischen Rock`N`Roll verstand. Während die Insel in der Folge in erster Linie für Reggae bekannt wurde, schwappte das Phänomen Ska mit der sogenannten zweiten Welle nach Großbritannien, in ein Umfeld, das sich kaum krasser von entspannten Sommerklima in der Karibik unterscheiden könnte. Ende der 70er Jahre entstand im verregneten England der bis heute legendäre 2-Tone, der die jamaikanischen Ansätze ansatzlos durch der Mixer trieb und mit deftigen Portionen der aufkommenden Punk-Bewegung würzte. In der Folge waren es eben diese beiden Pole (die Leichtigkeit des jamaikanischen Skas und die Härte und Kompromisslosigkeit der britischen Version) die die große Anziehungskraft des Ska ausmachten und dazu führten, dass auf der ganzen Welt Ska-Bands wie Pilze aus dem Boden schossen. In der Tat gibt es kaum ein Land, dass nicht sein eigenes Ska-Flagschiff produziert hat: Italien hat Persiana Jones, Spanien hat Ska-P, Frankreich hat Babylon Circus, die Türkei hat Athena, Argentinien hat Karamelo Santo, Russland hat Leningrad. Und Deutschland hat eben die Busters.

Interessant ist auch die Tatsache, dass Ska in Deutschland keinesfalls ein urbanes Phänomen ist: Die bekanntesten Formationen des Landes entstammen oft aus einem dörflichen Umfeld. Und auch die Busters haben ihre Wurzeln im beschaulichen Wiesloch bei Heidelberg. 1987 gründeten sich das Ska-Orchester, in der Folge kam es über die Jahre zu zahlreichen Personalwechseln, bis sich die aktuelle Besetzung bei zehn Mann einpendelte. Die große Konstante blieb die Musik. 16 Platten haben die Busters mittlerweile mit brettharten, eingängigen Skasound gefüllt, die volle Energiepalette liefern aber die Liveauftritte. Das offenbart sich auch definitiv in Konstanz. Nachdem die angenehme Vorband „Acombo“ im feinen Zwirn den Abend eröffnet hat, schleichen die Turnierteilnehmer (darunter ein Rugby-Team in hautengen Cheerleading-Outfits) verhalten in Richtung Bühne. Vor allem die internationalen Sportler wissen zunächst nicht so richtig, wie ihnen geschieht – bezeichnenderweise zeigt eine spontane Kurzumfrage von Sänger Ron Marsman, das zu Beginn des Konzertes gefühlte neun Zehntel des Publikums deutsch sprechen. Das ändert sich aber schnell. Die Busters spielen eine absolut solide Show: Die grundlegenden, langsame Schlagzeugbeats explodieren immer wieder in konzentrierten Gesangsparts, ehe die dominante, erbarmungslose Bläserformation das Kommando übernimmt. Diese Bläserarrangements sind es auch, die die Energie zünden, ausformulieren und aufs Publikum übertragen. Und bei aller berechtigter Kritik und allen unberechtigten Vorurteilen, die sich die Eintönigkeit des Skas und auch der Busters vorknöpfen, in diesem Rahmen, an diesem internationalen, lauwarmen Vorsommerabend am Bodensee, passt Ska wie die allegorischer Faust aufs Auge. Völlig egal ob Cheerleader, Rugbyspieler, Handballer, Türke, Libanese, Italiener, Aktiver, Passiver, Organisator, Barkeeper, Sportler, Trinker: Am Ende springt das ganze Zelt – wen interessiert da der musikalische Mehrwert?

Und so entsteht eine einzigartige Symbiose aus Musik, Sport und Party. Ein Sportfestival, ein Skaturnier, ein internationaler Austausch, das Grenzn überbrückt, Brücken schlägt. Erste Sahne.

Als finales sportliches Schmankerl gibts noch das Video vom Rugby-Finale der Eurokonstantia, das vor allen Dingen in den letzten Minuten ganz wunderbar Fairness und Spaß transportiert:

Die Bilder in der Galerie stammen von Christian Harz (Genuss-Fotografie). Weitere Bilder von den Sportevents und auch vom Konzert findet ihr auf der Facebook-Präsenz der Eurokonstantia (Klick!)

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