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Normalerweise spricht man bei einer Vernissage über einen Anfang. Über das Beginnen und Starten. Oder aber: über das Ende, das Finale eines jetzt eingefrorenen Prozesses, der sich nun, in sich abgeschlossen, präsentiert und zur Schau stellt. Aber heute soll’s nicht ums Anfangen gehen. Und nicht ums Enden. Sondern um das Dazwischen.

Um konkrete Kerben, um die Risse im Asphalt. Um offenstehende Zahnlücken, die uns breitgrinsend anlächeln.

„I know i was born and i know i will die / the inbetween is mine“, sang einst Pearl Jam Frontmann Eddie Vedder, frei übersetzt: ich weiß, dass ich geboren wurde und ich weiß, dass ich sterben werden, aber das dazwischen gehört mir.

Trotzdem sprechen wir viel zu selten über die Zwischenräume, weil sie uns wahrscheinlich nicht glamourös und dramatisch genug sind. Ein Beginn steckt voller brachliegender Energie, die sogleich in alle Richtungen ausbersten wird – und das Ende fasziniert uns, weil es eben final ist, weil es den Schlusspunkt und die Pointen setzt. Der Anfang entzündet die Erwartungen, das Ende bündelt und (im Fall von Kunst) verrätselt sie. Das Dazwischen aber, naja, da kann man auch darüber hinweg sehen.

Jeder Hollywood-Blockbuster setzt alles daran, dass es besonders zu Beginn und kurz vorm Abspann so richtig scheppert, weil das die Momente sind, in denen die Aufmerksamkeitsspanne am höchsten ist. Der britischen Sprachwissenschaftler Graham Rawlinson entdeckte indes bereits 1976 an der Universität von Nottingham, dass die Reihenfolge der Buchstaben in einem Wort keine besonders große Rolle spielt, solange der erste und der letzte Letter fest verankert stehen. Das Dazwischen aber lässt sich willkürlich durcheinander werfen, ohne dass es für das geübte Gehirn ein Problem darstellen würde.

Warum also überhaupt über Zwischenräume sprechen?

Die Antwort darauf ist einfach: Anfang und Ende sind berechenbar. Langweilig. Tausendfach gehört, besprochen, durchdacht und erlebt. Aber das Dazwischen, das verformte, die Randnotizen und Fußnoten, die bleiben oft verborgen und verschluckt.  Aber wenn sie hier in einer der Wohnungen anfangen den Putz abzukratzen, dann purzeln ihnen die Begriffe nur so entgegen: Überschichtung, Sedimente, Segmentierung, fiktionale Archäologie, Ethnogeologie und Ethnopoesie. Soll heißen: Hier, im Dazwischen, da spielt sich das wahre, greifbare, pulsierende und pumpende Leben ab … und überhaupt: wenn wir das Dazwischen in seine Konnotationsebenen zerlegen, dann landen wir ganz schnell bei dazwischenfunken. Eingreifen. Sich bemerkbar machen.

In der Informatik, das spült mir Wikipedia in die Recherche, steht der Zwischenraum für nicht dargestellte Zeichen. Ein Leerraum. Whitespace. Und von hier aus ist es nicht mehr besonders weit zum weißen Rauschen – sowieso ein Lieblingsbegriff, weil er immer wieder auftaucht und immer wieder passt.  Sie wissen schon: Alles, aber auch nichts. Aber gleichzeitig. Auch hier, in der Romeiasstraße, galt es, den Whitespace mit Bedeutung zu füllen und den Überschuss an Informationen zu filtern, bis sich wieder Kontraste und Konturen abzeichneten. Arte Romeais ist eine Umcodierung, eine Befreiung von Zeichen aus ihrem festen und vielleicht festgefahrenen Rahmen.

Der Sänger der Einstürzenden Neubauten, Blixa Bargeld, bezeichnete Architektur einst als Geiselnahme. Weil sie nach ganz klaren Regeln funktioniert und funktionieren muss.

Parkourläufer, Freerunner, Fassadenkletterer und Graffitikünstler hacken Architektur –

und hier, in der Kunst, da sind wir die Verhandlungsführer und schlussendliche Befreier. Wir stürzen uns ins weiße Rauschen und schwimmen und tauchen und spritzen damit herum wie Bodensee-Badegäste an einem heißen Sommertag. Voller Lust an der Bedeutung und der Nicht-Bedeutung.

Und yes, ja: wir sind Nomaden. Alle Künstler sind Nomaden. Das waren wir schon immer, also im Kopf. Zelte aufbauen, wirken, bauen, denken, malen, schreiben, einreissen, zereissen, zeichnen, formen, hämmern, klopfen, klatschen. Zelte abbauen. Weiterziehen. Und von vorne. Enden. Anfangen. Ende! Neu! einstürzENDE NEUbauten (=passt ja). Und dazwischen? Na, Prozess, was auch sonst! Aber heute, da ist das Nomadentum durchdringender und präsenter geworden. Kunst, die früher endlos schien und stetig nach Unsterblichkeit strebte, agiert heute anders. Schneller, vitaler, energetischer. Gieriger! Die Frage nach Raum wird immer wichtiger. Was aber ist Raum? Für uns in Europa gilt es als Standard und Grundrecht, dass jeder Mensch seinen Raum besitzt. Einen Rückzugsort, an dem er alleine sein kann und darf, abseits aller Kommunikationsstränge und Dialogschlingen.

In der Mongolei, dort wo es die letzten wirklichen Nomaden gibt, spielt Raum keine Rolle. Er ist sowieso überall. Die ewige Weite der Wüste Gobi erstreckt sich in alle Richtungen, soweit das Auge reicht. Und 5, 10, 15 Menschen leben auf engsten Raum in der Jurte, die allzeit verschiebbar ist. Im Umkehrschluss: Raum kann alles sein. Du musst dich nur auf ihn einlassen und ihn für dich definieren, umschreiben und einehmen.

Und natürlich müssen wir über Transformation sprechen. Über Wandlungen und Verwandlungen. Sie wissen: hässliche Entlein und schöne Schwäne. Und viel interessanter: anders herum. Wenn das schneeweiße Gefieder des Schwanes seinen Glanz verliert und plötzlich wieder Graustufen aufweist, das Entlein aber plötzlich funky dasteht – aber davon hatten wir es ja schon. Meistens bedeutet Transformation ohnehin Zerfall! Das ist abhängig vom Blickwinkel. Wenn sich die Natur zurückholt, was ihr sowieso gehört. Und in Metamorphose steckt nicht umsonst das Meta – jede Umformung ist auch ein rückgewandter, poetologischer oder mindestens poetischer Kommentar über die Umformer und über uns selbst. Ich weiss leider nicht, wann Sie sich das letzte Mal verwandelt haben, aber ich kann ihnen nur raten: tun sie es schnellstmöglich wieder, den im Abstreifen des Ichs und Übersteifen eines Anderen liegt ein faszinierender Lustgewinn. Der mittlerweile tausendfach ausgelutschte Internetrohrkrepierer: „Ist das kunst oder kann das weg?“ scheint hier jedenfalls absolut obsolet: Ja, es ist Kunst. Und ja: es kommt weg.

Genau das ist doch das Schöne und Faszinierende, das uns magnetisch in die Zwischenräume zieht. All diese Vorgänge trägt Arte Romeias in seiner DNA und wir alle haben heute das Glück, dass wir wie Molekularforscher durch die Blutbahnen dieses Projektes segeln können. Lasst euch von nichts aufhalten. Von nichts und niemandem. Diskutiert und streitet. Über die Kunst, und all die Rattenschwänze, die sie hinter sich herzieht! Lasst euch euphorisieren und nicht lang langweilen. Ein Hochfest der Vergänglichkeit! Werdet Teil von Arte Romeias!

Werdet Arte! Werdet Romeias!

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Und wies einem das Herz verissen hat, da hat der erstmal einen schrei losgelassen, dass mindestens drei leute gedacht haben: Trommelfellriss. Und dann ist er an die Bar und hat sich drei Jägermeister und ein Bier bestellt und sich den Hals runter geleert und wie die Bedienung grad nach links geguckt hat, schnappt er sich die wodkaflasche und zieht dran rum ein kälbe. Gierig. Und Lippen abgeleckt.Und dann nochmal von vorn. Und drei kippen dazu. there is a light somewhere. it may not be much light but it beats the darkness. „was guckst du denn so, als wenn die welt heute noch untergeht.“ sagt der eine der links von ihm hockt. Mit seiner zerfressenen fresse und den narben und ganz aufgedunsen. Und den hat er ignoriert. „kopf hoch. weißt du, es gibt immer einen weg. Du musst dich halt durchschlängeln irgendwie.“ und natürlich hats der suffkopf gut gemeint mit seinen ausgelatschten theorien und dem underberg, den er ihm rübergeschoben hat. Aber gebracht hat des halt gar nichts, denn wie ihm der underberg die speiseröhre runterrinnt und er kurz an kotzen denkt, da sagt er sich: du musst mir grad was von schlängeln erzählen, wie du hier hockst und das ganze hirn versoffen.

Und da hats ihn wieder gestochen in der herzgegend. richtig verschüttelt hats ihn und dann ist er zum schiffen. Raus. Raus! Und wie er dann da steht vor spiegel und mit sich selber spricht und die klatschnassen haare nach hinten schmiert und plötzlich eine wut auf sich bekommt, denkt er sich: jetzt bist du unten. Jetzt hält dich gar nix mehr. und da schlägt er seinen schädel mit voller wucht ihr richtung spiegelbild. Aber der spiegel: panzerglas. Oder so. weil nicht ein riss, nicht eine schramme. Der riss war nur am schädel und da ist ihm gleich ein strahl blut das gesicht runtergerieselt und direkt in den mund. Und das schmeckt dann so nach eisen und ganz und gar widerwärtig. Wobei seltsam eigentlich. Komisch eigentlich. Im ganzen körper pumpt doch das zeug. Und jetzt wars verschmiert wie eine kriegsbemalung. Und wieder rein. Rein. Weil Wirklich saufen kannst du doch eh nur in bars. I feel the same way about disco as I do about herpes. Und wie er dann rein ist hört er nur: „geh du mal nach hause, du versoffener volltrottl.“ und ohne groß zum überlegen, fischt er sich seine bierflasche, die war jetzt noch so halbdreiviertelvoll und ist immer noch auf dem tresen gestanden. und brettert sie in richtung des großmauls und verwischt ihn aber nur an der schulter. Und der hat ihm dann gleich die nase gebrochen. Builder vermutlich. Bodybuilder. Und da hat er sich auf ihn gestürzt und den hünen vom barhocker gefällt. und wie der dann da liegt. auf dem boden halt, da macht er nix wie dem muskelprotz das ganze dickflüßige nasenblut ins gesicht tropfen zu lassen.

und dann hockt er draussen (hausverbot und platzverweis) mit seinem gebrochenen herz und der gebrochenen nase und auch noch sein magen zu brechen anfängt. Also erbrechen. Dann schüttelt es ihn vor lachen und dann rennen ihm die tränen übers gesicht. Und dann schreit er ein bisschen und lacht dann wieder und kotzt dann nochmal. und dazu denkt er sich. Heute musst du ja schon froh sein, wenn du überhaupt irgendetwas spürst. irgendwas Der Irrsinn ist bei einzelnen etwas Seltenes – Und dazu biegt er sich die nase grade – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern und Zeiten. die Regel.

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