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Maria Taylor – Kulturladen Konstanz – 24.01.2012

Natürlich ist es eine schöne Sache, wenn zwei so astreine Künstler wie Conor Oberst und Maria Taylor zum Liebespaar verschmelzen – noch fruchtbarer ist es allerdings – und das schreibe ich aus purem Fan-Egoismus heraus, wenn sich die beiden dann trennen. Denn gebrochene Folk Herzen bedeuten entsprechende Musik, solche die einem die Tränen in die Augen treibt. Wenn schon leiden, dann aber richtig. Abgesehen von Maria Taylors wispernden Stimme herrscht im Kulturladen Totenstille. Und blickt man in die Gesichter der Konzertbesucher, erkennt man wirklich zu spüren wie jedem einzelnen so eine kratzige Sehnsucht in die Gehörgänge kriecht, bis tief runter ins Herz.

Der Support ist kein Support. Eigentlich ist das eher ein Festival. Den Anfang macht die „Flare Acoustic Arts League”, die eine Wolke unheilschwangeren Pop heraufbeschwören, die einem das Blut gefrieren lässt, gefolgt von „Unbunny“, einer geplagten Seele von Songwriter, der mit glockenheller Stimme der verflossene Liebe ein Denkmal ersingt. Ja, passender könnte man Hauptact wohl kaum den Weg breit treten.

Die Formulierung wirkt, angesichts der, trotz angedeuteten Babybauch so zierlichen Person, die sich da mittig auf der Kulturladenbühne einnistet, beinahe absurd, aber Maria Taylor ist ein echtes Schwergewicht der amerikanischen Folkszene.

Die Biografie der Sängerin, die sich vor allem als 50 % des weiblichen Duos Azure Ray einen Namen ersang, schreit dabei förmlich nach exzessiven Name-Dropping: Taylor ist eine Schwester im Geiste des REM-Frontmann Michael Stipe, sie musizierte mit den Bright Eyes (zu deren Mastermind Conor Oberst Maria eine zeitweilige Beziehung führte) und wurde von Elektro-König Moby regelrecht um eine Zusammenarbeit angefleht.

Die großen Namen pflastern zwar die Karriere der aus Alabama stammenden Künstlerin und trotzdem wandte sich Maria Taylor zu keiner Zeit von ihrem sperrigen Verständnis von Musik und Songwriting ab. Wohl aber vom Mainstream-Markt. Mehr noch: Wer mit dem Werk Azure Rays vertraut ist, reagiert oftmals einigermaßen irritiert auf Taylors Solostücke. Denn dort regiert das Experiment und der Erfindergeist. Taylor spielt mit Elektronik, werkelt an neuen Soundarten und lebte zuletzt die Möglichkeiten ihres Multiinstrumentalismus vollends aus.

Live ist dann wieder alles anders. Was für ein Hin und Her, ey! Kein Schnickschnack, kein elektronischen Versuche. Das verwundert zunächst, begeistert dann aber in seiner Klarheit und Abwechslung zusehends. Die Balladen zum schreien schön, dazu tonnenschwere Blues-Rock Nummern, so White Stripes“ mäßig, die dann wiederrum beinahe post-rock mäßig zerschellen und offene Münder hinterlassen. Und natürlich darf die Hommage an die weit entfernte Heimat nicht fehlen. Mit „Sweet Home Alabama“ hat das freilich wenig gemein. Taylors Kompositionen besitzen eine unbändigere Sehnsucht als der alte Schunken. Eine wilde Schönheit, die berührt.

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