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Archive for the ‘Kunst’ Category

Für jetzt und alle Zeit befreie ich mich von der menschlichen Unbeweglichkeit.

Zeit frisst Bild. Bild wird Zeit.

Asche zu Asche. Ende. Neu!

/Zeitsprünge sind erlaubt/

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Heimat Halts Maul!

Im Freilichtmuseum Neuhausen Ob Eck ist momentan die außergewöhnliche Sonderausstellung „Heimat 3.0 – Daheim zwischen Gestern und Heute“ (Klick!) zu sehen. Innerhalb der Ausstellung hat „Risse Im Asphalt“ den Raum „3.0“ radikal umgestaltet, eingefärbt und zugetextet!
 
Heimat, Never Trust In Heimat, Heimat Halts Maul, Freilichtmuseum Neuhausen Ob Eck, Sonderaustellung Heimat 3.0 - Daheim zwischen Gestern und Heute, Kunst, Bilder, Jeremias Heppeler (8)

Never Trust in Heimat.

Heimat war hier!

Aber wer will schon hier sein?

Who The Fuck Is Heimat.

Heimat wird dort.

Aber wer will schon dort sein?

Heimat muss brennen und Freiheit muss weh doa!

Auf der Haut. Und Insgesamt.

brennen, brennen, brennen.

Wie Smartphone-displays in der Nacht.

Heimat, Never Trust In Heimat, Heimat Halts Maul, Freilichtmuseum Neuhausen Ob Eck, Sonderaustellung Heimat 3.0 - Daheim zwischen Gestern und Heute, Kunst, Bilder, Jeremias Heppeler (10)Heimat, Never Trust In Heimat, Heimat Halts Maul, Freilichtmuseum Neuhausen Ob Eck, Sonderaustellung Heimat 3.0 - Daheim zwischen Gestern und Heute, Kunst, Bilder, Jeremias Heppeler (3)

Heimat, Never Trust In Heimat, Heimat Halts Maul, Freilichtmuseum Neuhausen Ob Eck, Sonderaustellung Heimat 3.0 - Daheim zwischen Gestern und Heute, Kunst, Bilder, Jeremias Heppeler (2)

Heimat, Never Trust In Heimat, Heimat Halts Maul, Freilichtmuseum Neuhausen Ob Eck, Sonderaustellung Heimat 3.0 - Daheim zwischen Gestern und Heute, Kunst, Bilder, Jeremias Heppeler (6)

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„Wie gestaltet sich ein Leben, bei dem die großen Leidenschaften versteckt werden müssen?“

Hans Bucher

41888Im Zuge des Seminars „Kino und Bild“ der Universität Konstanz hat sich Risse im Asphalt mit der Regisseurin Barbara Teufel (Klick!) getroffen. Sie stammt aus Neuhausen ob Eck, hat unter anderem mit ihrem Film „Die Ritterinnen“ große Erfolge auf nationalen und internationalen Filmfestivals gefeiert, arbeitet an Filmhochschule Köln und plant momentan einen Film über den Fridinger Künstler Hans Bucher (Klick!). Im Gespräch ergaben sich hochinteressante Ansichten über Heimat, das Werk im Verborgenen und vor allem den Dialog der beiden Medien Film und Gemälde. Aber lest selbst:

Also zunächst einmal wäre es sicherlich einige allgemeine Fakten interessant: Wie bist du auf Hans Bucher gestoßen?

Liebe auf den 2. Blick: die Wucht im Museum in Kombination mit dem Ort.

Was hat dich dazu bewogen den Film zu machen?

…hat mich nicht losgelassen. Die Widersprüche…

Widersprüche? 

hans bucher (1)

Erstmal die Bilder: sein malerisches Werk zerfällt in 2 Teile, die stilistisch nichts miteinander zutun haben, komplett verschieden sind. Zum einen die Landschaften, egal mit welcher Technik homogen, ganz anders die Portraits junger Männer. Beide Teile könnten jeweils ganze Archive füllen. Von den Landschaften wusste ich, die vielen Jungs haben mich überrascht. Sie waren, außer in seinen privaten Räumen, so gut wie nie zu sehen. ‚Sein künstlerisches Schaffen geschah gewissermaßen im Verborgenen‘ las ich. Da kommt das schwäbische Dorf ins Spiel, das anders funktioniert als Stuttgart oder München und anders als Kunstakademie.

In so einem Dorf ist das Handwerk angesehen, die Kunst ist ein überflüssiger Luxus, braucht kein Mensch. Höchstens mal was dekoratives mit Heimatgefühlen übers Sofa, aber wahrheitsgetreu sotts scho sei– sauberes Handwerk ist da wieder gefragt. Ein „Künstler“ ist – oder war zumindest – einer, der nix schafft. Eher ein Schimpfwort. Das macht man besser heimlich. Und dann diese unzähligen Jungs, teils orgiastisch, oft erotisch und meist nackt dargestellt: worin bestand die Faszination, was hat den Maler zu dieser Fülle getrieben? Die Frage nach der sexuellen Orientierung drängt sich förmlich auf. Und das ist das Tabu schlechthin. Unabhängig davon, ob diese Faszination jenseits von Leinwand oder Papier gelebt wurde:

Wie gestaltet sich ein Leben, bei dem die großen Leidenschaften versteckt werden müssen?  Seine Leidenschaft spratzelt wie ein Feuerwerk aus den Ölgemälden. Hans Bucher musste als junger Mann zurück kommen, aber er musste nicht bleiben… warum ist er geblieben? Was war stärker als die Widersprüche? Diese Dinge waren es, die mich nicht losließen. Könnte mir im Prinzip scheißegal sein, aber es berührt etwas, das direkt mit mir selbst zu tun hat: die „Heimatfrage“ im weitesten Sinn… Klar kann man Filme über alles mögliche machen, aber Kunst kann nur entstehen, wenn man berührt ist.

Und wie wird der Film im Groben aussehen?

Kann ich noch nicht sagen. Ich werde eine subjektive Perspektive einnehmen, es wird kein Versuch, ein definitives/objektives Portrait zu schaffen. Keine Reportage. Da werde ich es mit dem Maler halten, dessen Ziel ja auch nicht war, seine Umgebung objektiv zu dokumentieren.

Was hast du bislang gefilmt (für dieses Projekt)?

Vor allem Reportage! Viel Langeweile. Ein paar wenige Perlen. Das wenigste davon wird in den Film eingehen.

Wie gehst du vor?

Ich habe mit den Dreharbeiten begonnen, weil letztes Jahr zum 10. Todestag eine Reihe von Veranstaltungen stattfanden, von denen ich erwartete, die wichtigen Menschen aus Buchers Leben zu treffen, ich war neugierig auf die Leute, wie sie über ihn sprechen. Wie öffentlich über ihn gesprochen wird, heute. Wie seine Kunst wahrgenommen wird. Es ist ein Herantasten an die Leerstelle, ich kann ihn ja nicht fragen. Aber es gibt immer noch kein wirkliches Konzept.

 hans bucher (5)

Welche Rolle haben dabei die Bilder von Hans Bucher gespielt?

Sie waren die Initialzündung! Der Grund und Motor, mich auf diesen hermetischen Wahnsinn einzulassen!

Wo zeigt sich der „hermetische Wahnsinn“ von dem du sprichst?

Hans Bucher war eine hoch komplexe Persönlichkeit mit einem ebensolchem, nicht nur malerischen Werk, wie du weißt. Da ich ihn ja nicht fragen, ihm nicht zusehen kann, bin ich auf Infos und Material seiner Verwalter angewiesen. Wenn sie meinem Vorhaben auch grundsätzlich positiv gegenüber stehen, gibt es doch eine Furcht um die Deutungshoheit. Und damit ein zögerlicher Umgang in der Herausgabe des privaten Nachlasses.“

Sind die Bilder der Hauptgrund einen Film zu machen oder sind sie zwar Bedeutungsträger – aber treten dabei hinter die Geschichte zurück.

Die Wucht der Bilder in diesem engen Kontext provozieren Fragen. Zu seinem Leben, seiner Persönlichkeit, seiner Positionierung. Abgesehen davon wird aus abgefilmten Gemälden niemals ein Film.

Aber es gibt noch eine andere Frage, die mich in diesem Zusammenhang auch persönlich treibt: wie ist es möglich, nachdem man in großen Städten gelebt und künstlerisch oder wissenschaftlich gearbeitet hat, zurückzukehren ins Dorf? Komplett andere Strukturen, andere Kultur, andere Maßstäbe, andere Themen. Bedeutet, falls man sich nicht völlig isoliert, dass zumindest ein Teil der Persönlichkeit abgespalten werden muss…

Hast du dir schon überlegt, wie du die Bilder selbst in den Film einbauen wirst?

Nein, weiß ich noch nicht, das ist was vom Schwierigsten, das 3-dimensionale ins 2-dimensionale zu bringen, ohne dass es an Kraft verliert. Ich weiß nur, dass ich nichts als meine Lieblingsbilder zeigen werde. Wie bei jedem Künstler oder gar Genie ist nicht jede Arbeit herausragend. Mit einer Negativ- oder Mischauswahl kann man jedes Werk diskreditieren. Das passiert Bucher auch. Ich möchte nachvollziehbar machen, was mich an den Bildern fasziniert, warum sie trotz ihrem angeblichen Mangel an Modernität nicht auf den Misthaufen der Geschichte gehören.

Oder hast du selbst schon einmal mit Gemälden, Bildern gearbeitet?

Ja, ich hab vor vielen Jahren in Paris einen Film (‚Männer in Öl‘) über die Bilder einer jungen Malerin gemacht. Der Unterschied: ich konnte mit ihr reden. Die Parallele: sie weigerte sich, über ihre Bilder, ihre Kunst zu sprechen. Das war eine sehr kreative Herausforderung.

Wie bist du damals mit den Bildern umgegangen? Wirst du das ähnlich machen?

Damals konnte ich ihr bei der Arbeit zusehen, hab sie begleitet, konnte ihren Blick auf die Motive nachvollziehen und ihnen eine weitere Ebene geben, die die Malerin mit einschloss… ich hab auch viele Situationen herbeigeführt/inszeniert, war (sichtbarer) Teil des Prozesses. Die Voraussetzungen beim Hans-Bucher-Film sind ganz anders. Ich bin noch auf der Suche nach dem filmischen Schlüssel. Man weiß es nie, ob man ihn findet. Wie der Schriftsteller vorm weißen Blatt…

Welche Möglichkeiten liegen in der Kombination von Bewegtbild und „starrem“ Gemälde? Und inwiefern sollen / können diese beiden verschiedenen Medien in Beziehung treten?

Wir experimentieren mit der Kamera, versuchen, Emotionen, Bewegung, Auflösung der Form in Farbe, herzustellen, nachzuvollziehen. Wir suchen auch nach den Perspektiven des Malers, Originalschauplätze. So idyllisch schön sie für die Kamera sein mögen: die Diskrepanz zwischen dem Auge/filmischem Naturalismus und Buchers malerischem realistischem Expressionismus zeigt seine Kunst, lässt Rückschlüsse auf den Verdichtungs-/Gerinnungsprozess. Das ist die Idee, keine Ahnung, ob das aufgeht.

Bucher Hans

Nimmt man sich den Dialog, den Umgang von Bewegtbild- vs. starres Bild vor, oder passiert so etwas automatisch?

Jeder (dokumentarische) Stoff verlangt seine spezielle Form als filmische Übersetzung. Die zu finden ist die wesentliche künstlerische Arbeit. Man muss die Materie ganz und gar durchdringen, um dem Geist, der sie tränkt, auf die Spur zu kommen. So entstehen Assoziationen, Querverweise, eigene Bilder, eine neue Ebene. Es gibt, jedenfalls in meiner Arbeit, keinen automatischen formalen technischen Zugang, sondern immer die neue Frage: was braucht der Stoff, um sinnlich erfahrbar zu werden. Man kann es natürlich auch anders machen, viel einfacher, in dem man die Reportage wählt: man dreht ein paar Originalschauplätze, eine Ausstellung, ein paar Bilder ausführlicher, kommentiert von einem Experten und Musik, macht noch ein paar Interviews, fertig. Interessiert mich aber nicht. Das wäre das Notprogramm.

Mit welcher (speziellen) Technik wirst du versuchen Bild und Bewegtbild in Einklang, Kontrast, dialog zu setzen?

Schwierige Frage. Zum Beispiel malen mit der Kamera: wir fahren im Auto mit der Kamera durchs Donautal, beschleunigen immer mehr, bis sich die Form vollständig in Farbe auflöst. Das bildet einen inneren Prozess ab, den der Maler durch seinen Blick vollzieht. Ich strebe an, seiner Wahrnehmung so nah wie möglich zu kommen, in sein Universum einzutauchen. Bedeutet für die Textebene, dass ich vor allem mit seinen Worten (Tagebücher, Briefe etc.) arbeiten möchte.

Welches Gesamtbild soll bzw. wird im Idealfall – im Rahmen zwischen Gemälde, Film, Geschichte, Bild – entstehen?

Man soll eintauchen in diesen Kosmos. Man soll sich an Punkten identifizieren können. Das Geheimnis, das bleiben wird, soll neugierig machen auf Buchers Bilder. Vielleicht passiert ja auch sowas, dass die eigene Wahrnehmung des Alltäglichen andere Farben kriegt…

Tritt der Film automatisch zurück – hinter Erzählung/ Geschichte und die Bilder/ Gemälde?

Nein, nicht unbedingt. Da würde die Film-Kunst beginnen. Ob das gelingt, was man vorher nie…“

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Die_Schlacht

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God&Satan

god&satan

Wenn die Welt vor die Hunde geht, solltest du ein Hund sein…

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„Gegen die Wand“ – Theater Konstanz – Herbst 2012

Gegen die Wand“ ist die Geschichte von Cahit, einem depressiven Säufer, der sich selbst und seine türkische Herkunft verabscheut und der sein Auto mit voller Wucht gegen eine Wand knallt. Und „Gegen die Wand“ ist die Geschichte Sibels, einer jungen Türkin, die das echte Leben und vollkommene Freiheit genießen will, aber immer wieder gegen kulturellen Schranken ihrer Familie brettert und sich in einem Anfall der Verzweiflung die Pulsadern aufschneidet. Sibel trifft auf Cahit und sieht in ihm einen Ausweg: Scheinheirat! Die beiden bilden eine ungewöhnliche WG und bald entsteht eine destruktive Liebe, die beide Figuren erbarmungslos zerreibt.

Die Forschung unterteilt die Deutsch-Türkische Literatur gemeinhin in drei Phasen: Die erste Phase ist geprägt von Heimatverlust. Die türkischen Hilfsarbeiter werden entwurzelt, ihrer eigenen Kultur entrissen und ins kalte Deutschland versetzt. Dort verstehen sie kein Wort und die verlorene Heimat brennt im Hirn bis zur Depression. In der zweiten Phase regiert die Wut: Die Kinder der ersten Generation gehören weder in die Türkei noch nach Deutschland, sie verzerren sich nach Ausbruch, Rebellion und Freiheit / „Dein Türkisch ist ganz schön im Arsch. Was hast du mit deinem Türkisch gemacht?“ „Weggeworfen!“/. In der dritten Phase haben sich die deutsch-türkischen Autoren zu großen Teilen in Deutschland eingelebt, sie sind Teil der westlichen Welt und erkunden nun für sich die eigenen Wurzeln. Fatih Akins 2004 erschienener Film „Gegen die Wand“ ist dabei eindeutig der zweiten Phase zuzuordnen. Sibel will Leben, saufen, Drogen nehmen, ficken. Sie will ihre eigenen Regeln aufstellen, abseits der Türkei, ihrer Familie und Religion, die sie in ihrem Freiheitsdrang beschränken. „Gegen die Wand“ hat mit seiner Wucht und Kompromisslosigkeit für anhaltende Diskussionen gesorgt und das Bild des Deutsch-Türken gesprengt.

Regisseur Martin Nimz hat den oben verwobenen Stoff im vernebelten Herbst in Konstanz auf die Bühne gebracht. Gespielt wird mit vier Schauspielern: Andreas Haase mimt Cahit. Vollkommen ausgebrannt, absolut leergesoffen. Für diesen Cahit gibt es kein Ziel mehr und alles was war, ist weggewischt in unzähligen Vollräuschen. Und während Haases kahler Schädel im Bühnenlicht nur in matten weiß aufleuchtet, hat man das Gefühl, dass mit jedem Sibel-Auftritt (alias Sarah Sanders) ein Eimer Farbe auf die Bühne gekippt wird. Diese Sibel ist laut und hyperaktiv, springt und kreischt und tanzt ohne Pause solange, bis selbst der scheintote Cahit Feuer fängt. Sibel ist Cahits Defibrillator, doch als dessen Herz wieder pumpt, reißt er die junge Türkin mit ins Dunkel. Alle anderen Figuren werden von Kristin Muthwill und Thomas Fritz Jung verkörpert. Sie springen zwischen den Rollen, werden dabei von unglaublich dämlichen Kostümen (die freilich nur als Signale wirken sollen) illustriert und sorgen vor allen Dingen für ein unglaubliches Tempo.

Die Bühne frisst dabei fast den kompletten Raum und presst den Zuschauer regelrecht in die schmale, kreisrunde Sitzreihe, die sich am Rand des Raumes entlangschlängelt. Die hintere Wand dient als Projektionsfläche, darüber hinaus fährt immer wieder eine Leinwand in den Raum, auf die ebenfalls Filmfetzen und Liveübetragungen geworfen werden. Der Raum indes ist überhäuft von Müll, Massen an leeren Dosen, Kippen, Essen, Gitarren und einer Musikanlage, an der die Figuren immer wieder hantieren. Das Stück funktioniert im Zeitraffer, Highspeed-Theater, die Geschichte rauscht regelrecht am atemlosen Zuschauern vorbei – und wird dabei selbst zum Bild, zur Metapher für das echte, das unmittelbare Leben, nachdem sich Sibel so sehr sehnt. „Pure Vernunft darf niemals siegen“. Irgendwann hallt Tocotronic durch die Inszenierung und über all den Müll und all das angehäufte Drama. Ein wunderbar inszenierter Moment, währenddessen es Medien aus allen Rohren bläst: Musik, Theater und Film gehen für einige Sekunden Hand in Hand. Dann aber wird der Zuschauer weiter gerissen. Es gibt keine Bremsspuren.

Eine Verschnaufspause gibt es erst im zweiten Teil des Stücks. Die Szenerie: Eine Vergewaltigung in Istanbul. Die Musik und das Licht sind aus und dem Zuschauer bleiben nur Schatten und das penetrante Aufeinanderklatschen der Körper. Das ist so furchtbar, das man beinahe eingreifen möchte. „Halt!“ schreien. Und in diesen Sekunden wird deutlich, zu welcher Wucht Theater heute noch im Stande ist.

Natürlich muss sich die Inszenierung ein Stück (!) weit mit der Filmvorlage messen und natürlich ist das ein überaus schwieriger Vergleich: Fatih Akins Film gehört definitiv zu den aufregendsten und wunderbarsten Werken der jüngeren deutschen Filmgeschichte. Er lebt von einer Präsenz und vor allen Dingen von kalter Realität, die beinahe schmerzt. Birol Ünel ist Cahit, Akin hat den Film für ihn geschrieben. Produktionsfirmen sprangen ab, als von der Besetzung Ünels hörten, der einen Wohnwagen zerstörte und in die Türkei wegen eines Einreiseverbots geschmuggelt werden musste. Und Sibel Kikelli ist Sibel. Kikellis einzige Filmerfahrungen waren Billigpornos, ihr Spiel war roh wie Hackfleisch und passte gerade deshalb wie die Faust aufs Auge. Sanders und Haase ahmen nicht nach, sie finden ihren eigenen Grat, eigenen Nuancen der Geschichte. Das Stück ist also abstrakter, muss abstrakter sein: Es ist Literatur, voller Bilder und Anspielungen, eingefangenen Momenten, technischer Spielereien und transportiert dabei doch die selbe Gefühlslage, den selben Zeit- und Kulturgeist, die selbe Sehnsucht und Wut. Am Ende rauscht der Film selbst im Zeitraffer über die Bühne – das ist ein klares Verbeugen vor der aberwitzigen Vorlage, vor der sich Martin Nimz Inszenierung aber keinesfalls verstecken muss. Viel eher unterstreicht seine Version bestimmte Aspekte dieser großartigen Geschichte nachhaltig. Dick und fett mit Edding. Und es darf wieder diskutiert werden.

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