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Posts Tagged ‘Wu-Tang Clan’

Openair Frauenfeld – Große Allmend – 08-10.07.2011

Zunächst einmal ein kleiner Aufschrei der Empörung: Nachdem bereits SAT 1 im Anschluss an das Southside-Festival eine haarsträubend unobjektive Doku in die deutsche Fernsehlandschaft knallte, zeigte nun das Schweizer Fernsehen ein ähnlich miserables Verständnis für die Faszination Festival. Saufen, Feiern, Saufen, so die Quintessenz des SF 2 Berichts über das Openair Frauenfeld. Und: „Weniger Topacts, dafür mehr Partyzelte.“ Nichts verstanden, Zitate in den flaschen, äh falschen Kontext gestellt, den Stones hintergeflennt und die eigene Unkenntnis wie der Kaiser ohne Kleider zur Schau getragen. Angesichts des Line-Ups eine Farce, denn das ist 2011 in Frauenfeld tiefer als je zuvor und bietet Perlen wie Blockbuster. Dazu ermöglicht der Timetable dem trainierten Musikfan wirklich jedes Konzert sehen zu können – von 11 Uhr morgens bis in die Nacht. Aber naja, wofür gibt’s denn Risse im Asphalt:

Atmosphere ist ein wunderbarer Festival-Opener. Die Formation aus Minneapolis besteht seit 1994 und beweist seither ein ausgesprochenes Gespür für ausgewogene Songs und exzellente Beats. Natürlich funktioniert das besser im Club als auf der ganz großen Bühne. Trotzdem: Sonne&Atmosphere. Läuft.

OFWGKTA – Odd Future Wolf Gang Kill Them All, ein Name wie in Stein gemeiselt. Hyperaktiv und gewaltig. Krank und Tripyy. Futuristisch. Rückständig. Gehyped. Kaputt. Die Ahnungslosen halten Tyler The Creator für Großmaul, ein verzogenes Kind. Sie sollten mal schleunigst die Scheiben rotieren lassen. Leider ist der Sound zu Beginn nicht optimal, zu verschwommen für die aufgespaltenen Beats der Gang. Dann stolpert allerdings Tyler himself mit riesigen Krücken auf die Bühne, platziert sich wie eine alte Jazz-Diva auf einem Barstuhl in der Mitte, während der Rest der Entourage komplett am Henkel dreht. Wolf Gang!

Zwar zeigt sich der Schauspieler Ice Cube für hanebüchene Meilensteine der Marke „xXx 2 – The Next Level“ oder den sechsfach für die Goldene Himbeere nominierten „Anaconda“ verantwortlich, den HipHop-Legendenstatus wird man ihn wohl trotzdem Zeit seines Lebens nicht aberkennen. Zu bahnbrechend war einst sein Schaffen bei N.W.A. – Niggers With Attitude an der Seite von Dr. Dre. Nach deren Auflösung folgten sechs Soloalben, keines erreichte auch nur anähernd das ursprüngliche Niveau. Egal! Am Frauenfeld gibt sich Ice Cube dann genau so wie man es erwartet. Ein bisschen zu prollig, ein bisschen zu klischeehaft, aber mit heftigen Beats und guter Stimmung. Passt doch!

Verjagt von der deutschen Festivallandschaft verkommt Bushidos Konzert leider zur akuten Lobhudelei und Dankbarkeitsbekundung an das schweizer Publikum. Das nervt. Gegen später spielt er seine brauchbaren alten Songs, da stehen wir aber schon an der Pommes Bude.

2011 ist Snoop Dogg immer noch omnipräsent im HipHop-Business. Er ist Filmstar, Produzent, gefragter Feature-Partner für aufkommende Superstars, Moderator und Modemacher. Snoop ist eine große Konstante, die selten überrascht und auch selten total enttäuscht – man weiß eben was man von Snoop zu erwarten hat! Entsprechend routiniert funktioniert auch Snoop Doggs Auftritt am Openair Frauenfeld. Die Bühnenshow ist auf Hochglanz getrimmt und eine überdimensionale Leinwand prangt mittig in der Bühne. Sie dient dem DJ als größenwahnsinniges DJ Pult und wird darüber hinaus mit Filmchen bespielt, die Snoop einmal mehr als den weltgrößten Pimp und Gangster zeigen. Er spielt sich souverän durch seine Listen von Hits, ein bisschen Oldschool von früher, ein wenig House von heute – und das Publikum hat definitiv Grund zu feiern.

Kool Savas Auftritt lässt Bushidos Konzert noch ein wenig schlechter da stehen. Denn der King zieht alle Register und zeigt all seine Skillz. Als Sahnehäubchen gibt’s noch Olli Banjo (praktisch als Kay One Gegenpart – mehr muss man eigentlich nicht sagen). Und damit eine geballte Faust deutsche HipHop Geschichte. Gegen Ende darf das Frauenfeld noch einen Part fürs kommende Soloalbum einsingen und das zementiert dann endgültig die großartige Klangkulisse. Das tut man sich auch mal komplett durchnässt mit Reißwolf an.

Yelawolf ist ein Derwisch. Ein Punk. Eine tätowierte Acidversion von Eminem. So schnell, dass einem die Ohren wackeln, so präzise, dass deine Pupillen pumpen. Keine Frage: Die Überraschung des Festivals. (Da hat er sich auch das Titelbild allemal verdient! – Den Aufruf: REINHÖREN ja sowieso).

Bämm! Big Boi spielt Outcast Klassiker. Damit ist eigentlich alles gesagt. Der kleine Mann gibt sich alle Mühe und spielt ein ordentliches Konzert, aber insgesamt ist das dann halt doch ein wenig so, wie wenn man sich Chris Cornell oder Serj Tankian anschaut. Da fehlt was und zwar einiges. Unser Vorschlag: Nächstes Jahr wiedervereinigen und ab auf den Headliner-Slot.

Meine Fresse, wie oft haben wir alle schon auf „Ante Up“ gefeiert. Entsprechend wartet ein Großteil der Crowd natürlich auf den Überhit von M.O.P., die sich an einer großen Kulisse erfreuen dürfen. Solide Nummer.

Ich gestehe reumütig. The Roots haben wir im Sitzen genossen. Weit hinten, mitten in den trockenen Holzschnitzeln, gewasted, aber glücklich. Deshalb gibt’s zum Konzert leider nicht allzu viel zu sagen. Außer: Das Gehörte war natürlich großartig und aller Respekt geht an Questlove für sein Talent und sein übertriebenes Arbeitspensum.

Der Wu-Tang Clan ist so etwas wie die Ursuppe der Ostküste. RZA, Method Man, Raekwon, Ghostface Killah und wie sie alle heißen, sie alle haben mächtige Karrieren hingelegt. Vereint ist der Wu-Tang Clan aber nach wie vor die mächtigse Dynastie der HipHop-Welt. Der Clan liefert auch am Frauenfeld spielerisch seine ureigene Interpretation des HipHop-Konstrukts ab, inklusive einer fast zeremoniellen Huldigung an die verstorbenen Helden der Szene (und natürlich an Ol´ Dirty Bastard) – zehntausende Hände sprießen zum obligatorischen „W“ in die Höhe. „Wu-tang Clan ain’t nothing to fuck with!“

Nach der Absage von Mos Def blieb von Blackstar leider nur Talib Kweli übrig. Der spielt zwar eine tolle Show, schafft es aber freilich nicht ganz den Schatten seines eigenen Projektes hinter sich zu lassen. Der Sound ist kristallklar, der Künstler top gelaunt. Zumindest bis ihm Cypress Hill den Saft abdreht und das Mikro auf dem Bühnenboden aufschlägt.

Zum Abschluss gibt es dann noch Cypress Hill, die großen Experimenteure und Brückenbauer. Die Formation um die beiden Rappern B-Real und Sen Dog streckt seit ihrer Gründung 1991 stetig ihre Fühler in die unterschiedlichsten Richtungen aus und zelebriert im speziellen eine einzigartige Verbrüderung des HipHops mit dem Rock. Die Kalifornier arbeiteten bereits mit Größen wie Rage Against The Machine oder auch Pearl Jam und so nimmt die Gitarre bei Cypress Hill einen ähnlichen Stellenwert wie der klassische Beat ein. Zwar spielt Cypress Hill in Frauenfeld ohne Live-Band, dafür haben sie mit DJ Muggs einen echten Meister seines Fachs in ihren Reihen, der aktiv von Perkussionist Eric Bobo unterstützt wird. „Insane In The Brain“, „How I Just Killed A Man“, „Dr. Greenthumb“ – Cypress Hill spielen ihre All-Time Klassiker und zeigen sich überwältigt von der spektakuläre Kulisse. Und das beruht auf Gegenseitigkeit.

Bereits am Samstag latschte Azad mit eine Gruppe muskelbepackter Muskelmänner übers Gelände. Das macht ihn auf jeden Fall nahbar und auch sympathisch, genau wie die an seinen Auftritt anschließende Autogrammstunde. Das Konzert bietet zwar nichts neues, trotzdem ist ein Slot um 11 ein wenig undankbar für einen Musiker, der mit Sido und Savas gerappt und einst Chartposition 1 erklomm.

Curren(Dollarzeichen)y! Ein bisschen Größenwahnsinn kann man dem MC aus New Orleans nicht absprechen, sein vernebelter Auftritt rechtfertigt diesen aber durchaus. KING KONG AIN’T GOT SHIT ON ME!

Unser Endgegner heißt Marteria! Das gibt dir den Rest.

Mieses Video, aber die Dimensionen werden ersichtlich:

Alle Bilder habe ich dank der freundlichen Genehmigung der schweizer Kollegen der Seite: www.tilllate.ch entnommen. Dort findet ihr noch jede Menge weiterer Schnappschnüsse, reinschauen lohnt!

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